St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Sepp Wurm

Bergtour auf die Hocheisspitze (2.523m)

 von Sepp
An der Hocheis Diensthütte

An der Hocheis Diensthütte

Eine nicht ganz alltägliche Bergtour ist die Tour auf die Hocheisspitze. Dieser Gipfel ist mit 2.523 Metern Höhe der höchste der ganzen Hocheisgruppe und der zweithöchste des gesamten Hochkaltermassivs. Der Weg führt dabei zuerst über die Bindalm auf einem breiten Forstweg zur Mittereisalm. Hier biegen wir etwa auf Höhe des ersten, mittlerweile fast verfallenen Kasers nach links ab. Durch den Wald steigen wir auf einem schattigen, deutlich erkennbaren Pfad bis zur Hocheis Diensthütte auf. An dieser Hütte gabelt sich der Weg: Geradeaus führt er zum Voderberghörndl, der rechte Weg bringt uns ins Hocheiskar. Zuerst jedoch geht es weiter durch den Wald, bevor es lichter wird und auch flacher: Das zuerst noch relativ flache Gelände ist links und rechts von steil abfallenden Felswänden der Hocheis-Gruppe umgeben, im Kessel dazwischen wuchern die Latschen. Den Weg kann man allerdings kaum verfehlen.

Wir durchqueren die Latschenfelder und vor uns öffnet sich das Hocheiskar. Rechts begrenzen die fast senkrechten Felswände des Kammerlinghorns das Hocheiskar,

Kammerlinghorn vom Hocheiskar

Kammerlinghorn vom Hocheiskar

links die Abbrüche von Hocheishörndl und Hinterberghorn

Hinterberghörndl (rechts)

Hinterberghörndl (rechts)

und vor uns die Hocheisspitze und das Hochkammerlinghorn. Einzelne Schneefelder lassen erahnen, wie hoch sich im Winter hier der Schnee türmt.

Schneefeld im Hocheiskar

Schneefeld im Hocheiskar

Unter den Felswänden erstrecken sich steile Sandreissen, Abhänge lockeren Gerölls, deren Durchquerung recht unangenehm sein kann. Stöcke machen hier die Sache etwas einfacher. Erschwerend kommt in den Sandreissen eine enorme Trockenheit hinzu, der lose Sand bietet in den steilen Passagen überhaupt keinen Halt. Wo immer möglich wählen wir deshalb den Weg über Felsen und Platten, die leichte Kletterei ist natürlich sehr viel angenehmer als ständiges Wegrutschen im Sand.

Zur Orientierung sind im Hocheis Steindauben gesetzt, diese sind aber schwer zu erkennen. Dennoch ist die Wegfindung relativ unproblematisch: Wir halten uns bei der Durchquerung des sandigen Kars immer Richtung Hocheispitze, das Gipfelkreuz sieht man ja schon von unten. Nach der Überquerung der letzten Sandreissen stehen wir wieder vor festem Fels!

Da gehts rauf

Da gehts rauf

Von unten gesehen auf der rechten Seite des Gipfels bildet eine Scharte die beste Aufstiegsmöglichkeit zur Hocheisspitze. Die Kletterei zum Gipfel ist nicht besonders anspruchsvoll, erfolgt aber auf einem relativ schmalen Kamm, der nach allen Seiten steil abfällt.

Die letzten Meter zum Gipfel

Die letzten Meter zum Gipfel

Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Bergerfahrung muss man also schon mitbringen.

Am Gipfel angekommen, hat man eine fantastischen Rundumblick, da die Hocheisspitze die umliegenden Gipfel etwas überragt. Unter uns sehen wir das Wimbachgries, die Kallbrunnalm, gegenüber das Steinerne Meer

Das Steinerne Meer von der Hocheispitze aus gesehen

Das Steinerne Meer von der Hocheispitze aus gesehen

und auf der anderen Seite die Loferer Steinberge. Auch der Weitblick ist bei entsprechendem Wetter grandios: Deutlich kann man in einiger Entfernung den Zeller See und dahinter die schneebedeckten Gipfel des Großglockner-Massivs erkennen.

Blick bis zum Großglockner

Blick bis zum Großglockner

Am Gipfel trafen wir auch zwei Bekannte von uns, die einen anderen Weg hierher gewählt haben: Sie kamen nämlich über den schmalen Grat vom Kammerlinghorn über das Hochkammerlinghorn zur Hocheispitze. Diese Strecke ist Teil der sogenannten Hocheis-Umrahmung, einer hochalpinen Tour über einen schmalen Kamm über das Kammerlinghorn, das Hochkammerlinghorn, die Hocheisspitze, das Hinterberghorn, das Hocheishörndl und das Vorderberghörndl.

Bergsteiger bei der Hocheis-Umrahmung

Bergsteiger bei der Hocheis-Umrahmung

Diese Umrahmung ist eine der längsten und anspruchsvollsten zusammenhängenden Touren in den Berchtesgadener Alpen und nur etwas für wirklich erfahrene Bergsteiger.

Nach einer kurzen Rast und dem obligatorischen Eintrag ins Gipfelbuch verlassen wir die Hocheisspitze wieder auf dem gleichen Weg, auf dem wir gekommen sind.

Gipfelkreuz Hocheisspitze

Gipfelkreuz Hocheisspitze

Auch unsere beiden Bekannten stiegen mit uns ab, für die weitere Umrahmung war es schon zu spät. Die Sandreissen, die wir beim Aufstieg noch verflucht haben, sind im Abstieg natürlich ein Traum: in direkter Falllinie überqueren wir mehrere hundert Höhenmeter unter Nutzung der Bremswirkung des lockeren, tiefen Sandes.

Blick vom Gipfel ins Hocheiskar

Blick vom Gipfel ins Hocheiskar

Es war wunderbar, vielleicht wage ich mich auch mal am die Hocheisumrahmung! Nächstes Jahr dann, Euer Sepp

7 Kommentare

16. August 2012 um 17:22 von Julia K.

Wie lauten denn die Angaben zu Schwierigkeiten und voraussichtlicher Dauer?

Liebe Grüße und danke für die tollen Impressionen!

antworten

17. August 2012 um 8:02 von Sepp BGLT

Hallo Julia,
der große Teil dieser Tour ist eine leichte Bergtour auf einem gut ausgetretenen Pfad und durch Latschenfelder. Durch die anschließenden Geröllfelder ist es nicht schwer, aber anstrengend. Lediglich der letzte Teil der Tour erfordert Kletterei des ersten Schwierigkeitsgrades. Man sollte aber schon an Höhe und Ausgesetzheit gewöhnt sein.
Als Dauer werden von Hirschbichl bis zum Gipfel 4,5 h angegeben.

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30. Januar 2013 um 13:17 von Georg

Hallo Sepp,

ist eine tolle Tour, da hast Du recht. Ich bin sie im August 2012 gegangen (leider zum Großteil in Wolken, was die Wegfindung spannender machte…).
Ich möchte nur bezüglich der Schwierigkeit darauf hinweisen, dass meiner Meinung nach die Querung der sandigen Stellen im steilen Gelände kurz vor dem Erreichen des Sattels am unangenehmsten ist. Die Kletterei am Grat fand ich sehr viel entspannter. Also: Leichte Bergtour würde ich nur bis zum hinteren Teil des Hocheiskars unterschreiben, dann nicht mehr.
Danke für den Bericht – jetzt hab ich mal gesehen, wie schön die Aussicht eigentlich war…

Georg

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30. Januar 2013 um 21:45 von Sepp BGLT

Danke Georg für deinen Kommentar: Du hast sicher recht, allerdings ist die Kletterei am Grat meiner Meinung nach doch etwas schwieriger als der Auftieg durch den Sand! LG Sepp

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8. Juli 2014 um 15:02 von Andreas

Hallo, auf dem 1. Bild sehe ich jemanden mit Sportschuhen, sind dort Stiefel anzuraten oder ist das egal?
LG aus Hamburg

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15. Juli 2014 um 8:07 von Sarita BGLT

Hallo Andreas,

mit hohen Wanderschuhen bist Du auf der sicheren Seite! Nur Wanderer mit gutem Gleichgewichtssinn und Stabilität können mit Halbschuhen gehen. Ich finde, das ist nicht egal bei der hochalpinen Tour!

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14. Dezember 2015 um 11:34 von Florian Westermann

Hi, danke für den schönen Bericht, das hilft uns bei unserer Tourenplanung 2016 sehr 🙂

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