Naturerlebnisse
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14. August 2013 um 22:09 von Sepp BGLT

Zum Watzmannhaus – Abseits der offiziellen Wege

Der Watzmann ist nicht nur unser Schicksalsberg, sondern auch beliebtes Ausflugsziel. Die Ersteigung des Watzmanns, zumindest bis zum Watzmannhaus am Falzköpfl ist für viele unserer Gäste obligatorisch. Einmal dort oben stehen ist für viele der Höhepunkt Ihres Aufenthalts im Berchtesgadener Land. Dementsprechend viel los ist auf dem Weg zum Watzmannhaus. Es gibt sie aber noch, die einsamen Wege abseits der offiziellen Routen. Ich bin heute so einen vergessen Pfad gegangen: vom Wimbachgries über die Schüttalpe und die Watzmanngugl erreichte ich das Watzmannhaus von der anderen Seite.

 

Vom Wimbachgries auf die Schüttalpe

Ich starte meine Tour an der Wimbachbrücke in Ramsau, folge aber nicht den Schildern Richtung Watzmannhaus, sondern gehe ins Wimbachgries. Hier biegt ein unbeschilderter Pfad durch den Wald nach links ab zur Schüttalpe. Der Pfad ist steil und wenig begangen, man erkennt ihn zwar deutlich, doch das Gras wächst stellenwies fast darüber. Bei den feuchten Verhältnissen verfluche ich bald meine Schuhwahl: Ein hoher Bergschuh wäre heute wohl die bessere Alternative zu meinen Trekkingschuhen gewesen. Die Temperatur ist ideal zum Gehen und so erreiche ich rasch die Schüttalpe Diensthütte, wo ich erst mal Pause mache.

Diensthütte Schüttalm

Diensthütte Schüttalpe

Das Wetter macht mir jetzt leichte Sorgen: Die Wolken scheinen dichter zu werden und tiefer zu kommen.

 

Auf die Watzmann-Gugl

Kurz hinter der Diensthütte gabelt sich der Pfad. Nach rechts führt der Weg zur Schüttalplschneid, ich folge aber der linken Spur. Ich erreiche bekanntes Terrain: Die Schneise zur Gugl, die im Winter als Abfahrt für Skitourengeher dient, ist unverkennbar, ohne Schnee aber ungewohnt. Zum ersten Mal sehe ich dieses Gelände im Sommer. Während der untere Teil von den Kühen der Stubenalm beweidet wird, wuchert der obere Teil zu. 30 bis 40 Zentimeter hohe Fichten säumen die gesamte Breite des Hanges, noch ein paar Jahre und an Skifahren ist hier nicht mehr zu denken. Ich erreiche schließlich die Gugl, das Plateau westlich des Watzmannhauses, das vor allem bei Skitourengehern beliebt ist und im Sommer ein Schattendasein fristet.

Das Watzmannhaus in Wolken

Das Watzmannhaus von der Gugl aus

Bei Betrachtung des Himmels begrabe ich meine Hoffnung auf Wetterbesserung. Mittlerweile ist die Wolkendecke noch dichter geworden. Anfangs sehe ich das Watzmannhaus noch, doch nach den ersten Minuten meiner Pause verschwindet es im Grau des Himmels. Auch der Blick zum Hocheck verheißt nichts Gutes, irgendwie sieht es sogar nach Regen aus.

Hocheck im Nebel von der Gugl aus

Hocheck im Nebel von der Gugl aus

Den Gemsen, die an den Hängen des Watzmanns tollen, scheint dies herzlich egal zu sein.

 

Von der Gugl zum Watzmannhaus

Jetzt wird es spannend: Aus sicherer Quelle weiß ich, dass es einen Weg von der Gugl zum Watzmannhaus gibt, der mit blauer Farbe und Steindauben gekennzeichnet ist. Allerdings konnte ich weder blaue Wegpunkte noch Steindauben entdecken. Bitte nicht nachmachen: Ich halte mich oberhalb der Latschenfelder, um nicht im Gestrüpp hängen zu bleiben, suche den Weg über die Felsen und orientiere mich mithilfe meines inneren Kompasses, denn sehen konnte ich jetzt nicht mehr viel. Das Watzmannhaus war verschwunden, nach wenigen Metern war nur noch Grau. Dann sehe ich plötzlich drei Gemsen und nähere mich ihnen als ich fast über eine Steindaube stolpere.

Steindaube zwischen Gugl und Watzmannhaus

Steindaube zwischen Gugl und Watzmannhaus

Jetzt sehe ich auch die blauen Wegpunkte!

 

 

Am Watzmannhaus

Als ich mich dem Watzmannhaus nähere, lichten sich die Wolken, erst erkenne ich nur Umrisse, für einen kurzen Moment erscheint das Haus dann sogar völlig klar vor mir.

Das Watzmannhaus (1.930m)

Das Watzmannhaus (1.930m)

Doch das war nur ein kurzes Auflichten, sofort schließen sich die Wolken wieder. Auf der Terrasse des Hauses überdenke ich mein weiteres Vorgehen. Bei diesen Aussichten verzichte ich lieber auf einen weiteren Aufstieg zum Hocheck.

 

Rückweg über Mitterkaser und Stubenalm

Stattdessen gehe ich gemütlich ins Tal, diesmal über den Normalweg. Auf etwa 1.700 Metern lichten sich die Wolken dann endgültig. An der Mitterkaseralm war die Sicht schon wieder hervorragend, man konnte aber auch deutlich den wolkenumhüllten Watzmann sehen.

Mitterkaseralm am Watzmann

Mitterkaseralm am Watzmann

Weiter unten auf der Stubenalm weiden 7 Pferde und etliche Kühe mit ihren Kälbern, ich halte einen kleinen Plausch mit dem Senner und gönne mir ein Bier.

Stubenalm

Stubenalm

Als ich wieder an der Wimbachbrücke ankomme, bedauere ich das Wetter, aber andererseits war es eine einmalige Tour. Oder ist jemand von Euch schon mal aufs Watzmannhaus gegangen ohne eine Menschenseele zu treffen?

 

Euer Sepp BGLT

1 Kommentar

  1. Stefan Kopp sagt:
    Feine Alternative!

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