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Berchtesgadener Land Blog

Michael

24-Stunden-Wanderung

 von Michael

24 Stunden auf Berchtesgadener Wanderwegen

Nun ist es schon lange her, die Sommerwandersaison ist schon definitiv zu Ende, auch der von uns geliebte Wanderherbst neigt sich seinem Ende zu. Im Rückblick auf die Ereignisse dieses Wanderjahres fällt uns natürlich auch immer wieder die 24-Stunden-Wanderung am 31.8. ein, die für uns Einsamkeitsliebhaber aus verschiedenen Gründen doch etwas ganz Besonderes war.

Unser Guide Pauli und einer der Soldaten, die freundlicherweise einige steiler Passagen abgesichert hatten

Unser Guide Pauli und einer der Soldaten, die freundlicherweise einige steiler Passagen abgesichert hatten

24 Stunden (fast) nichts als wandern, gehen, laufen, schreiten, springen – viele können sich das schwer oder gar nicht vorstellen. Das Berchtesgadener Wanderfestival aber zeigt seit 3 Jahren, dass das möglich ist.
Wir hatten in unserem Buch „Bergerlebnis Berchtesgadener Land – die 40 Wege, die Sie kennen sollten“ diese Mammut-Wanderung, die vom Outdoor Club Ramsau veranstaltet wird, bereits beschrieben. Sie selber zu machen hatten wir eigentlich weniger erwogen, obwohl wir ja passionierte Wanderer und Bergsteiger sind. Wir, das sind Brigitte und ich – bis vor einem Jahr war „der Dritte im Bunde“ noch unsere Mischlingshündin Jessy. Gerne bewegen wir uns in einsamer Landschaft auf steilen Pfaden genießen Ruhe und Beschaulichkeit, Farben und Stimmungen. Aber in einer großen Gruppe wandern, und das noch 24 Stunden lang? Wir waren etwas skeptisch. Die Entscheidung wurde uns abgenommen: Die Veranstalter luden uns so freundlich ein, als „Hoffotografen“ mitzukommen, dass wir nicht nein sagen konnten. Also, warum eigentlich nicht? Und es wurde dann tatsächlich zu einem Erlebnis der besonderen Art.

Zuerst einmal: Es geht tatsächlich! Wir waren zwar nicht wirklich 24 Stunden auf den Beinen, es gab viele und lange Pausen – und in den frühen Morgenstunden war sogar ein kurzes „Nickerchen“ auf der Bank oder am Tisch der schönen Bergwirtschaft Söldenköpfl „drin“ – dank der vorher so flotten Bewegungsweise der Gruppe, die sogar unsere netten Guides Pauli & Eddy erstaunt hat.

Auf der Kührointalm

Auf der Kührointalm

Dann: Man lernt wirklich viele nette Leute kennen auf so einem Event. Es ergeben sich immer wieder Gespräche, man wandert und plaudert und erfährt viel Interessantes. Es gibt eine Menge Gemeinsamkeiten, sonst wäre man ja nicht auf so einem Weg unterwegs. Die Landschaft ist genauso schön wie immer – aber man bekommt schon ein bisschen weniger davon mit als sonst. Klar: Man unterhält sich, es besteht doch ein gewisser Gruppendruck – und für uns speziell: Wir mussten immer wieder als Fotografen präsent sein, mal vorn, mal hinten , mal von der Seite. So ist eine riesige Menge an Bildern entstanden, die zu sichten, bearbeiten und im Internet zur Verfügung zu stellen danach eine ganze Weile gedauert hat. Aber wir waren ja nicht umsonst zu diesem Zweck eingeladen worden.

Im Aufstieg zum Watzmann Hocheck

Im Aufstieg zum Watzmann Hocheck

Am Hocheck

Der erste Teil dieser Wanderung war trotzdem für Brigitte und mich nichts sehr Ungewöhnliches: Eine Besteigung des Watzmann Hochecks ist schließlich (von der Anforderung her) kein großes Abenteuer für uns – im Gegensatz zu manch anderem Teilnehmer vielleicht. Die Startzeit war für unseren Geschmack relativ spät – aber wir wollten ja um 9 Uhr und nicht um 6 Uhr am nächsten Tag ankommen: Es handelte sich ja um eine 24-Stunden-Wanderung. Und diese 24 Stunden wurden so akkurat eingehalten, dass wir einen Kilometer vor dem Ziel nochmals eine längere Pause eingelegt haben, um nicht zu früh da zu sein!
Die Ankunft auf dem Gipfel war dann aber doch ein ziemliches Erlebnis, praktisch alle Teilnehmer hatten es problemlos geschafft, das Wetter war leider nicht optimal, aber es war trocken geblieben, und so konnte jeder seine Brotzeit und die durchaus vorhandene Aussicht genießen. Die Stimmung war durchweg sehr gut.

Festzelt in der Ramsau

Festzelt in der Ramsau

Gute Laune nach einem tollen Abendessen - noch ist es trocken!Beim Abstieg gab’s dann noch eine längere Pause am Watzmannhaus, wir wurden wieder hervorragend verpflegt, und jeder konnte neue Kräfte für die immerhin noch etwa 1200 m Abstieg ins Tal sammeln.

 

Das tolle Abendessen zum Abschluss der Watzmann-Tour, das die Grassls in der Ramsau bereit gestellt hatten, hätte dann auch ein wunderschöner Abschluss einer größeren Bergtour sein können.
War es aber nicht! Denn jetzt brach erst der „harte“ Teil des Unternehmens an. Punkt 22 Uhr wurde noch das große Gruppenfoto vor dem Abmarsch gemacht, es war zu diesem Zeitpunkt noch relativ warm und vor allem trocken – alle lachen zuversichtlich. Danach machten wir uns wieder „auf die Socken“ – aber bereits 15 Minuten später brach das Wetter zusammen.
Hastig wurde die Regenkleidung übergezogen – und nun ließ er uns nicht mehr im Stich, der feuchte Begleiter. Der Marsch durch die Nacht im – zeitweise strömenden – Regen war dann schon ein „besonderes Erlebnis“. Man gewöhnt sich aber  auch daran, „schaltet das Hirn aus“ und trabt – zunehmend schweigsamer – so vor sich hin. Es wird 0 Uhr, es wird 2 Uhr, man ist durchnässt, es ist gottseidank nicht  kalt, die Schuhe zwicken schon ein bisschen, der Weg wird zunehmend rutschig: alles nicht so schön aber durchaus interessant. Es ist halt eine rein mentale Anforderung 😉

Der beleuchtete Zauberwald

Der beleuchtete Zauberwald

Diese Phase haben die Veranstalter durch kleine „Zuckerl“ etwas aufgelockert: Im Zauberwald vorm Hintersee waren farbenprächtige Illuminationen vorbereitet, es gab nochmals 2 Pausen mit Erfrischungen. Und irgendwann dann war das „Vergnügen“ auch zu Ende: Gegen 4 Uhr in der Früh lief die fast stets geschlossen wandernde Gruppe im Söldenköpfl ein, wo der Kraus Stefan in seiner gewohnten Liebenswürdigkeit die nasse Truppe empfing. Ein herrliches Frühstücksbuffet war aufgebaut, man konnte die Kleidung ein wenig trocknen und, wie gesagt, auch mal den Kopf auf die Tischplatte legen …
Später gab es dann eine Bergmesse, bei der alles, was nach Essen, Trinken und sonstigen Genüssen aussah, aus dem Raum entfernt werden musste. Konsequenterweise bat der Pater alle, denen der Gottesdienst nicht ein wirkliches Bedürfnis sei, den Raum zu verlassen – was dann ein nicht unerheblicher Teil der Wanderer auch tat.

Im Ziel

Im Ziel

Der Schluss ist schnell erzählt: Im Regen, aber nun bei Tageslicht, ging es relativ rasch nach Berchtesgaden zurück, wo wenige Minuten nach 9 Uhr die ersten Wanderer durchs Ziel schritten. Urkunden wurden ausgeteilt, es gab nochmals herrliche Sachen zum Essen und Trinken und nette Gespräche mit netten Leuten, bis sich das Häuflein dann so langsam (im Regen) verlief.

Hier nochmals ein Dank an Antje und Toni Grassl, die sich mit ihren Mitarbeitern und Helfern viel Mühe gegeben haben.

P.S. Wer sich dafür interessiert kann alle (!) 614 Bilder von dieser Wanderung im Picasa-Webalbum anschauen – oder sich beim Outdoor Club auch gleich fürs Wanderfestival 2014 anmelden

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