Sonnenuntergang-Kehlsteinhaus

Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Berchtesgadener Katzen

 von Sepp
Kühe auf der Mittereisalm

Kühe auf der Mittereisalm

Wer öfter in den Berchtesgadener Bergen unterwegs ist, weiß wahrscheinlich, dass es viele verfallene und aufgelassene Almen gibt. Oft liegen diese ehemaligen Almen in sehr schwer zugänglichen Gebieten im absoluten Hochgebirge. Als Beispiele seien hier nur genannt: Die Trischübel-Alm, die Reinersberg-Alm, die Schlumm Alm, die Sigeret-Alm, die Landtal Alm. Es gibt aber noch viele mehr.

Der verfallene Kaser auf der Feldalm

Der verfallene Kaser auf der Feldalm

Selbst kleinste Grasflächen in absolut unwegsamem Gelände wurde als Weideflächen genutzt. Man fragt sich, wie Viehwirtschaft unter diesen Bedingungen möglich war, wenn der Aufstieg zur Alm schon den zweibeinigen Menschen vor eine gewaltige Herausforderung stellt. Wie haben es dann die Vierbeiner über schmale Steige durch das felsige Gelände auf die Weidefläche geschafft? Die Antwort ist ganz einfach: Die vorherrschende Rinderrasse war bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts die Berchtesgadener Katze.

„Ein milcharmer, unansehnlicher Schlag“ nannte der bekannte Geograph, Historiker und Schriftsteller Joseph Ernst von Koch-Sternfeld (nach ihm ist in Berchtesgaden eine Straße benannt) die Gattung der Berchtesgadener Katze. Lediglich 5 bis 6 Zentner, also 250 bis 300 Kilogramm, brachten ausgewachsene Exemplare auf die Waage. Soviel wiegen heutzutage 1 1/2 jährige Kälber  Dafür waren die kleinen Kühe äußerst trittsicher und geländegängig. Für das extrem steile Gelände der Berchtesgadener Alpen waren die Tiere damit bestens geeignet, allerdings war der Milchertrag weder qualitativ noch mengenmäßig zufriedenstellend. Wegen der geringen Fleischleistung der Berchtesgadener Katzen musste auch noch zusätzlich Schlachtvieh in den Berchtesgadener Talkessel zugeführt werden, um eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung sicher zustellen!  Zudem erfuhr die Almwirtschaft im 19. Jahrhundert keine allzu hohe Wertschätzung: Ungünstige geologisch-morphologische Bedingungen erschwerten die Arbeit und ermöglichten trotz harter Arbeit kein zufriedenstellendes Auskommen der Bauern. Gegen Ende des  Jahrhunderts zogen sich die Almbauern immer weiter aus den Hochlagen der Berchtesgadener Alpen zurück und ließen die Almen offen. Auf den günstiger gelegenen Almflächen konnten auch die neuen, schwereren und leistungsfähigeren Rinderrassen gehalten werden. So kam es, dass die Berchtesgadener Katze ab Mitte des 19 Jahrhunderts als vorherrschende Rinderrasse in den Berchtesgadener Bergen von anderen Rassen abgelöst wurden.

In die Pinzgauer Rasse, die 1846 erstmals erwähnt wurde, züchtete man die Berchtesgadener Katzen sogar ein. Heutzutage droht den Pinzgauer allerdings ein ähnliches Schicksal: Wegen der im Vergleich zu den anderen Rassen niedrigeren Milch- und Fleischleistung wurde das Pinzgauer Rind immer mehr durch Fleckvieh und andere Rassen ersetzt. Laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) in Deutschland ist die Pinzgauer Rinderrasse gefährdet, das heißt die Populationsgröße ist unter eine Mindestanzahl gesunken und vermindert sich weiter um jährlich mehr als 10 Prozent.

Pinzgauer Kalb an der Mitterkaseralm

Pinzgauer Kalb: Ein Nachfahre der Berchtesgadener Katzen

Nur noch wenige Bauern setzten heutzutage auf die dunkelbraunen Pinzgauer, doch speziell für den Almbetrieb eignen sie sich wegen ihrer Trittsicherheit und ihres- im Vergleich zu anderen Rassen – geringen Gewichts immer noch hervorragend. Das sind wahrscheinlich die Gene ihrer Vorfahren.

Euer Sepp

3 Kommentare

11. März 2014um0:08 von Friederike Schmidt

Hallo, hast du Fotos von den anderen leerstehenden/verfallenen Almen? Das sieht wirklich malerisch aus.
Viele Grüße
Friederike

antworten

11. März 2014um10:18 von Sepp BGLT

Ja habe ich, muss ich aber erst sichten. Aber vielleicht kann ich noch ein paar Bilder posten!

antworten

12. Mai 2014um15:06 von Katzenforum

Hi, wäre auch an weiteren Bildern interessiert.

Grüsse

antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert*