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Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Von Zermatt nach Verbier

 von Sepp

Skitourenrennen Patrouille des Glaciers

Am Sonntag, 4. Mai, nahmen neun Heeresbergführer der Gebirgsjägerbrigade 23 bei der 30. Auflage des härtesten Skitourenrennens der Welt in der Schweiz teil. Was für den Triathleten der Ironman auf Hawaii oder die Tour de France für den Radfahrer, das ist für den Skibergsteiger die Patrouille des Glaciers von Zermatt nach Verbier. Vergessen sind die zahllosen Trainingsstunden, die Blasen an den Füßen, die Krämpfe in den Waden, die kalten Finger, die es im Laufe der letzten Monate gab und vor allem alle Strapazen der zurückliegenden Nacht.

Jubel beim Zieleinlauf

Jubel beim Zieleinlauf

Applaudierend erheben sich in diesem Moment Menschen auf den Terrassen der noblen Hotels und Restaurants im Schweizer Skiort Verbier und rufen „Bravo!“. Sie bilden das Spalier für die einlaufenden Patrouilleure, wie die Teilnehmer der Patrouille des Glaciers genannt werden.

 

Das härteste Skitourenrennen der Welt

Die Strecke von Zermatt nach Verbier fordert den Dreier-Patrouillen alles ab: 4000 Höhenmeter, 53 Kilometer, 40 Grad steile Abfahrten im vergletscherten Gelände und das größtenteils bei Dunkelheit. Auf dem höchsten Punkt der Strecke, der 3.700 Meter hoch gelegenen Tete Blanche, waren es nachts -20 Grad kalt. Mehr als 5.300 Teilnehmer aus 30 Nationen stellten sich dieser Herausforderung.

Hunderte Zuschauer und ausgelassene Stimmung beim nächtlichen Start in Zermatt.

Hunderte Zuschauer und ausgelassene Stimmung beim nächtlichen Start in Zermatt.

„Durch die Neuschneefälle kurz vor dem Rennen war die Strecke dieses Jahr in einem exzellenten Zustand. Auf der Tete Blanche war es aber mal wieder brutal. Die Temperaturen und der Wind haben einige Mannschaften zum Aufgeben gezwungen. Wenn man da oben nicht schnell wegkommt, kann es gefährlich werden für die eigene Gesundheit“, erklärt der staatlich geprüfte Bergführer, Oberstleutnant Johannes Schwegler aus Bad Reichenhall.

 

Sportlicher Wettkampf statt Mobilmachung

Im ursprünglichen Sinn war die Patrouille des Glaciers 1943 als Mobilmachungsübung der Schweizer Armee gedacht, um Truppenteile von Zermatt nach Verbier zu bringen. Auf Grund eines Gletscherspaltenunglücks 1949 wurde der hochalpine Wettlauf für mehr als 30 Jahre ausgesetzt. Erst 1983 erfolgte eine Neuauflage. Seit 1983 ist auch die Gebirgsjägerbrigade 23 und die Gebirgs- und Winterkampfschule Mittenwald als Gast dabei. Zur Organisation der Patrouille des Glaciers mobilisierte die Schweizer Armee 1500 Soldaten. Alleine 40 Ärzte verteilten sich auf 13 Streckenposten. 210 Tonnen Material wurden per Hubschrauber an die diversen Stationen geflogen. Der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Michael Matz verschaffte sich vor Ort auf der Strecke einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Heeresbergführer.

Heeresbergführer der Gebirgsjäger Brigade 23

Heeresbergführer der Gebirgsjäger Brigade 23

„Man kann es erst begreifen, was die Heeresbergführer hier leisten, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat. Sie sind professionell, unglaublich belastbar und trotzdem bescheiden. Ihre Leistungen verdienen noch größeren Respekt, wenn man betrachtet, dass sie sie in erster Linie Soldat sind und nebenbei Sport machen.“

Mit stehenden Ovationen werden die Patrouillen in Verbier von den Zuschauern empfangen

Mit stehenden Ovationen werden die Patrouillen in Verbier von den Zuschauern empfangen

Neben dem Zieleinlauf in Verbier zählt der legendäre Anstieg auf die über 3.000 Meter hochgelegene Rosablanche zu den Sahnestücken der Strecke. Unter den Klängen von Alphörnern und dem ohrenbetäubenden Gebimmel von Kuhglocken stapfen die Patrouilleure die steile Schneeflanke hinauf. Angefeuert von hunderten Zuschauern treten die Strapazen für einige Minuten in den Hintergrund. „Ich war zum dritten Mal dabei und bin vor dem Rennen immer noch nervös. Dieser Wettkampf ist das größte im Leben eines Skibergsteigers. Vor allem die Stimmung an der Strecke ist unvergleichlich“, beschreibt der erfahrene Patrouilleur Schwegler seine Eindrücke vom Wettkampf.

 

Heeresbergführer der Gebirgsjägerbrigade 23 erfolgreich

Die schnellste Mannschaft der Bundeswehr, Oberleutnant Georg Klauser, Hauptfeldwebel Rene Hellmann und Hauptfeldwebel Jörg Woitek erreichte in einer Zeit von 8:26 Stunden den hervorragenden dritten Platz in der Militärwertung.

Die schnellste Mannschaft der Bundeswehr

Die schnellste Mannschaft der Bundeswehr erreicht nach 8:26 h das Ziel. Oberleutnant Georg Klauser, Hauptfeldwebel Jörg Woitek und Hauptfeldwebel Rene Hellmann (v.l.n.r.)

Oberstleutnant Johannes Schwegler, Hauptfeldwebel Alexander Elste und Oberfeldwebel Karl Christl kamen zeitgleich mit Hauptfeldwebel Florian Schmidt, Hauptfeldwebel Andreas Wiedenmann und Hauptfeldwebel Stefan Heyer in einer Zeit von 11:08 Stunden ins Ziel. Die fast 90 minütige Wartezeit an der Engstelle am Col de Riedmatten verhinderte für sie eine Zeit unter zehn Stunden. Alle Teilnehmer der Bundeswehr sind ausgebildete Heeresbergführer von den Gebirgsjägerbataillonen 231, 232 und 233 aus Bad Reichenhall, Bischofswiesen und Mittenwald. Einige von ihnen waren bis Mitte letzten Jahres in Afghanistan im Einsatz.

 

Pressemitteilung Gebirgsjägerbrigade 23, Hochstaufen Kaserne Bad Reichenhall

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