Sonnenuntergang-Kehlsteinhaus

Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Das Carl-von-Stahl Haus

 von Ann-Kathrin

Ein Hüttenportrait: das Stahl Haus

Schon viel wurde in Blogs oder anderen Internetforen viel über Berg- und Wandertouren geschrieben. Doch was wäre die schönste Bergtour ohne eine Einkehr oder einen Stützpunkt zur Übernachtung. Heute stelle ich einen solchen Stützpunkt vor: Das Carl-von-Stahlhaus.

Carl-von-Stahl Haus

Carl-von-Stahl Haus

Peter Pruckner auf der kleinen Reibn

Hüttenwirt Peter Pruckner

Das Carl-von-Stahl Haus liegt auf 1736 m ü. A. Seinen Namen verdankt es Carl Stahl. Zum ersten Weltkrieg wurde die Jagd am Torrener Joch betrieben und das von keinen geringeren als der Krupp-Dynastie.  Deren Vertreter standen den Alpentouristen aufgeschlossen  gegenüber und tauschten schließlich Grundbesitz am Torrener Joch gegen  die Jochalm mit dem Alpenverein; dieser Tausch war für den Hüttenbau  sehr vorteilhaft, da das Joch wesentlich günstiger gelegen war. Die  Sektion Salzburg hatte sich mit anderen Hüttenprojekten übernommen und  kein Geld mehr für einen neuen Hüttenbau. Da fand sich ein Auswanderer  aus Österreich, Carl Stahl, der als Industrieller in Amerika in der  Textilbranche zu einem Vermögen gekommen war. Er spendete der Sektion  Salzburg das für den Hüttenbau notwendige Geld. Die Einweihung  seiner Hütte am 22. Juli 1923 erlebte er selbst nicht mehr, jedoch kam  seine Witwe. Aber nicht nur die Vergangenheit der Hütte ist interessant, auch die Gegenwart! 40 Jahre lang war Helmut Pfitzer, genannt „Heli“, Hüttenwirt auf dem Stahlhaus. Seit 2012 ist nun Peter Pruckner der Pächter des Hauses.

 

Hausmannskost und typische Almgerichte

Der erfahrene Alpinist und Hüttenwirt ist nicht nur Pächter der Hütte, sondern sorgt auch für das leibliche Wohl seiner Gäste.

Peter Pruckner und ein Teil seines Teams

Peter Pruckner und ein Teil seines Teams

Die gute Küche bietet frisch gekochte Hausmannskost und typische Almgerichte. Ein Auzug aus der Speisekarte: Kaspressknödelsuppe, Speckknödelsuppe, Spinatknödelsuppe, klassische Wildgerichte, Schweinebraten, diverse Kuchen und Süßspeisen. Ausgezeichnet wurde der Kaiserschmarren, welcher als Peter Pruckner noch Hüttenwirt in Oberösterreich war, als bester Oberösterreichs! Ich selbst komme auch immer sehr gerne zum Stahlhaus, vor allem auch wegen des Essens und des netten und herzlichen Teams!

der Kaiserschmarrn

der Kaiserschmarrn

Aufstiege zum Carl-von-Stahl Haus

Das Stahlhaus ist in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden zu erreichen, von einfach bis schwer. Am einfachsten erreicht man die Hütte über die Jenner Bergstation in einer guten Stunde. Man kann aber auch über die Jenner Mittelstation (3 Std.), den Parkplatz Hinterbrand (3 Std.) oder über die Hochbahn – Königsbachalm  (4 Std.) zum Stahlhaus aufsteigen. Diese Aufstiege sind mit einem blauen Punkt kategorisiert worden und gut ausgebaut. Schwieriger wird der Aufstieg, wenn man über Golling kommt (4 Std.) oder die kleine Reib’n rückwärts macht (ca. 8 Std.). Also von der Hochbahn – Königsbachalm oder Parkplatz Hinterbrand zur Priesbergalm wandert und weiter über den Stiergraben zum Seeleinsee steigt und dann zum Schneibstein aufsteigt, so ist man dann nach einem letzten eineinhalb stündigen Abstieg vom Schneibstein beim Stahlhaus und hat sich definitiv eine Einkehr verdient. Für die ganz hart gesottenen bietet sich natürlich der Weg zum Stahlhaus über den Hohen Göll und das Hohe Brett an (6 Std. ab Purtschellerhaus). Das Stahlhaus bietet nicht nur reizvolle Aufstiege sondern auch eine Vielzahl an Übergängen. Beispielsweise über den Schneibstein hinunter zum Seeleinsee und von dort aufwärts zum Hochgeschirr und je nach Gusto und Zeiteinplanung zur Gotzenalm oder zur Wasseralm (ca. 7 Std). Gipfelbesteigungen sind auch möglich. Am einfachsten erreicht man den Hausberg des Stahlhauses, den Pfaffenkegel 1850m. In ca. 20 Minuten erreicht man diesen hinter dem Haus liegenden Berg. Die letzten 10m zum Gipfel sind mit Drahtseil gesichert. Gerne wird dieser beim Auf- oder Abstieg zum Hohen Brett passiert. Unwesentlich schwieriger ist der Aufstieg zum Schneibstein, der auch ein beliebtes Ziel von Tagesgästen ist. In zirka eineinhalb Stunden hat man dessen Gipfelplataeu erreicht. Dort kann man eine wunderbare Sicht zum Steinernen Meer und dem wilden Hagengebirge genießen und mit etwas Glück lassen sich auch Steinböcke von der Nähe aus beobachten.

Blick zum Hagengebirge im Winter

Blick zum Hagengebirge im Winter

eine botanische Besonderheit unweit des Stahlhauses: der weiße Enzian

eine botanische Besonderheit unweit des Stahlhauses: der weiße Enzian

Nicht nur für Wanderer werden reizvolle Touren geboten auch Kletterer kommen voll auf ihre Kosten! An der Südwand des Hohen Bretts führt beispielweise die Stahlhausrallye mit dem Schierigkeitsgrad VII + und die Stahlhart VII-. Die Südwestwand des Hohen Bretts bietet zum Beispiel den „Weg der alten Männer“ an. Erstbegangen von Rudi Wienerroither und Gefährt mit dem Schwierigkeitsgrad V+ VI-. Es gibt aber auch einfach Kletterrouten ab dem Jägerkreuz/Pfaffenkegel. Zum Beispiel das Jägerlatein und der Silberpfeil mit dem Schwierigkeitsgrad V+.

 

Hüttenübernachtung im Stahlhaus

Nach all den körperlichen Ertüchtigungen bietet sich das Stahlhaus auch als Übernachtungspunkt an. 44 Betten und 58 Lager sind in der Hütten vorhanden, als auch moderne Sanitäranlagen. Im letzten Sommer wurde sogar der Rekord an Übernachtungszahlen geknackt. Doch trotz der hohen Übernachtungszahlen findet man bei Nächtigung unter der Woche noch ein ruhiges Plätzchen im Stahlhaus. Besonders schön sind die Doppelzimmer, wenn man mit dem Partner/in übernachten möchte. Nach einem reichhaltigen Frühstück kann man sich dann auf den Weiterweg machen, entweder zu einer anderen Hütte oder man bucht eine weitere Übernachtung und verbringt den Tag mit einer der Gipfelbesteigungen.

die Betten

die Betten im Stahl Haus

das Lager

das Lager

der gemütliche Gastraum

der gemütliche Gastraum

Das Stahlhaus ist nicht nur im Sommer beliebt. Es gehört sogar zu eine der wenigen Berghütten in den Ostalpen die das GANZE JAHR geöffnet hat. Jediglich am 24. Dezember ist geschlossen. Beliebt ist auch Silvester auf dem Stahlhaus. Gerüchten zufolge sollte man sehr frühzeitig buchen, wenn man dort den Jahreswechsel verbringen möchte. Buchen kann man über www.stahlhaus.at

 

Das Stahl Haus im Winter

Auch der Winter bietet viele sportliche Aktivitäten rund um das Stahlhaus. Beliebt ist die kleine Reib’n auch im Winter bei den Skitourengehern. Skitouren gehen wird mittlerweile immer beliebter. Ganz einfach, weil es die Möglichkeit gibt auch im Winter in Hochgebirgsregionen zu gelangen, die nur im Hochsommer zu erreichen waren. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt auch das Jenner Skigebiet. Präperierte Pisten werden gerne als Aufstiegsmöglichkeit im Winter genutzt. Schneeschuhwandern erfreut sich auch immer mehr an Beliebtheit. Am Besten ist das Stahlhaus mit Schneeschuhen zu erreichen, wenn man über die Hochbahn und die Königsbachalm aufsteigt. Dabei müssen auch keine präperierten Pisten überquert werden. Eine Übernachtung im Winter lohnt sich vor allem für diejenigen, die die sogenannte Große Reib’n machen wollen. Die Große Reib’n stellt eine der anspruchsvollten Skitouren in den Ostalpen dar. Fast 50 Kilometer Distanz und bis zu 40 prozentige Abfahrtspassagen verspricht die große Reib’n.

das Carl-von-Stahl Haus im Winter

das Carl-von-Stahl Haus im Winter

Auch ein Highlight sowohl Sommer wie Winter ist der morgendliche Sonnenaufgang am Stahlhaus. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie wundervoll sich der Himmel und die Berge färben. Alleine deswegen ist es die Übernachtung am Stahlhaus Wert. Ich selbst habe im März 2014 das erste Mal auf dem Stahlhaus übernachtet. Alleine stieg ich mit Schneeschuhen über die Hochbahn und die Königsbachalm hinauf zum Stahlhaus. Ich kannte niemanden am Stahlhaus, weder den Pächter, sein Team noch einen der Gäste. Oben angekommen hatte ich mich erst gestärkt und sowohl dem Team und vor allem auch dem Pächter Peter Pruckner fiel sofort auf das eine Schneeschuhwanderin alleine ankam und auch hier oben die Nacht verbrächte. Schnell kam er offen auf mich zu und man unterhielt sich gut. Auch die mittlerweile bei Einheimischen Bekannte Hüttenhundin Susi begrüßte mich freundlich und lies sich geduldig von mir streicheln. Abends als die Halbpension (Suppe, Hauptgericht und Nachspeise) serviert wurden kam ich auch mit zwei anderen ins Gespräch. Mein lachte viel und es wurde auch Musik gemacht. Urig und gemütlich! Ab 22 Uhr herrschte dann Hüttenruhe. Woran sich auch alle Gäste gerne hielten nach mühsamen Aufstiegen. Ich stellte mir sehr früh den Wecker damit ich nicht den Sonnenaufgang verpasse. Den wollte ich auf der Terasse der Hütte sehen und mit meiner Kamera einfangen. Was meine Augen da sahen, das konnte nicht mal das schönste Foto einfangen! Nach dem Frühstück blieb ich noch bis Mittags, nur der schönen Aussicht wegen und der wunderbar wärmenden Wintersonne. Eine einzigartige Atmosphäre, die ich als ehemailger Stadtmensch, der auch Winter ohne einen Funken von Schnee miterlebte, in vollen Zügen genoss.

Sonnenaufgang im Winter

Sonnenaufgang im Winter

Sonnenaufgang im Winter

Sonnenaufgang im Winter

Mittlerweile gehe ich mindestens einmal im Monat auf das Stahlhaus und werde immer mit offenen Armen empfangen!

 

Ich danke Peter Pruckner und seinem Team für seine Herzlichkeit und seiner Mithilfe bei der Erstellung dieses Artikels. Eure, Ann-Kathrin

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