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Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Steinbock, Hund und Wanderer

 von Sepp

Zwischenfall zwischen Steinbock, Hund und Wanderer

Am vergangenen Sonntag kam es am Watzmann im Nationalpark Berchtesgaden zu einem Bergunfall. Ein männlicher Steinbock hatte sich einem freilaufenden Hund genähert, um diesen zu vertreiben. Der Hund flüchtete zu seinem Besitzer, der daraufhin von dem Steinbock ebenfalls angegangen wurde. Bei einem Sturz verletzte sich der Wanderer und musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Steinböcke im Nationalpark Berchtesgaden

Steinböcke im Nationalpark Berchtesgaden – ein beliebtes Fotomotiv bei Wanderern und Bergsteigern

Nationalparkleiter appelliert an Vernunft der Gäste

Damit es nicht zu weiteren derartigen Zwischenfällen kommt, gibt Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel den Besuchern des Schutzgebietes einige Verhaltensregeln mit auf den Weg. „Wir bedauern sehr, dass der Wanderer aus Salzburg zu Schaden gekommen ist und wünschen ihm auf diesem Wege eine gute und baldige Genesung“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel. „Steinböcke sind normalerweise harmlose Hochgebirgsbewohner, die einfach nur ihre Ruhe haben möchten und bei Annäherung durch Menschen das Weite suchen“, erläutert Dr. Vogel die Erkenntnisse unzähliger Begegnungen von Bergsteigern und Steinböcken der vergangenen Jahre. Damit Zwischenfälle wie der vom vergangenen Sonntag künftig nicht mehr vorkommen, appelliert Vogel an die Vernunft und das Verständnis der Gäste und wirbt für einen respektvollen Umgang mit Wildtieren. Dazu zählt auch, einen ausreichenden Abstand zu Tieren in freier Wildbahn zu akzeptieren. „So ist es zum Beispiel in keinem Nationalpark weltweit erlaubt, Hunde frei laufen zu lassen. Dies dient nicht nur dem Schutz der Wildtiere vor den Hunden sondern vor allem andersrum.“ Freilaufende Hunde, die von Wildtieren als potentielle Beutegreifer erkannt werden, können aus Gründen der Verteidigung durchaus angegriffen werden. So war es wohl auch am Watzmann. „Steinböcke werden im Nationalpark Berchtesgaden nicht bejagt, daher sind die Fluchtdistanzen der Tiere gering – was Wanderern tolle Naturerlebnisse und Fotos beschert“, erklärt Vogel. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sollten Hunde im Schutzgebiet ausnahmslos angeleint werden, damit sie sich den Wildtieren nicht nähern. Auch Wanderer sollen die Fluchtdistanzen der Wildtiere nicht unterschreiten, da dies zu unvorhersehbaren Reaktionen führen kann. „In vielen Nationalparks, zum Beispiel in der Schweiz, sind Hunde generell nicht gestattet“, erklärt Vogel. Soweit soll es in Berchtesgaden nicht kommen. Schlussendlich gilt die Anleinpflicht dem Wohlergehen des Steinbocks. „Es ist mir bereits zu Ohren gekommen, dass gefordert wird, den vermeintlich gefährlichen Steinbock abzuschießen“, bedauert der Nationalparkleiter. „Oft trägt leider der Mensch die Verantwortung, wenn Wildtiere getötet werden müssen“, weiß der Experte. „So zum Beispiel in Kanada und in den USA. Hier werden Bären von Besuchern angelockt, gefüttert und aus nächster Nähe fotografiert – bis ein Zwischenfall passiert und das Tier abgeschossen werden muss“. Soweit soll es in Berchtesgaden nicht kommen. „Daher mein Appell an alle Wanderer und Bergsteiger: Bitte leinen sie ihre Hunde an und bleiben sie auf den Wegen. Nähern Sie sich Wildtieren nicht. Schöne Fotos von den mächtigen Steinböcken kann man auch aus der Entfernung machen.“

 

Pressemeldung Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

4 Kommentare

5. August 2014um18:12 von Michael Pötzsch

Erschreckend wie wenig die Leute über das Verhalten im Nationalpark wissen und wennsie es wissen nicht achten. Im Artikel stört mich ein Satz. Hunde sollten angeleint werden. NEIN sie müssen angeleint werden, gerne auch mit einer Freilaufleine! Nur so kann solcher ein Vorfall verhindert werden.

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5. August 2014um18:50 von Andreas

Da ich vor kurzem erst dort war: Im Schweizerischen Nationalpark sind Hunde keineswegs verboten, aber es herrscht absolute Leinenpflicht, die auch entsprechend kontrolliert wird.

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6. August 2014um10:11 von Rainer

Vielen Dank für diesen sehr ausgewogenen und unaufgeregten Blog-Beitrag, dem ich absolut zustimme. Völlig unverständlich sind mir die Forderungen, den Steinbock abzuschießen. Welches Recht maßen sich diese Menschen an, über das Leben von Tieren zu befinden, die nur ihrem natürlichen Instinkt folgen. Letzten Endes ist der Wanderer aus Salzburg für seine Verletzungen selbst verantwortlich, denn er ließ seinen Hund frei laufen. Wäre der Hund angeleint gewesen, wäre sicherlich nichts passiert. Ich stimme dem Kommentar von Herrn Pötzsch zu, dass Hunde im Nationalpark angeleint werden MÜSSEN! Leider erlebt man immer wieder das Gegenteil. Ich bin bereits auf vielen meiner Bergtouren im Nationalpark Berchtesgaden Steinböcken begegnet und NIE gab es auch nur ansatzweise ein aggressives oder gar attackierendes Verhalten dieser Tiere. Respekt und Sensibilität des Menschen bei Begegnungen mit Tieren in freier Wildbahn sollten selbstverständlich sein.

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4. März 2015um20:01 von alexander

Hallo!!!

Ich bin eurer Meinung das man keine Wildtiere töten soll wegen dem DUMMEN Verhalten von Menschen!!!

Ich selbst Wohne in der Steiermark und war am Wochenende bei der ROTEN WAND in Mixnitz. Auch hier sind sehr viele Steinböcke zu beobachten was echt ein schönes Erlebnis ist!
Ich habe immer meinen Knie hohen Mischlingshund mit der echt brav ist und wenn er Steinböcke sieht sich hinter mir versteckt 🙂

Jedoch muss ich sagen ist es ein sehr seltsames Gefühl wenn ich da stehe und mich 15 Steinböcke anstarren und sich ewig nicht bewegen!

Da ich mich nicht so gut auskenne bleibe ich immer ganz ruhig und entferne mich langsam von den Steinböcken und warte bis sie weiter ziehen!!!!

Ist mein verhalten richtig oder sollte ich noch etwas beachten!

Würde mich über Tipps freuen da ich bald wieder in den bergen bin!!!

Vielen dank

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