St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Ann-Katrin

Nacht-Schneeschuhtour

 von Ann-Kathrin

Öfter mal was neues!

Sonntagabend und man weiß nichts mit sich anzufangen. Das Fernsehprogramm gibt nichts her und das Nachtleben sowieso nicht, da die meisten Montagmorgen wieder arbeiten müssen. Das muss ich natürlich auch, aber ein paar Stunden weniger Schlaf zu haben als sonst macht mir rein gar nichts aus. Das Wetter war den ganzen Sonntag über bescheiden. Grauer Himmel und Dauerschneefall. Schon seit längerem schwirrte mir eine Idee durch den Kopf: eine Nacht-Schneeschuhtour. Ich, die Dunkelheit, das Krachen des Schnees und sonst nichts. Das ist es!

 

Inspiriert wurde ich durch die Webcam auf den Funtenseetauern, die in diesem Sommer installiert wurde. Die hochauflösenden Fotos, die vor allem in der Nacht geschossen werden sind echt beeindruckend. Auf www.foto-webcam.eu/webcam/funtenseetauern gibt es unter anderem auch Webcams aus dem Jennergebiet und der Ramsau. Gerade die Webcam in Richtung steinernes Meer, sodass man noch einen Teil der Schönfeldspitze sieht dient dem Lawinendienst, sie wurde extra deswegen so positioniert.

http://www.foto-webcam.eu/webcam/funtenseetauern/

http://www.foto-webcam.eu/webcam/funtenseetauern/

So, nun hieß es richtig anziehen nach dem Zwiebelprinzip und ganz wichtig: heißen Tee und Wechselkleidung einpacken. Eingehüllt in Schneehose und -jacke, Fleecepullover und Sturmhaube geht es los in Schönau-Unterstein. Die Schneeschuhe habe ich an meinem Rucksack fest gemacht. Ich laufe zum Königsseeparkplatz, vorbei an der Jennerbahn-Talstation, vorbei am Kreßgraben und dann der Beschilderung Brandkopf (bitte nicht bei Neuschnee und Dunkelheit den Aufstieg über den steilen Stufenweg nutzen!) folgend.

 

Ab dort heißt es dann umsatteln. Schneeschuhe anziehen, Stirnlampe aufsetzen und die Trekkingstöcke aufziehen. Glücklicherweise hat das letzte Haus vor dem Einstieg einen Bewegungsmelder, sodass ich richtig gut sehen kann während ich die Schneeschuhe anziehe. Alles umgesattelt! Los gehts in den dunklen Bergwald! Meine Stirnlampe ist die reinste Funzel! Gerade mal 3 Meter kann ich sehen und das auch nicht besonders hell. Ersatzbatterien habe ich dabei, aber ist auch nicht gerade das Beste Modell meine Stirnlampe. Was solls, was dich nicht umbringt macht dich nur härter!

 

Die ersten paar Meter in den Bergwald hinein sind beklemmend. Aber das Gefühl ist schnell überwunden als ich die ersten Lichter unten in Berchtesgaden und Schönau sehe. Leider ist es eher neblig durch den Schneefall, aber der Grünstein schimmert etwas heraus und wirkt jetzt in der Nacht mächtig. Nun kommen die ersten Steigungen und es geht stetig steigend hinauf in den Bergwald. Der Schnee ist sehr weich, wodurch ich auch durch das Nutzen von Schneeschuhen gut versinke. Mittlerweile habe ich mich mit der Dunkelheit angefreundet. Sogar schwitzen tue ich ziemlich. Ab und zu schaue ich nach rechts und links in der Erwartung vielleicht doch ein Tier zu entdecken, aber derzeit bin ich wohl als einzigste unterwegs. Nichts zu hören.

 

Bald erreiche ich das Gasthaus Vorderbrand. Auch dort ist es dunkel, nur in einem Raum (wahrscheinlich die privaten Räumlichkeiten ?) brennt noch Licht. Nun sind es nur noch rund 15 Minuten bis zum Gipfel. Mittlerweile schneit es hier oben heftiger. Der Schnee weht mir ins Gesicht und in die Augen. Ich sollte mir jetzt endlich mal eine Schutzbrille zulegen mit Fensterglas. Dann endlich bin ich am Gipfelkreuz angekommen. Durch den leichten Nebel sehe ich die Beleuchtung der Jennerbahn. Von Bergen oder dem Tal ist eher wenig zu sehen. Also Fernsicht dank Schneefall gleich 0. Trotzdem bin ich super beschwingt und happy.

 

Jetzt kommt gleich der unangehme Teil der Tour. Ich muss raus aus dem verschwitzen Fleecepulli den ich unter meiner Skijacke trug sonst kühle ich aus. Also raus aus der Jacke, Pulli aus und für mindestens 2 Minuten stehe ich nur im BH und Schneehose bei Schneefall am Gipfel bei was weiß ich wieviel Grad minus. Rein in den frischen Pulli und Jacke drüber – GOLD WERT! Wunderbar fühlt sich das an!

 

Und nun geht es an das Erinnerungsfotos schießen. Die Digital Kamera, die ich immer bei mir habe, ist nicht gerade ein Profigerät. Also mal schauen wie das fotografieren ist, die Stirnlampe auf mein Motiv gerichtet. Auf dem Display der Kamera sehe ich gar nichts, also knipse ich auf gut Glück. Ein bisschen kann man erkennen wo ich war. Seht selbst:

Gipfelkreuz

Gipfelkreuz in der Nacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausversehen fiel mein Trekkingstock in den Schnee. Wie vom Erdboden verschluckt – weg ist er. So weich ist der neu gefallene Schnee.  Bevor ich mich dann auf den Rückweg mache, knipse ich für einen Moment die Stirnlampe aus um nun zu spüren wie intensiv die Dunkelheit wirklich ist. Kein Gefühl von Angst oder Beklommenheit, pure Liebe!

 

Dann ist es soweit, es geht wieder abwärts. Da kommen nun die Vorteile des Neuschnees zum Vorschein. Das Absteigen gleicht dank der Schneeschuhe einem gleiten. Dadurch geht es schneller als im Aufstieg. Nach der dritten Wegabelung folge ich dem Abzweiger in Richtung Unterstein und allmählich komme ich wieder zu Hause an.

Gipfelkreuz

Gipfelkreuz Brandkopf

Das Ganze war wirklich beeindruckend! Ich werde es wieder tun. Allerdings bei freiem Himmel und möglichst bei Vollmond.
Ganz nach dem Motto: Try everyday something that scares you 😉

 

Eure, Ann-Kathrin

6 Kommentare

27. Januar 2015 um 14:31 von Stephen

This is a brilliant idea! Which other routes would you be confident tackling in the dark?

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27. Januar 2015 um 16:26 von Markus Müller

Eine schöne Tour! Ich liebe es nachts unterwegs zu sein!

http://www.hikr.org/tour/post61828.html

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28. Januar 2015 um 23:45 von Peter

Nächtliche Touren finde ich (vor allem im Winter) immer sehr reizvoll.
Ein guter Tipp ist auch der Teisenberg (http://blog.berchtesgadener-land.com/2012/06/27/stoiseralm-von-seiberstadt/).
Auch für Ortsfremde ein einfach zu findender Weg mit schöner Aussicht z.B. bei Vollmond vom Gipfel. Dabei aber den Blick nach NW nicht vegessen. Dazu direkt neben dem Gipfelkreuz an ein paar kleinen Bäume vorbei gehen.
Auf die Alm und den Kaiserschmarrn muss man zu dieser Uhrzeit (und im Winter sowieso) allerdings verzichten. 😉

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2. Februar 2015 um 23:06 von Mathias

Nachtouren sind echt schön. Der Brandkopf ist mein Haushügel. Von dort aus fahre ich ganz gern mit dem Schlitten wieder runter. Ich war an Neujahr eine Nachtskitour auf dem Jennergipfel. Mein nächstes Ziel die „Kleine Reibn“ als Nachtskitour.

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6. März 2016 um 13:46 von Norman

Während die anderen vor dem Fernseher sitzen, gehst du nachts im Schnee umher 😉 Finde ich gut! Nachtwanderungen haben immer etwas besonderes, vor allem wenn es dazu noch schneit. An die Dunkelheit gewöhnt man sich eigentlich recht schnell und bei Vollmond ist das Licht natürlich noch etwas weniger „gedimmt“.

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21. Mai 2016 um 19:37 von Jana

Eine Schneeschuh Tour bei Nacht habe ich noch nie mitgemacht. Das ist wirklich eine tolle Idee. Mal etwas ganz anderes.
Liebe Grüße,
Jana

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