St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Ann-Katrin

30 Kilometer pures Glück!

 von Ann-Kathrin
Am Gipfelkreuz des Schneibsteins

Am Gipfelkreuz des Schneibsteins © Ann-Kathrin Helbig

Die kleine Reib’n ist allseits bekannt und wohl eine der am häufigsten begangenen Bergtouren hier im Berchtesgadener Land. Ausgeschrieben wird diese als Tagestour von rund 6 Stunden. Für diese Bergtour braucht man klare Sicht, denn das Highlight ist die wunderschöne Aussicht und das Tiererlebnis im Hagengebirge.

Ich will früh aufstehen um möglichst den Wandermassen am Jenner zu entgehen. Doch heute komme ich schwer aus dem Bett und habe ausgeschlafen. Mist! Dann muss ich eben später einen Zahn zulegen um schnell in einsamere Gefilde am Berg zu gelangen. Das Wetter schaut so lala aus. Komisch, Badewetter war angesagt. Also schnell geduscht (muss ich, da ich ein kleiner Stinkbock bin und die morgendliche Dusche ist vor einer Bergtour Schadensbegrenzung :-P), Rucksack gepackt und los auf mein kleines Rollerlein. Seit April 2016 besitze ich einen Roller mit 2-Taktmotor. Er bringt mich immer sicher von A nach B. Nur mit Steigungen hat er so seine Probleme. So kann ich nicht den direkten Weg nach Hinterbrand hinauffahren, sondern muss über die Oberau fahren. Das zieht sich, aber das Roller fahren macht Spaß und die Vorfreude auf die heutige Tagestour steigt.

Beim Wanderparkplatz Hinterbrand angelangt ist schon einiges los. Ich suche mir eine kleine Lücke, wo mein Rollerlein nicht viel Platz einnimmt – und los geht’s.

Der Jenner ist – da sehr gut erschlossen – ein Wanderberg. Gerade am Wochenende an Schönwettertagen ist hier einiges los. Dem einen gefällt’s, mir eher nicht so. Ich brauche Ruhe und Abgeschiedenheit. Also muss ich gleich zu Beginn rausholen was die Kondition hergibt. Mein Aufstieg zum Carl-von-Stahl Haus wird zum Trailrun. Natürlich erregt man damit bei den übrigen Wanderern Aufmerksamkeit, aber das ist mir Wurscht! Nach nicht mal einer Stunde bin ich am Carl-von-Stahl Haus angelangt und genehmige mir ein Spezi. Der Zucker tut mir gut. Oben geht ein leichter Wind und es ist angenehm kühl. Die Hüttenangestellte Claudia fröstelt es sogar schon fast, während ich im nassgeschwitzten Top dastehe. Das Spezi hab ich schnell getrunken und weiter geht’s!

Mein nächstes Ziel: der Schneibstein.

Hier kann ich im Aufstieg das Tempo wieder runterfahren. Wider erwarten ist heute der Aufstieg gering frequentiert. Muss wohl auch am Wetter liegen. Nach Badewetter sieht es nicht aus. Es ist kühl, stark windig und bewölkt. Hoffentlich wird es nicht regnen oder gewittern, schießt es mir durch den Kopf. Nach einer gemütlichen knappen Stunde habe ich das Gipfelplateau erreicht. „Voi schee!“, würde der Eingeborene sagen und wie ich als Zugroaste sagen würde: „So schee, konnschd ned sache dass es ned schee is!“

Blick ins Hagengebirge

Blick ins Hagengebirge © Ann-Kathrin Helbig

Am Plateau setze ich mich erst einmal auf den Boden und esse meinen Mandelbogen von der Bäckerei Neumeier. Hier oben schmeckt diese noch drei Mal besser! Kompliziert versuche ich Gipfelselfie’s zu schießen, aber irgendwie will das nicht so klappen wie ich das will. Glücklicherweise kommen 2 Herren daher und schnell bekommen diese meine Kamera in die Hand gedrückt. Einer der Beiden erzählt mir er habe schon einen Donner gehört und er traue dem Wetter nicht und geht nun schnell mit seinem Bergkameraden zum Carl-von-Stahl Haus. Aber ich will nicht absteigen, ich will weiter gehen. Ich beobachte den Himmel. Nein, das wird halten!

Nun geht es über diverse Altschneefelder bergab zur Windscharte.

Altschnee im Hagengebirge

Altschnee im Hagengebirge © Ann-Kathrin Helbig

Querung unterhalb des Windschartenkopfes

Querung unterhalb des Windschartenkopfes © Ann-Kathrin Helbig

Dieser Übergang ist wirklich schön zum gehen! Auch die Wolkendecke reißt zwischendurch immer mehr ein bisschen auf. Ich sag nur „Wenn Engel reißen…“ 😀 Trotzdem traue ich dem Wetter nicht zu 100% und lasse die Gipfelbesteigung des Windschartenkopfes aus. Dieser ist nicht ausgeschildert, aber mehr als eindeutig zu erkennen. Ich stelle mich kurz zur Windscharte und diese gibt ihrem Namen alle Ehre. Ein starker Windstoß stößt mir diritissima ins Gesicht.

Windschartenkopf

Windschartenkopf © Ann-Kathrin Helbig

Immer weiter geht es bergab zum Seeleinsee. Mal auf schmalem bequem Pfad, mal mit kleiner leichter Kraxelei. Kurz oberhalb vom Seeleinsee ist es dann soweit. Das Reich der Steinböcke wird erreicht. Viele Jungtiere sind zu entdecken und die freundlichen Alpentiere lassen den Beobachter nah an sich herankommen.

kleiner Steibock-Weggefährte

kleiner Steibock-Weggefährte © Ann-Kathrin Helbig

Steinbock

Steinbock © Ann-Kathrin Helbig

Diese Begegnung erinnert mich an mein unvergessliches Steinbockerlebnis im November, als ich mich mitten unter das Rudel gesellen durfte

Nur noch wenige Schritte und ich erreiche den Seeleinsee. Hier sind ein paar Wanderer, die hier rasten um diesen lauschigen Ort zu genießen. Direkt neben dem Weg entdecke ich ein neugieriges Murmeltier. Ohne Warnpfiff bin ich ganz nah am kleinen Racker. Nach ein paar Sekunden werde ich ihm zu langweilig und er verschwindet in seinem Bau.

Murmeltier am Seeleinsee

Murmeltier am Seeleinsee © Ann-Kathrin Helbig

Am Seeleinsee angelangt frage ich mich, ob ich nun die kleine Reib’n vollende und über den Stiergraben und die Priesbergalm absteige oder ob ich weitergehe und auf das Hochgeschirr steige um dann über das Landtal und die Regenalm zur Gotzenalm zu wandern. Das Wetter ist nun endgütlig auf meiner Seite und der Tag ist noch lang. Also los auf’s Hochgeschirr!

Blick zurück zum Seeleinsee

Blick zurück zum Seeleinsee © Ann-Kathrin Helbig

Selbstauslöser-Selfie am Hochgeschirr

Selbstauslöser-Selfie am Hochgeschirr © Ann-Kathrin Helbig

Über steinige Stufen geht es bergauf. Das Hochgeschirr ist ein besonders schöner Platz zwischen Kahlersberg und hohes Laafeld. Es bildet eine Art Übergang und der Ausblick von dort hinunter zum Röthbachfall, Landtal und steinernes Meer ist immer wieder zu jeder Jahreszeit wunderschön!

Blick ins Landtal & steinernes Meer

Blick ins Landtal & steinernes Meer © Ann-Kathrin Helbig

Blick ins steinerne Meer

Blick ins steinerne Meer © Ann-Kathrin Helbig

Heute habe ich keine Trekkingstöcke zum gehen dabei. Ich habe für mich selbst entdeckt, dass der Verzicht meine Trittsicherheit verbessert. Nur hier bergab vom Hochgeschirr zum Landtal wünsche ich mir die Stöcke herbei. Es ist sehr geröllig und rutschig. Klar, auszurutschen wäre in diesem Gelände nicht zu schlimm, aber einen blauen Fleck am Po brauche ich nicht unbedingt. Ich hasse es zu rutschen oder zu fallen! Schon kurz hinter dem Seeleinsee bin ich vollkommen alleine. Kein Mensch mehr! Nur zwei Steinböcke begegnen mir wieder, die mich kurz neugierig beobachten und ich sie. Das Wetter hat sich im Gegensatz zum Vormittag schlagartig geändert, bestes Sommerwetter! Ein Genuß!

Als ich fast im Landtal bin nehme ich einen Abkürzungspfad in Richtung Regenalm. Zum letzten Mal genieße ich die Aussicht von hier bevor es dann hinein in den Wald geht. Ohne wirkliche Steigung gelange ich dann zum Weidegebiet der Regenalm.

Fast schon klischeehaft - Kühe am Wegesrand

Fast schon klischeehaft – Kühe am Wegesrand © Ann-Kathrin Helbig

Von dort ist es dann nicht mehr weit zur letzten Einkehr des Tages: der Gotzenalm. Dort genehmige ich mir eine Kaspressknödelsuppe und fülle mein Wasser auf. Die Nachmittagsstimmung wirft die Weidefläche in ein besonders schönes Licht.

auf der Gotzenalm

auf der Gotzenalm © Ann-Kathrin Helbig

So, nun kommt der unangenehme Teil: Ich brauche dann noch 3 Stunden, zum Großteil auf Forststraßen, bis ich dann wieder am Parkplatz Hinterbrand angelange. Unangenehm, da es einfach nur lang ist und nichts weiter als Kilometerfresserei ist. Daheim angelangt schaue ich via outdooractive nach wieviel Kilometer ich heute gegangen bin, denn wie Kurzstrecke kommt es mir nicht vor. Es sind knapp 30 Kilometer – ganz nach meinem Geschmack!

UPDATE: Bei dem Artikel und die Fotografien, die von mir stammen handelt es sich um welche die im Juni 2016 entstanden. Ich wurde Opfer eines schweren Verkehrsunfalls und somit bin ich gezwungen zu pausieren.

Eure Ann-Kathrin

4 Kommentare

20. Juli 2016 um 14:32 von Karen Heyer

Hallo Ann-Kathrin,
hab Dank für den wundervollen Bericht! Oh Gott, hoffentlich kommst Du wieder ganz in Ordnung nach dem Unfall. Gute Besserung!
Viele Grüße aus dem Norden
Karen

antworten

22. Juli 2016 um 19:34 von Michael

Hallo Ann-Kathrin, ich bin heute von der Haltestelle Kessel am Königssee auf die gotzenalm gelaufen. Zurück bin ich über die Regenalm und dem kaunersteig nach Salet. Das waren etwa 20 km ich bin schön müde von der Tour. 30 km und dann noch auf die 2000 er hoch, das würde ich nicht schaffen. Respekt was Du so alles in den Bergen bewerkstelligst. Ich freue mich immer über Deine Berichte und ich hoffe Du kannst bald wieder durchstarten. Achja, der kaunersteig ist auch eine ganz schöne kraxelei. Der kaunersteig ist von der Regenalm total schwer zu finden. Bin da erst in die falsche Richtung gelaufen. Daher auch die 20 km. Ich drück die Daumen, dass Du wieder gesund wirst ! Lg Michael

antworten

22. Juli 2016 um 21:17 von Tanja Vogl

Tolle Fotos…vielen Dank. Ich werd die Tour in a paar Wochen machen….ich freu mich riesig drauf!! Gute Besserung und ich freu mich auf deinen nächsten Blog!!!

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23. Juli 2016 um 9:21 von Willi schuricht

Da haste aber eine schöne Tour gemacht ??. War auch schon 2 mal dort.

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