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Zwei Jahre intensiver, oft kontroverser aber stets lösungsorientierter Zusammenarbeit haben das erste Kletterkonzept für den Nationalpark Berchtesgaden auf den Weg gebracht.

Zwei Jahre intensiver, oft kontroverser aber stets lösungsorientierter Zusammenarbeit haben das erste Kletterkonzept für den Nationalpark Berchtesgaden auf den Weg gebracht.

Naturverträglich klettern im Nationalpark Berchtesgaden: Interessenvertreter unterzeichnen Kletterkonzept

Ein Sprichwort besagt: Was lange währt, wird endlich gut. „Und manchmal sogar richtig gut“, wie Nationalpark-Mitarbeiterin Elke Zeitler befindet. Nach mehreren Anläufen und zuletzt zwei Jahren intensiver Zusammenarbeit ist es nun unterzeichnet, das erste Kletterkonzept für den Nationalpark Berchtesgaden: Eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Nationalpark und mehreren Vereinen, Verbänden und Interessensgruppen, die eine naturverträgliche Ausübung des Klettersports im einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands sicherstellen soll.

Gemeinsam haben die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, der Deutsche Alpenverein, die Bundespolizei, die Bergwacht-Bereitschaften Berchtesgaden und Ramsau, der Verband der Berg- und Skiführer sowie individuelle Kletterer die „IG Klettern“ (Interessengemeinschaft Klettern) gegründet. Nach zahlreichen Sitzungen, kontroversen aber stets fairen Diskussionen und individuellen Gesprächen haben sich die Unterzeichner nun auf ein gemeinsames Kletterkonzept geeinigt. „Ziel der Vereinbarung ist es, Rahmenbedingungen für eine möglichst naturverträgliche Ausübung des Klettersports im Nationalpark festzulegen“, erläutert Nationalpark-Mitarbeiterin Elke Zeitler, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen Lorenz Köppl bearbeitet hat. Dabei war es für alle Partner unvermeidlich, Zugeständnisse zu machen, Kompromisse einzugehen und sich aufeinander zuzubewegen. Das Klettern hat im Nationalpark Berchtesgaden eine lange Tradition, in vielen Bereichen wird seit Generationen aktiv geklettert – Tendenz steigend. Grund genug für alle Partner, das Klettern und Bouldern im Nationalpark nachhaltig zu lenken,  damit auch nachfolgende Generationen, sowohl die der Tieren und Pflanzen als auch jene der Kletterer, im Nationalpark ihre Bedürfnisse möglichst ungestört nebeneinander ausleben können.

Prominenter Unterstützer des neuen Kletterkonzepts ist Thomas Huber (r.) von den „Huberbuam“. Er unterzeichnete das Papier gemeinsam mit Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel.

Prominenter Unterstützer des neuen Kletterkonzepts ist Thomas Huber (r.) von den „Huberbuam“. Er unterzeichnete das Papier gemeinsam mit Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel.

„Am leidenschaftlichsten diskutiert haben wir über den Einsatz von Bohrhaken und die räumliche Abgrenzung der fünf neuen Kletterzonen“, erinnert sich Elke Zeitler. „Sich auf konkrete Grenzverläufe im Gelände zu verständigen und damit ganz bewusst auf bestimmte Bereiche zu verzichten, war die größte Herausforderung“, so die Nationalpark-Mitarbeiterin. Unerwartet einfach war hingegen die Einigung bei anderen Themen: „Die wesentlichen Grundsätze zum naturverträglichen Klettern im Nationalpark gemeinsam festzulegen, ging sehr schnell“, freut sich die Projektleiterin, die auch selbst leidenschaftlich gern klettert. Die Grundsätze der gemeinsamen Vereinbarung besagen, dass der Schutz der Natur Vorrang vor rein sportlichen Interessen hat, gleichzeitig aber der freie Zugang zu Berg- und Felsgebieten gesichert werden muss. Wildniszonen sollten als Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben. Besondere Bedeutung wird auch der Kinder- und Jugendarbeit zukommen, denn die Sensibilität für Heimat, Natur und Landschaft soll vermehrt bei der jungen Klettergeneration verankert werden.

Wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung ist die Schaffung von fünf ausgewiesenen Kletterzonen im Nationalpark Berchtesgaden: Reiteralm/Mühlsturzhörner/Hohes Gerstfeld, Blaueis, Watzmann, Jenner/nördliches Hagengebirge und Hoher Göll/Hohes Brett. Jede dieser Zonen wird von zwei Gebietsbetreuern betreut, die sich als Ansprechpartner für Kletterer und Schnittstelle zur Nationalparkverwaltung verstehen. „Neben einer Selbstverpflichtung für den Schutz unserer heimischen Natur war es uns auch wichtig, die Erschließung von neuen Touren weiterhin zu ermöglichen“, erklärt Josef Thomae von der Bergwacht Ramsau, der in der IG Klettern das Gebiet „Reiteralm/Mühlsturzhörner/Hohes Gerstfeld“ gemeinsam mit Benedikt Datzmann betreut.

Ansprechpartner für Kletterer in der neu ausgewiesenen Kletterzone „Reiteralm/Mühlsturzhörner/Hohes Gerstfeld“ sind Josef Thomae (r.) und Benedikt Datzmann von der Bergwacht Ramsau.

Ansprechpartner für Kletterer in der neu ausgewiesenen Kletterzone „Reiteralm/Mühlsturzhörner/Hohes Gerstfeld“ sind Josef Thomae (r.) und Benedikt Datzmann von der Bergwacht Ramsau.

Nach dem Konzept ist die Einrichtung neuer Routen innerhalb der Kletterzonen mit dem jeweiligen Gebietsbetreuer abzustimmen, damit eine naturverträgliche Erschließung auch unter Achtung der ethischen Grundsätze des Kletterns sichergestellt ist. Neuerschließungen außerhalb der Kletterzonen sollen generell vermieden werden, in Einzelfällen muss einem solchen Vorhaben eine naturschutzfachliche Prüfung durch die Nationalparkverwaltung vorangehen. Eine Veröffentlichung von Routen außerhalb der Kletterzonen ist untersagt.

Das neue Kletterkonzept ist ab sofort in Kraft und gilt zunächst für zehn Jahre. Infos gibt es auf den Webseiten des Nationalparks Berchtesgaden und der Alpenvereinssektion Berchtesgaden sowie im Bergsteigerhaus Ganz in Bischofswiesen.

Pressemitteilung Nationalpark Brchtesgaden

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