St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Katharina Huber

Saisonabschlusstour auf den Grünstein

 von Katharina
Der Klettersteig am Grünstein bietet ein einzigartiges Panorama

Einzigartiges Panorama auf den Königsee und Berglandschaft am Grünsteinklettersteig     © FH

Herbst. Ja, erst da, voll und ganz. An manchen Tagen macht er es uns schwer, bei trüben Wetter aus dem Bett zu kommen, aber oftmals färbt er uns die Tage besonders schön: Wenn Nebelschwaden die Berge umhüllen und das Tal in ein weißes Meer verwandeln, die klare, kühle Luft erfrischt und die Sonne die bunten Farben der Wälder zum Leuchten bringen. Dann kann ich mich kaum auf den Bürostuhl oder der Couch halten. So wie am letzten Oktoberwochenende, als sich der Herbst von seiner goldenen Seite zeigte. So packte ich meinen Rucksack und einen Freund als Begleitung und nutzte das perfekte Wetter für eine letzte Klettersteigtour in diesem Jahr, bevor langsam die Ski aus dem Keller geholt werden und man sich auf einen hoffentlich schneereichen Winter freut.

Ziel des Tages war der Grünsteinklettersteig, der neben dem Hochthronsteig und dem Pidinger Klettersteig zu den bekanntesten Klettersteigen im Berchtesgadener Land zählt.
Der Grünstein gehört zum Watzmannstock und bietet trotz seiner geringen Höhe von 1304 Metern ü. NN eine wunderbare Aussicht auf die mächtigen Berge des BGLs und auf den Königsee. Hoher Göll, Hohes Brett, Jenner, Untersberg, Watzmann und auch das Lattengebirge zeigen sich vom Grünsteingipfel von der besten Seite. Als zusätzliche, spannende Aufstiegsalternative zu den normalen Wanderwegen bauten im Jahre 2009 zahlreiche ehrenamtliche Helfer einen Klettersteig an der Südseite des Grünsteins, den Isidorsteig (B/C), ein idealer Steig für Anfänger und Genussklettersteiggeher. Für Fortgeschrittene, die Spaß an Herausforderungen haben, werden heutzutage weitere Varianten angeboten: Die Einstiegsalternativen Hotelroute und Räuberleiter mit Schwierigkeitsstufen bis E laufen nach einigen Höhenmetern zusammen um schließlich in den ursprünglichen Isidorsteig zu münden. Ebenso gibt es kurz vorm Gipfel eine weitere Aufstiegsmöglichkeit für besonders kräftige und technisch erfahrene Klettersteiggeher, die Gipfelwand mit zwei schwierigen, überhängenden E-Stellen.

Der Zustieg zum Klettersteig
Startpunkt für den Zustieg ist der große Parkplatz am Königsee, wo der Preis für ein Tagesticket derzeit bei 5 Euro liegt. Von dort starten wir bei warmer Mittagssonne und gehen entlang der Bob- und Rodelbahn Richtung Grünstein aufwärts. Erst auf Asphalt, schließlich auf einem Forstweg folgen wir den Wegweisern bis wir nach mehreren Kehren die Infotafel am Steigbeginn erreichen. Durch seine Talnähe dauert der Zustieg zum Klettersteig nur um die 40 Minuten.

Egal, welche Einstiegsvariante man wählt – eine komplette Klettersteigausrüstung inklusive Steinschlaghelm ist Pflicht!

Vollständig ausgerüstet starten wir bei bestem Wetter Richtung Einstiegsstelle

Vollständig ausgerüstet starten wir bei bestem Wetter und Laune in den Klettersteig.     © FH

Die warme Sonne beschert uns beste Verhältnisse am Fels, weshalb wir die Einstiegsvariante Räuberleiter wählen.

Der Einstieg über die Räuberleiter
Bei dieser Variante wird man ins kalte Wasser geschmissen, denn sich anfänglich mit leichten Kletterpassagen langsam warm machen ist bei der Räuberleiter nicht drin. Schon die erste Einstiegswand fordert, noch unaufgewärmt geht es gleich in eine C/D- und D/E-Stelle. Mit Hilfe zahlreicher Tritteisen, welche teilweise über überhängenden Fels gehen, steigt man ungefähr 40 Höhenmeter vertikal Richtung Gipfel. Mit ausreichend Armkraft ist dies allerdings trotzdem leicht zu bewältigen und besonders heute bei dem wunderbaren Herbstwetter ein wahrer Genuss.

An der anfänglichen anspruchsvollen Einstiegswand

An der anfänglichen anspruchsvollen Einstiegswand bevor es kurz wieder leichter wird.     © FH

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Höhenangst ist hier wohl wirklich fehl am Platz.     © FH

Über eine leichtere Querung in den Schwierigkeiten A bis B/C mündet man in die Hotelroute. Hier lohnt es sich kurz inne zu halten und den Ausblick auf den Königsee zu genießen, bis es dann über B bis C/D-Passagen in eine weitere überhängende, ausgesetzte Klammernwand in die Vertikale geht.

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Steilheit und weiter Abstand der Klammern fordern die Armkraft.     © FH

Hat man den Weg über die Klammernwand bewältigt, wartet eine technische Schlüsselstelle: ein kurzer, stark überhängender Block (bis E). Zugegeben, dieser fordert mich ein wenig. Wegen weit auseinander stehenden Klammern muss nun auf Reibung getreten werden, was erstens viel Armkraft erfordert und zweitens ein kleines bisschen Mut – der Stein ist nämlich schon sehr abgetreten und speckig. Mein Kopf macht mir erst ein Strich durch die Rechnung und ich gönne mir ein paar Sekunden Pause. Dann bewältige ich auch diese Stelle problemlos, unter anderem auch dank positiven Zuspruchs.

Einmal kurz durchatmen um durchzustarten

Einmal kurz durchatmen um durchzustarten.    © FH

Und es lohnt sich, denn nach der Schlüsselstelle wartet der bekannteste Teil der Hotelroute: Über eine Seilbrücke gelangt man in die Hauptroute Isidorsteig.

Besonders die Hängebrücke bietet eine schöne Aussicht und Spaß auf jedem Tritt

Die Hängebrücke bietet eine besonders schöne Aussicht und Spaß auf jeden Tritt.     © FH

Kleine Menschen könnten hier Probleme haben, weil sich die Stahlseile zum Festhalten weiter oben befinden – mit meinen 1,70 Metern konnte ich diese mit ganz ausgestreckten Armen erlangen.

Kurz danach bietet sich  schon eine weitere Möglichkeit für ein gelungenes Klettersteigfoto: das Fotoloch. Mit Blick auf dem Watzmann überschreitet man hier eine kleine Schlucht.

Ein schnelles Selfie im Fotoloch bevor es in den Endspurt geht

Ein schnelles Selfie im Fotoloch bevor es in den Endspurt geht.    © FH

Anschließend geht es in ein leichtes, aber steiles Gelände (A/B) bevor es im Bereich des Quittenbaumeckes wieder felsiger wird und man eine kurze C-Stelle passiert. Daraufhin erreicht man über eine schrofig-sandige Rinne den Grad, wo ein kleines Bankerl zum Verweilen einlädt. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel folgen wir nun über durchgehend leichte A-Passagen. Alternativ kann man ab dem Laxerlbankerl in die bis zur Schwierigkeit E ausgezeichnete Gipfelwand einsteigen. Diese ist zwar kurz, aber sehr steil und überhängend. Viel Kraft  und gute Technik sind hier gefragt, weshalb der Einstieg in die Gipfelwand gut überlegt sein und keinesfalls unterschätzt werden sollte! Diese Stelle muss leider von der Bergwacht oft angeflogen werden.

Wir entscheiden uns heute gegen die Gipfelwand und folgen dem Normalweg bis wir schließlich in guten zwei Stunden im Klettersteig den Gipfel des Grünsteins erreichen.

Schon die gesamte Tour verbrachten wir dank Südausrichtung des Steiges im Sonnenschein, welchen wir oben am Gipfel auf einer Bank ausgiebig genießen. Nach den vorherigen tristeren Tagen spüre ich beinahe, wie mein Körper jeden Sonnenstrahl einzeln aufsaugt. Unterstützt von dem schönen Wetter haben wir auch wieder einen wunderbaren Ausblick auf die Berge rund um den Königsee. So fällt es nicht ganz leicht, sich für den Abstieg aufzuraffen un den Sonnenplatz zu verlassen.

Der angezuckerte Watzmann im Meer von herbstlich verfärbten Bäumen

Der angezuckerte Watzmann im Meer von herbstlich verfärbten Bäumen.    © KH

Der Abstieg über den Normalweg
Um auch den Abstieg noch im Sonnenschein genießen zu können, brechen wir bald auf und folgen den Normalweg zur Grünsteinhütte, welche nur 10 Minuten unterhalb des Gipfels liegt. Ab der Hütte geht es weiter auf den markeirten AV-Weg 445 vorbei am Einstiegsplatz des Klettersteigs und weiter zum Königsee und dem großen Parkplatz auf gewohntem Zustiegsweg.

Den Parkplatz erreichen wir in nicht mal einer Stunde Abstiegszeit, wo das Auto schon auf die Heimfahrt wartet. Bestes Wetter, ein anspruchsvoller Klettersteig mit schönem Panorama mit einem Freund als ideale Begleitung – besser kann ein Klettersteig-Saisonabschluss nicht sein. So fahre ich ausgeglichen und zufrieden gen Westen, wo der Tag noch mit einem schönen Sonnenuntergang gekrönt wird.

Schöner kann der Tag nicht enden

Schöner kann der Tag wohl nicht enden.    © KH

Der Grünsteinklettersteig ist für jeden Genussklettersteiggeher, von Anfänger bis Fortgeschrittenen, auf jeden Fall zu empfehlen. Durch seine Südausrichtung steigt man bei schönen Wetter durchgehend im Sonnenschein und ebenso die schöne Aussicht und der viele direkte Felskontakt geben dem Steig besondere Pluspunkte. Da der Steig im Sommer durch seine Talnähe und vielfältigen Angebot an Schwierigkeitsgraden sehr stark frequentiert ist, ist es ratsam früh zu starten. Keinesfalls einsteigen sollte man bei Regen, da die zahlreichen erdigen Passagen und der abgetretene Fels extrem rutschig werden können. Ebenso sollte man beachten, dass der Klettersteig von November bis März gesperrt ist.
Stimmt der Zeitpunkt und das Wetter, steht Euch eine schöne, abwechlungsreiche Tour nichts mehr im Wege.

Auf weitere schöne herbstliche Touren mit viel Sonnenschein, Eure Katharina

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