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Cheftrainer Norbert Loch im Interview

Cheftrainer Norbert Loch im Interview

Am Donnerstag, 5. und Freitag, 6. Januar 2017 starten die schnellsten Rennrodler der Welt am Königssee in die zweite und entscheidende Saisonhälfte. Danach gibt es nur noch einen Weltcup im lettischen Sigulda vor dem Saisonhöhepunkt, den 47. FIL Weltmeisterschaften der Rennrodler in Innsbruck-Igls am 28. und 29. Januar.

Der Berchtesgadener Anzeiger hat aus aktuellem Anlass des bevorstehenden fünften Viessmann Rennrodel Weltcups der Saison mit dem deutschen Cheftrainer Norbert Loch gesprochen.

 

Herr Loch, wir sind von ihren Rennrodlern bei Heimrennen Siege gewohnt. Erwarten wir zu viel?

Norbert Loch: „Wir haben bei den ersten vier Weltcups der Saison bereits gesehen, dass die Konkurrenz international sehr stark ist und dass es auch hier am Königssee sehr schwer werden wird zu gewinnen oder sogar auf das Podium zu fahren.

 

Sie sprechen in erster Linie von den Herren, oder?

Norbert Loch: „Nicht nur. Aber das Herrenniveau ist tatsächlich noch einmal gestiegen. Die Konkurrenz, vor allem durch den Österreicher Wolfgang Kindl, die Amerikaner Chris Mazdzer und Tucker West, den Südtiroler Dominik Fischnaller und auch durch die drei sehr starken Russen, ist noch einmal größer geworden. Damit ist ein fünfter Platz nicht gleichbedeutend mit einer schlechten Leistung.“

 

Sie wollen uns jetzt aber nicht ernsthaft sagen, dass unsere Herren mit einem fünften Platz zu Hause am Königssee zufrieden wären?

Norbert Loch: „Nein. Die beiden Lokalmatadore Julian von Schleinitz und Felix Loch, als Weltmeister und Weltcup-Sieger von 2014 am Königssee, sind natürlich beide heiß darauf, sind Daheim mit Podiumsplatzierungen wieder an der Weltspitze zurück zu melden. Das ist auf jeden Fall das Ziel – auch für die anderen deutschen Männer. Aber es wird schwer und das macht die Rennen spannend!“

Die heimischen Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt waren seit der Saison 2009/10 bei sechs Weltcups in Folge – also sechs Jahre lang – ungeschlagen am Königssee. Ausgerechnet die aktuellen Weltcup-Spitzenreiter, Toni Eggert und Sascha Benecken aus Thüringen, beendeten die Siegesserie der Lokalmatadore dann beim letzten Weltcup im Januar 2015. Im Doppelsitzer können Sie als Cheftrainer die Favoritenrolle Ihrer Schützlinge also nicht von der Hand weisen. Dürfen wir also unsere Tobis Daheim siegen sehen?

Norbert Loch: „Die aktuellen Weltcupspitzenreiter Eggert/Benecken sind natürlich sehr heiß darauf die Olympiasieger Wendl/Arlt auf ihrer Heimbahn zu schlagen. Umgekehrt haben das die beiden Bayern letztes Jahr auf deren Heimbahn in Oberhof auch geschafft. Da würden die beiden Thüringer natürlich gerne den Spieß umdrehen. Für Wendl/Arlt ist das also kein Selbstläufer. Sondern das wird auch eine Herausforderung werden. Da sind die heimischen Fans also gefordert, das Duo am Donnerstag lautstark anzufeuern!“

 

Warum sollen die heimischen Fans in die Eisarena zu den Weltcuprennen kommen. Was erwartet sie?

Norbert Loch: „Möglichst viele Gäste und Einheimische sollen an den Königssee kommen, weil sie spannende, hart umkämpfte Weltcup-Battles erleben werden. Auch bei den Damen wird Alex Gough aus Kanada in Königssee sicher ein Wörtchen mitreden. Sie hat sich mit dem Weltcupsieg zu Hause in Whistler sehr stark präsentiert und wird hoch motiviert an den Königssee kommen. Unsere Weltmeisterin und damit Favoritin Natalie Geisenberger möchte natürlich zu Hause gewinnen. Aber auch Tatjana Hüfner und Dajana Eitberger, die im letzten Jahr bei der WM am Königssee etwas gewackelt haben, sind wieder erstarkt und wollen beim Weltcup am Königssee aufs Podium. Das Frauenrennen wird sicher auch eine spannende und knappe Geschichte.“

 

Wie wichtig ist die Stimmung an der Strecke, dass viele Zuschauer und Fans da sind und die Sportler lautstark anfeuern? Bekommt man das auf den Rennrodel überhaupt mit?

Norbert Loch: „Natürlich bekommt man das mit. Es gibt im Rennrodel-Weltcupzirkus zwei Klassiker, das sind Königssee und Oberhof. Dort fährt jeder Sportler gerne. Die Stimmung beflügelt und motiviert ungemein. Das ist mit Ruhpolding und Oberhof im Biathlon zu vergleichen. Vor so einer Kulisse konzentriert man sich noch einmal ein bisschen besser und es macht viel mehr Spaß vor so einem Publikum zu fahren. Das Publikum hier in Berchtesgaden-Königssee hat sich ja zur WM im Januar 2016 schon in hervorragender Weise präsentiert. Das ist bei allen Athleten noch sehr gut in Erinnerung und darauf freuen sich natürlich alle Sportler jetzt wieder.“

 

Königssee läutet sozusagen den Endspurt auf die Weltmeisterschaften in Igls ein. Jetzt kommen die letzten beiden Weltcups vor dem Saisonhöhepunkt. Was bedeutet das für Ihr Team?

Norbert Loch: „Königssee ist ein sehr entscheidendes, vorbereitendes Rennen auf die Weltmeisterschaften am letzten Januar-Wochenende in Igls. Hier geht es noch um die WM-Qualifikation bei den Herren. Das wird noch sehr interessant werden. Denn wir haben ein Weltcup-Team von fünf Herren und vier werden nur bei der WM starten.

Zum anderen gilt es, dass man sich in Richtung WM als Saisonhöhepunkt, bei den letzten beiden Weltcups in Königssee und Sigulda, noch einmal Wettkampfhärte und Stabilität holt. So langsam sollte man sich jetzt in eine WM-Form bringen!“

Vielen Dank Norbert Loch für das Gespräch!

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