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Berchtesgadener Land Blog

Rosi Fürmann

Rosenkranzstation auf dem Weg von Teisendorf zur Wallfahrtskirche nach Weildorf – gegossen nach Vorbildern der Rosenkranzstationen aus Achthal – „Der für uns Blut geschwitzt hat“


Das Handwerk – der „Hände Werk“: die Teisendorfer Handwerkerroas

Die Teisendorfer Bauhandwerker laden für Samstag, 1. Juli von 10 bis 17 Uhr zur „Handwerkerroas“ durch die Großgemeinde ein. Dabei öffnen 13 Betriebe ihre Pforten und die Besucher können mit einem 25-minütlich verkehrenden Shuttlebus bequem von Teisendorf über Oberteisendorf, Neukirchen und Tragmoos alle Handwerker anfahren.

Handwerk ist in Teisendorf schon seit Jahrhunderten groß geschrieben und es gab sehr bedeutende Betriebe, wie z.B. die Eisengießerei in Achthal…

Achthal in der Gemeinde Teisendorf (Ortsteil Neukirchen)
Achhtal war eine bedeutende Eisenhütte, in der an Ort und Stelle das in Achthal gewonnen Roheisen im Kunstgussverfahren verarbeitet wurde

Der Rosenkranzweg von Teisendorf nach Weildorf – die hohe Kunst des Handwerks der Eisenverhüttung in Achthal

Werkstücke in handwerklicher Kunst hergestellt, erfreuen schon immer die Menschen und in beinahe liebevoller Arbeit bemühen sich heute viele Liebhaber, solche Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten. So geschieht dies auch mit den in der Eisengießerei Achthal vor rund 150 Jahren entwickelten und gegossenen Rosenkranzmotiv-Kreuzen, die der damals viel begangenen Wallfahrt von Teisendorf zur „Schönen Madonna nach Weildorf in 15 Stationen zu je fünf Gesetzen im schmerzhaften, glorreichen und freudenreichen Rosenkranz den Weg wiesen.

die Rosenkranzstation  „der von den Toten auferstanden ist“ auf dem Rosenkranzweg von Teisendorf nach Weildorf, gegossen in der Eisengießerei Achthal

Das Handwerk – der Hände Werk! Über die Jahrtausende entwickelt sich mit zunehmender Intelligenz des „Menschen der Vorzeit“ die Geschicklichkeit, die Hand zu einem „Werkzeug“ werden zu lassen, mit dem man nicht nur Vorhandenes greifen und fassen kann, sondern die Hand als ein Werkzeug nutzt, die verschiedensten Erfindungen für ein leichter und besser zu bewältigendes Leben – wie Steinkeil, Axt und Speerspitze zu fertigen. Durch aus heutiger Sicht primitive, für die damalige Menschheit aber genau wie heute steigende Bedürfnisse entwickelt sich der Mensch zum „Homo sapiens“ mit Gebrauchen, Benutzen und Nutzen von Werkzeugen. Das Handwerk unterscheidet sich dabei durch die Individualität und Einzigartigkeit der Erzeugnisse von der Industrie.

die Rosenkranzstation aus dem Rosenkranzweg von Teisendorf nach Weildorf, gegossen in der Eisengießerei Achthal,
„den Du zu Elisabeth getragen hast“

Das Handwerk – der Hände Werk…

Die in bestechender Handwerkskunst hergestellten Rosenkranzmotiv-Kreuze von Teisendorf nach Weildorf mit den vom weithin bekannten Teisendorfer Kirchenmaler Josef Hitzinger (1834 – 1913) entworfenen und gemalten Bildern gehen leider im Zuge der Flurbereinigung von Weildorf in den Jahren 1979-1983 teilweise verloren. Den Anstoß und Anreiz für Schlossermeister Ludwig Gschwendtner, sich Mitte der 1980er-Jahre um diesen „Rosenkranz“ zu kümmern, geben Hans Aicher und Knoglerbauer Hans Gasser mit der Bitte, die auf ihren Grundstücken stehenden zwei Kreuze zu restaurieren. Fasziniert von der Gusseisen-Handwerkskunst macht sich Gschwendtner auf die Suche nach den Restlichen. Dabei kommt es unter anderem zur Aussage eines Bauern: „Das alte Marterl haben wir im Boden vergraben. Was Geweihtes im Boden schadet nicht!“ Ein wieder entdecktes Kreuz kommt in das Bergbaumuseum Achthal, ein von Hans Gramsamer Geborgenes ist „nicht mehr zu retten“ und die restlichen Sechs kommen unter die Hände des Schlossermeisters Ludwig Gschwendtner, den die alte Arbeitstechnik der Achthaler Gießerei immer mehr fasziniert.

die Rosenkranzstation aus dem Rosenkranzweg von Teisendorf nach Weildorf, gegossen in der Eisengießerei Achthal, „den Du im Tempel wiedergefunden hast“

Ein hervorragender Guss und in einem sechsteiligen Baukastensystem für die damaligen Möglichkeiten bewundernswert exakt gefertigt; so lassen sich beschädigte Einzelteile leicht austauschen. Die für den kompletten Rosenkranzweg noch fehlenden neun Kreuze gießt 1992 die Carolinenhütte in Achthal unter Leitung von Gießereileiter Fritz Deininger genau nach Originalmodell neu. Der 87jährige Kirchenmaler Georg Gschwendtner aus Karlstein übernimmt es trotz seines hohen Alters, die Bildtafeln zu erstellen. Das letzte Bild kommt dann jedoch aus der Hand von Ursula Übelherr, da der Kirchenmaler zwischenzeitlich verstirbt. Das Aufstellen der Kreuze übernehmen die Gemeindearbeiter Konrad Dumberger und Hans Birnbacher und benutzen große Nagelfluhsteine aus dem Hörafinger Steinbruch als Sockel.

 

die Rosenkranzstation „der für uns mit Dornen gekrönt worden ist“ aus dem Rosenkranzweg von Teisendorf nach Weildorf, gegossen i nder Eisengießerei Achthal

Da die von Kirchenmaler Gschwendtner gemalten Motive in den letzten Jahren durch Umwelteinflüsse arg in Mitleidenschaft gezogen waren, entwarf und bemalte Frau Übelherr alle Motive inzwischen neu.
Den Weg von Teisendorf nach Weildorf zu gehen, die Bilder zu bewundern und gläubig zu betrachten und genau hinzuschauen auf die „hohe Kunst des Handwerks“ der über Jahrhunderte arbeitenden und weithin für die hohe Qualität des Gusses bekannten Gießerei in Achthal – es lohnt!

die Wallfahrtsmadonna -„schöne Madonna“ genannt von 1430;  Weildorf war über Jahrhunderte eine große Wallfahrt und lebt derzeit wieder als Wallfahrtsort auf

Am Sonntag, 20. August 2017 um 19 Uhr findet wieder die Wallfahrt entlang der Rosenkranzstationen nach Weildorf statt. Der Abmarsch erfolgt am ersten Taferl in Karlsbach.

Weildorf in der Gemeinde Teisendorf mit der wunderbaren Marienwallfahrtskirche vor dem Hintergrund des Hochstaufen und Zwiesel

Eure Rosi

Fotos: RoHa-Fotothek Fürmann und Repro Fürmann

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