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Die Seeforelle ist zurück im Königssee

 von Sepp
Erst drei Tage alt sind die jungen Seeforellen, die im Königssee ein neues zuhause gefunden haben.

Erst drei Tage alt sind die jungen Seeforellen, die im Königssee ein neues Zuhause gefunden haben.

Jeder, der schon mal in der historischen Gaststätte St. Bartholomä am Königsse war, kennt den großen Fisch an der Wand. Es ist die bisher größte im Königssee gefangene Seeforelle. 1976 ging sie Fischermeister Rudi Amort ins Netz. Sie wog ganze 27,5 kg, hatte einen Umfang von 80 cm und war zirka 12 Jahre alt. Früher war die Seeforelle, die „Königin der Alpenseen“, häufig im Königssee anzutreffen, seit einigen Jahren ist sie aus dem Nationalpark Berchtesgaden weitgehend verschwunden. Zum 40jährigen Jubiläum des Nationalparks gibt es ein Comeback des großen Süßwasserfisches. Im Rahmen eines Projektes wurden in diesem Frühjahr 15.000 Seeforellen-Brütlinge im Königssee ausgesetzt, weitere Aktionen folgen. Insgesamt werden in den nächsten 5 Jahren 15000 Seeforeelleneier und –brütlinge im Königssee ausgesetz.

Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich der Nationalpark Berchtesgaden, die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern und Königssee-Berufsfischer Thomas Amort gesetzt haben: Die Seeforelle soll im Königssee wieder heimisch werden. „In den 1980er und 1990er Jahren gab es bei der Seeforelle in nahezu allen großen, oberbayerischen Seen große Bestandseinbrüche“, erklärt Dr. Ulrich Wunner, Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern. Vor rund sechs Jahren hat Berufsfischer Thomas Amort im Königssee zum letzten Mal eine Seeforelle gefangen, seitdem gilt sie als verschollen.

Das Reich des Fischers vom Königssee

Das Reich des Fischers vom Königssee

Theorien über die Gründe ihres Verschwindens gibt es viele: „Möglicherweise sind geeignete Laichplätze im Königssee weggefallen oder ein vermehrter Nährstoffeintrag und das damit verbundene verstärkte Pflanzenwachstum kommen der Seeforelle als Kieslaicher nicht entgegen“, vermutet Wunner. Auch Veränderungen im Nahrungsspektrum der jungen Seeforellen könnten nach Ansicht des Experten eine Rolle spielen. Nach aufwändigen Renaturierungen des Saletbaches zwischen Obersees und Königssee im Jahr 2011 sind zumindest ausreichend geeignete Laichplätze wieder vorhanden. Grund genug für die Projektpartner, eine Aussetz-Aktion durchzuführen – schließlich wurden in anderen bayerischen Seen mit dieser Methode bereits gute Erfolge erzielt. Seeforellen kehren ähnlich wie Lachse im Alter von vier bis fünf Jahren zum Laichen zum Ort ihrer Geburt zurück. „Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Besatzfische nicht zu alt sind, denn dann sind sie nicht ausreichend auf ihr Geburtsgewässer geprägt wandern später ab“, erklärt Nationalpark-Ranger Klaus Melde.

Nationalpark-Ranger Klaus Melde entlässt junge Seeforellen-Brütlinge in den Saletbach zwischen Obersee und Königssee. Die "Königin der Alpenseen" soll im Nationalpark Berchtesgaden wieder heimisch werden.

Nationalpark-Ranger Klaus Melde entlässt junge Seeforellen-Brütlinge in den Saletbach zwischen Obersee und Königssee. Die „Königin der Alpenseen“ soll im Nationalpark Berchtesgaden wieder heimisch werden.

Die rund 10.000 eingebrachten Brütlinge im Königssee waren nur drei Tage alt und trugen noch ihren Dottersack. „Bei so jungen Fischen haben wir gute Chancen, dass sie den Saletbach und das Kiesbett bei St. Bartholomä als ihren Geburtsort in Erinnerung behalten“, erklärt Melde. Im Beisein einer Kindergruppe des Nationalparks wurden die rund 10.000 Seeforellen-Brütlinge behutsam in den Saletbach und in die Kiesbank vor der Handinsel St. Bartholomä entlassen. „Sorgen vor Fressfeinden müssen sich die jungen Seeforellen nicht machen“, erklärt Berufsfischer Thomas Amort. „Die Jungfische verstecken sich sofort im Kies und sind damit für Fressfeinde kaum zu erreichen“. In den kommenden fünf Jahren werden jedes Jahr im Frühling weitere 10.000 bis 15.000 Seeforellen-Eier und Brütlinge am Königssee ausgesetzt, um die Bestände zu stützen.

Dr. Ulrich Wunner (l.), Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern und Nationalpark-Ranger Klaus Melde (Mitte) bringen 10.000 Seeforellen-Brütlinge in den 2011 aufwändig renaturierten Saletbach ein. Die Aktion wurde von einem Team des Bayerischen Rundfunks begleitet.

Dr. Ulrich Wunner (l.), Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern und Nationalpark-Ranger Klaus Melde (Mitte) bringen 10.000 Seeforellen-Brütlinge in den 2011 aufwändig renaturierten Saletbach ein. Die Aktion wurde von einem Team desBayerischen Rundfunks begleitet.

Bis 2024 beobachten alle Projektbeteiligten die Entwicklung der Jungfische ganz genau, 2020 beginnen die regelmäßigen Erfolgskontrollen in Zusammenarbeit mit Berufsfischer Amort. Dabei wird die Entwicklung der Seeforellen mittels Reusenfängen dokumentiert. Nationalpark-Leiter Dr. Roland Baier wünscht dem Projekt ein gutes Gelingen: „Es wäre für den Nationalpark Berchtesgaden ein toller Erfolg, wenn die Seeforelle bei uns wieder heimisch wird und sich selbstständig fortpflanzt“.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

2 Kommentare

25. Mai 2018um16:27 von Rüdiger Hennig

Es ist schon ganz toll was hier gemacht wird! Nationalpark und Berchtesgadener Land sind für mich das schönste Stück Welt.

Rüdiger

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25. Mai 2018um22:07 von Sepp

> Da hast du Recht: Wir sind wirklich gesegnet, hier leben zu dürfen 😉

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