Sonnenuntergang-Kehlsteinhaus

Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Am Alpgartensteig, kurz vor dem Ziel

Nach einer Woche eher wechselhaften Wetters wurden wir am vergangenen Wochenende mit Temperaturen um die 30 Grad und Sonnenschein entschädigt. Sogar die Gewitter, die jeweils zum Nachmittag angekündigt waren, blieben im Berchtesgadener Land aus. Mehr braucht es nicht, um den Bergfex glücklich zu machen. So fackelten meine Wander-Kumpanin Nicole und ich nicht lange und nutzten die Chance, endlich den Predigtstuhl zu erklimmen. Ohne die „Grand Dame“ versteht sich, nur auf Schusters Rappen.

Auf den Predigtstuhl führen viele Wege, wir entschieden uns für den Alpgartensteig im Gemeindegebiet von Bayerisch Gmain. Dieser beginnt am Wanderparkplatz Bergkurgarten am Fuße des Lattengebirges. Die Zeitangaben von anfangs 4,5 Stunden sollte man nicht allzu ernst nehmen, mit ein wenig Übung schafft man die Strecke in 2,5 Stunden.
Um der Mittagshitze zu entkommen, starteten wir bereits um halb neun in der Früh. Einbalsamiert in Sonnencreme und Zeckenspray wanderten wir durch das schattige Wappbachtal, linksseitig entlang des namensgebenden Gewässers. Dieser Abschnitt des Weges wird als „Alpgartenrundweg“ bezeichnet; man folgt von Anfang an der Beschilderung „Hochschlegel“. Leicht steigt der Rundweg an, gesäumt von zahllosen Frühlingsblühern und den Wasserfällen des Bergbaches.

Der Wappbach

Am Talschluss gingen wir weiter in Richtung Hochschlegel über die Stahlbrücke. So langsam machte sich die Sonne bemerkbar und die stehende Luft im Bergwald erhitzte sich zusehends. In Serpentinen stiegen wir weiter auf ins Innere des Lattengebirges, unterbrochen von kurzen Trinkpausen. Genug Wasser sollte man auf jeden Fall mitnehmen, da nach den letzten Bächen im Tal erst wieder in der Almhütte Schlegelmulde das kühle Nass winkt.

Nun folgte der spektakulärste Teil der Tour:
Über Leitern und Treppen erklommen wir die Felsen im hinteren Talabschnitt. Teils mit losen Stahlseilen gesichert führen diese an Graten entlang, immer bergauf. Schwindelfreiheit ist unbedingte Voraussetzung, denn rechts, links und rückwärts geht es steil in die Tiefe. Unterhalb des Steiges ist in der Schlucht ein gigantisches Geröllfeld zu sehen, der Oberlauf des Wappbachs. Die vereinzelten Schneefelder unterhalb gaben uns teilweise das Gefühl, in vergletscherten Regionen weit südlich der Alpenstadt unterwegs zu sein. Beidseitig dieser Schlucht ragen Felswände auf, die bis hinauf zu den Gipfeln von Dreisesselberg und Karkopf reichen.

Der Oberlauf des Wappbaches in einer Geröllhalde

Steil führen die Stiegen über den Fels.

Der Gipfel des Dreisesselbergs

Der letzte Abschnitt des Weges führt durch hochalpines Gelände.

Als die Gratwanderung überstanden war, folgten Wald und schließlich alpines, felsiges Gelände, bedeckt mit Gräsern und Latschenkiefern. Immer näher kamen wir den Höhen des Lattengebirges. In der mittlerweile brütenden Hitze trieb uns hauptsächlich der Gedanke an die Kochkünste der Familie Posch voran. Wie glücklich waren wir, als endlich der alte Skilift und die Almhütte Schlegelmulde zu sehen waren! Ein schattiger Platz auf der Terrasse war schnell gefunden – bei der Auswahl des Mittagessens dauerte es etwas länger, zu schmackhaft las sich die Karte. Schließlich war auch die wichtigste Entscheidung des Tages getroffen: auf zwei „kleine“ Suppen (Gulasch und Kaspressknödel) sollten Topfen- bzw. Apfelstrudel folgen. Die Juniorchefin und ihre Kollegen waren trotz vollen Hauses aufmerksam und sehr schnell, daher hatten wir schon wenig später unsere wohlverdienten, dampfenden Teller vor uns. Und ja, der Aufstieg hatte sich gelohnt, schon allein des Essens wegen. Auch die nächste Tour zur Hütte wurde gleich geplant, müssen doch Spinatknödel und Kasspatzen ebenfalls probiert werden. Tipp: Sollte kein Platz mehr frei sein, kann man auf das Bergrestaurant Predigtstuhl ausweichen – die Betreiber sind die Selben und es wird mindestens so gut gekocht!

Die Almhütte Schlegelmulde zwischen Predigtstuhl und Hochschlegel kommt in Sicht.

Die gemütliche Terrasse vor der Almhütte.

Mahlzeit!

… und etwas Süßes hinterher.

Nach den mehlspeisigen Desserts legten wir uns noch kurz in die Sonne – bequeme Liegestühle vor der Talstation des ehemaligen Sessellifts machen’s möglich. Wer möchte, kann auch die letzten paar Meter über Spazierwege auf den Predigtstuhl gehen. Das Panorama lohnt sich allemal!
Noch ein paar schöne Bilder von der Aussicht gemacht und wir traten den Rückweg an – wegen des recht inoffiziellen Charakters der Route gehe ich nicht weiter darauf ein. Zum Abstieg bietet sich, mit genug Zeit, der Weg über den Dreisesselberg (bis zum Gipfel max. 1 Stunde) und der anschließende Abstieg über den Eichelberg zurück zum Parkplatz an. Alternativ führt der Waxriessteig auf Reichenhaller Seite hinab zum Saalachsee. Wer steile Strecken bergab scheut, kann auch die Predigtstuhlbahn nutzen und vom Bahnhof Kirchberg/Bushaltestelle Tiroler Tor öffentlich nach Bayerisch Gmain zurück fahren (Bhf/ Haltestelle Brücke oder Alpgarten).

Sonnenbaden vor der Hütte

Die Alpenstadt von oben

Viel Spaß bei eurer nächsten Wanderung wünscht euch

Fabi

2 Kommentare

29. Mai 2018um16:12 von Oliver

Hallo Fabi ,
wir haben vor 3 Wochen die gleiche Tour gemacht, haben oben dann noch die 3 Gipfel mitgenommen wenn man schon mal da ist :-). Vom Gipfel am Dreisesselberg hat man sogar eine schöne Aussicht auf die Steinerne Agnes. Und natürlich waren wir zum Essen in der Schlegelmulde. Ist eine wunderbare Tour zum laufen.
Viele Grüße
Oliver

antworten

30. Mai 2018um10:19 von Fabi

Hallo Oliver,
da hattet ihr absolut Recht, die Gipfel lohnen sich auf alle Fälle! Wir hatten leider Termindruck, sonst hätten wir es euch gleich getan.
Viele Grüße aus Bad Reichenhall
Fabi

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