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Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Schlagwort: Artensterben
Versuchsfläche im Nationalpark, auf der auch totholzbewohnende Insekten untersucht werden © Bernhard Huber

Versuchsfläche im Nationalpark, auf der auch totholzbewohnende Insekten untersucht werden © Bernhard Huber

Ist Euch beim Autofahren schon einmal aufgefallen, dass kaum noch Insekten auf den Windschutzscheiben kleben? Wundert Ihr euch, wo all die Schmetterlinge hin sind? Und warum sterben fast überall Bienen und Hummeln in großer Zahl? Diese Fragen bewegen viele Menschen in Deutschland. Gerade in den vergangenen Jahrzehnten wird vielerorts ein dramatischer Rückgang selbst häufiger Insektenarten beobachtet. Die intensive Landnutzung lässt nicht mehr nur Rebhühner und Feldlerchen verschwinden, sondern inzwischen auch viele Tagfalter und andere fliegende Insekten. Eine international viel beachtete Publikation lieferte 2017 den Beweis: Die Zahl der Insekten nimmt in Deutschland seit vielen Jahren dramatisch ab. Der Arten- und Biomasseschwund an Insekten betrifft dabei nicht nur einzelne Gebiete, sondern ist ein großräumiges Problem. Fachleute vermuteten dieses Phänomen schon lange, verlässliche Daten waren bislang rar. Nun ist es traurige Gewissheit: Forscher verzeichnen an rund 60 Probestellen im gesamten Bundesgebiet einen Rückgang um mehr als 75 Prozent an Biomasse bei Fluginsekten. Die Ursachen des Artensterbens sind vielfältig, könnten jedoch eine Kombination aus Klimafaktoren, Intensivierung der Landwirtschaft oder noch unbekannten Lebensraumfaktoren sein. In den beiden bayerischen Nationalparks ist die aktuelle Entwicklung der biologischen Vielfalt erfreulicherweise umgekehrt. Hier darf sich die Natur auf großer Fläche ohne menschliches Zutun entwickeln. In nicht genutzten Wäldern dürfen Bäume alt werden, Borkenkäfer und Stürme schaffen Totholzstrukturen und Lücken im Wald.

In einer kürzlich veröffentlichten, langjährigen und ehrenamtlich durchgeführten Forschungsarbeit im Nationalpark Berchtesgaden konnte Dr. Walter Ruckdeschel in zahllosen Nachtstunden über 600 Nachtfalterarten nachweisen. Das sind 60 Prozent aller Nachtfalterarten Bayerns. Davon stehen 160 Arten auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Arten. Ein Vergleich mit älteren Daten erlaubte schließlich Aussagen zum Artenschwund: „Da weite Gebiete des Nationalparks nicht oder im Fall der Weiden nur extensiv bewirtschaftet werden und die vielfältigen Biotope im Nationalpark kaum Umweltbelastungen ausgesetzt sind, hat sich das Artenspektrum im Vergleichszeitraum nur wenig geändert“ so Schmetterlingsexperte Ruckdeschel.weiterlesen