St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Schlagwort: Komparse
Lisa-Graf-Riemann

Ein Tag im Leben eines Komparsen

 von Lisa

Am Vortag zum Filmdreh, für den ich mich als Statistin beworben haben, am Fronleichnamstag in Bad Reichenhall, kommt eine sms mit der Startzeit: 5:45 Uhr. Ein böser Scherz? Nein. Start 5:45 am „Parkplatz Kulturhaus“, was nur das Königliche Kurhaus in Reichenhall sein kann. Bestätigen oder Absagen? Nach kurzer Rücksprache mit Freundin Karin: Wir ziehen das durch! 4:15 Uhr Aufstehen, wenigstens sind die Straßen frei. Am Parkplatz vor dem Kurhaus wartet schon eine lange Schlange vor der Maske, wo 2 Friseurinnen in einem Einsatzwagen und eine dritte draußen in einem Plastikpavillon schon eifrig Zöpfe flechten und Brennscheren vorheizen.

5:45 Uhr: Warten auf Frisur und Maske

5:45 Uhr: Warten auf Frisur und Maske

Der Film, „The Trapp Family“, spielt in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Komparsen mit rot-blau-gefärbten Haaren, Tattoos und Piercings waren erst gar nicht zugelassen. Alle anderen erscheinen ungeschminkt und mit natürlich aussehendem Haar. Die Sache mit dem „ungeschminkt“ verursacht fast eine Meuterei unter den Damen. Einige haben ihr privates Schminktäschchen dabei und kündigen an, sich notfalls selbst zu versorgen, wenn sie kein anständiges Make-up bekommen.

103 Komparsen, davon mehr als 50 Prozent Frauen, das heißt, erstmal drei Stunden warten! Zum Trost gibt es Kaffee und Brezen. Ein Teil wird schon in Bussen zur Alten Saline gefahren und eingekleidet. Wir haben alle unsere Kleider und Anzüge schon zwei Wochen zuvor anprobiert und mit Nummern versehen bekommen. Also rein in die Ballkleider und Festtagsdirndl, Männer in Smoking und Anzug oder in die selbst mitgebrachte Tracht.

Konzertbesucherinnen aus den 30er-Jahren

Konzertbesucherinnen aus den 30er-Jahren

Die Szene, die gedreht wird, heißt „Concert Hall“ – ja, es wird am Ende Englisch gesprochen in diesem Film, den ein holländischer Regisseur mit Starbesetzung – Mathew Mc Fadyen, vielen bekannt aus „Stolz und Vorurteil“, und Yvonne Catterfeld – zunächst für den amerikanischen Markt produziert. Denn dort – und in Ostasien – sitzen bekanntlich die größten Fans der Trapp-Familie.weiterlesen »