Menschen

Die Berge im Blitzlicht

Walli Gschossmann ist ehemalige Hüttenwirtin und hat schon viel in den Berchtesgadener Bergen erlebt.

Neues lernen, Veränderungen riskieren, Entscheidungen treffen. Das ist es, was Walli sehr kontinuierlich in ihrem Leben begleitet. Die gelernte Hotelfachfrau ist zweifache Mutter bereits erwachsener Kinder, lebt im Bergsteigerdorf Ramsau bei Berchtesgaden und führt das Büro des Handwerksbetriebs ihres Mannes. Was sich nach einem gemütlichen Leben im Tal anhört, war bis vor Kurzem noch ganz anders: Zehn Jahre lang hatte Walli mit ihrem Mann das Stöhrhaus am Untersberg betrieben. Und weil sie das Leben am Berg schon ein wenig vermisst, hat sie nun die Ausbildung zur Wanderführerin erfolgreich abgeschlossen und berät seit dieser Saison Wanderer und Bergsteiger in der Alpinen Auskunft.

Liebe Walli, erzähl mir doch bitte von Eurer Zeit als Hüttenwirte am Stöhrhaus!

Walli: Das war eine richtig schöne Zeit. Ich habe so viele Leute kennengelernt, so viel erlebt. Dieses Jahrzehnt ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Ich erinnere mich noch an mein enormes Schlafdefizit in den zehn Tagen, als der bekannte Höhlenforscher Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle gerettet wurde. Es waren Ferien, hunderte von Wanderern waren unterwegs, die Lager und Zimmer komplett ausgebucht und dann kamen und gingen die unzähligen, mutigen Rettungskräfte, der Hubschrauber flog Tag und Nacht. Die ganzen zwar immer viel Arbeit, aber es blieb immer interessant. Wir waren Hüttenwirte, als das ganze Haus umgebaut wurde, der Wassertank eingebaut, die Kläranlage installiert wurde. Aber ich hatte jeden Morgen meine zehn freien Minuten. Die waren`s allein schon wert. Ich hab‘ das Frühstück fertig gerichtet und bin auf die Terrasse hinaus. Da hab‘ ich der Sonne beim Aufgehen, der Natur beim Erwachen und den Gämsen beim morgendlichen Spielen zugeschaut. Da war meine Welt in Ordnung.

Warum war die Hüttensaison 2022 Eure Letzte am Stöhrhaus?

Walli: Wenn Du den ganzen Sommer auf der Hütte bist, kommt schon auch einiges zu kurz. Berggehen, Radltouren, mein Pferd, mal abends auf ein Festei gehen, unkompliziert Freunde treffen – das alles hat uns über die zehn Jahre immer mehr gefehlt. Es war ein wunderschönes Abschiedsfest – alle sind gekommen, wir hatten Musik und eine wunderschöne Stimmung… und dann sind wir wieder ins Tal gezogen.

Jetzt arbeitest Du ehrenamtlich bei der Alpinen Auskunft als Alpinberaterin. Diese Informationsstelle als Gemeinschaftsprojekt von Tourismus, Deutschem Alpenverein und Nationalpark gibt es schon seit über zehn Jahren in Berchtesgaden.

Walli: Ja, das macht richtig Spaß. Gerade am Saisonbeginn kann sich manch einer im Flachland, der schon seit Monaten Frühling hat, vielleicht gar nicht vorstellen, wie viel Schnee oben noch liegt und dass manche Touren noch zu gefährlich sind. Da finde ich es total wichtig, wenn wir Alpinberater gefordert sind und als Vor-Ort-Kompetenz gefragt und gehört werden. Es ist uns auch entscheidend,, dass Wanderer und Bergsteiger sich selbst richtig einschätzen, sich nicht über- und die Tour nicht unterschätzen. „Umkehren können ist die wichtigste Fähigkeit eines Bergsteigers,“ sagen viele Profis am Berg. Das stimmt: Wenn das Wetter umschlägt, der Weg schlecht passierbar ist oder die Kraft nachlässt, ist Umkehren oft die einzige wahre Lösung.

Gerade wenns donnert und blitzt kann es in den Bergen richtig gefährlich werden. Hast Du da Erfahrung, Walli?

Walli: Da kann ich gleich mehrere Lieder davon singen. Am Stöhrhaus hatten wir fast jedes Jahr mindestens einen größeren Blitzeinschlag. Wenn der Trafokasten unten im Tal in Winkl betroffen war, dann ist unser Elektriker aus Marktschellenberg einmal um den Untersberg gekurvt und hatte das relativ schnell im Griff. Aber auf der Hütte hast Du nicht mal eben in ein paar Minuten einen Handwerker zur Stelle, da musst Du Dir selbst zu helfen wissen, auch mal kreativ sein.

Als es unsere Rauchmeldeanlage erwischt hat, hat es so richtig gequalmt. Aber dieses großes Loch am Stöhrweg in der Nähe des Zehnkasers werde ich nie vergessen. Unter der Stelle verliefen unsere Leitungen – es muss ein Blitz gewesen sein. Was der für eine Macht hatte, hat mir der Krater anschaulich gezeigt. Seitdem habe ich es vermieden, bei Blitz und Donner unterwegs zu sein. Ich wünsche mir, dass alle Wanderer und Bergsteiger den nötigen Respekt vor den Naturgewalten haben. Denn ich möchte, dass jeder wohlbehalten und mit einem schönen Bergerlebnis nach Hause zurückkommt!

Nach diesem schönen Wunsch, danke ich Walli sehr, für ihre unkomplizierte Art, das spannende Gespräch und die wertvollen Hinweise aus ihrer Arbeit als Alpinberaterin.

Mehr zum Thema Gewitter in den Bergen haben wir auch auf unserer Internetseite hier zusammen getragen.

Wer eine Bergtour in Berchtesgaden plant, kann sich per Mail, telefonisch und auch persönlich von den Alpinberatern der Alpinen Auskunft beraten lassen. Öffnungszeiten und Kontaktdaten finden Sie hier.

Ich bin hier aufgewachsen und nach vielen Jahren im außereuropäischen Ausland fast reumütig zurückgekehrt: So schön und spannend es in der großen weiten Welt da draußen auch ist – dahoam in Berchtesgaden ist‘s doch einfach am schönsten! 2014 habe ich angefangen im Tourismus in Berchtesgaden zu arbeiten. Seit Januar 2021 bin ich in der Abteilung Destinationsmanagent im Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden tätig. Meine kleine Tochter trat 2016 in mein Leben. Mit ihr bin ich viel in den Bergen unterwegs. Sport und Bewegung ist für Kinder so wichtig! Wir beide lieben die Natur und ihr Schutz liegt uns sehr am Herzen. Mit der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt, besonders im Nationalpark Berchtesgaden, gibt es auf unseren Touren jedes Mal aufs Neue unvergessliche Erlebnisse. Schreiben tu ich für mein Leben gern und so freue ich mich, die werten Leserinnen und Leser des Berchtesgaden Blogs zukünftig mit Portraits von besonderen Menschen, Berichten von unseren Wanderungen und kindlichen Gedanken zum Leben in den Berchtesgadener Bergen unterhalten zu dürfen!

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