Sonnenuntergang-Kehlsteinhaus

Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Schlagwort: Landwirtschaft

Der Berchtesgadener Zwiehof

 von Sepp
Baudenkmal Hinterbrandlehen

Baudenkmal Hinterbrandlehen

Bauernhöfe prägen in Bayern noch immer das Landschaftsbild, zumindest außerhalb der Ortszentren. Ganz besonders gilt das natürlich für die ländlichen Regionen Bayerns, wie das Berchtesgadener Land. Vieleicht ist euch aufgefallen, daß ein Großteil der Höfe nach dem selbem architektonischen Prinzip angelegt sind: Dem des Zwiehofes oder auch Parrallelhofes. Das bedeutet, man hat die Funktionen Wohnen, Schlafen und Kochen einerseits und Viehhaltung andererseits in eigenen Gebäuden untergebracht. Diese Zweiteilung ergibt den Zwiehof, der besonders im südlichen Berchtesgadener Land und im benachbarten Salzburger Land, dort besonders im Pinzgau und Pongau sehr verbreitet ist. Im obigen Bild seht ihr das bekannte Hinterbrandlehen in Schönau, eines der wenigen Wohnhäuser eines Zwiehofes, das sich noch im Originalzustand befindet. Oft sind die beiden Hauptgebäude parrallel angeordnet, dann spricht man auch von einem Parrallelhof. Charakteristisch ist außerdem auch die Verwendung des Baustoffes Holz, besonders für den Stall bzw. die darüberliegende Tenne. sowie eine sehr geringe Dachneigung von 18° bis 27°, wobei der Ortgang des Daches weit über das Gebäude hinausreicht.weiterlesen

Ursula

Erfolgreiche Recherchen im Berchtesgadener Land

 von Ursula
Der Verband Deutscher Agarjournalisten (VDAJ) hat am vergangenen Samstag die Sieger des Journalistenpreises „Grüne Reportage“ gekürt. Gleich zwei der Artikel, die auf dem Treppchen gelandet sind, spielen im Berchtesgadener Land.
Almabtrieb am Königssee

Almabtrieb am Königssee

 

Den ersten Platz belegt die Reportage „Klasse Milch, faire Preise“ von Hans Dreier über die Milchwerke Berchtesgadener Land und die bekannte Marke Bergbauern-Milch (Bayerisches Landwirtschafltiches Wochenblatt 10/2010). Dritter wurde Max Riesberg, der in „Von der Alm über’n See“ („Der Almbauer“ 12/2010) über den einzigartigen Almabtrieb am Königssee berichtete. Ein Klick auf die Artikel lohnt sich!

Wir gratulieren den Gewinnern ganz herzlich – und freuen uns auf weitere journalistische Recherchen, die einen besonderen Blick auf unser Berchtesgadener Land werfen.

Ursula und Isabel, BGLT

Fuikln und Latsch’n-Boschn

 von Sepp
Almabtrieb mit Fuikln in Ramsau

Almabtrieb mit Fuikln in Ramsau

Almabtrieb im Berchtesgadener Land

Der 24. August ist für die Almbauern im Berchtesgadener Land ein ganz besonderer Tag. Ab diesem Zeitpunkt, dem Bartholomäus-Tag, darf nach alter Gewohnheit mit dem „Kranzen“, also dem Anfertigen des Kopfschmuckes der Tiere für den Almabtrieb, begonnen werden. Dieser Tag verkündet damit auch das nahende Ende des Sommers, die Kühe bleiben ab diesem Zeitpunkt noch zwischen 2 und 6 Wochen auf den Almen.

Fuikln: Kopfschmuck für den Almabtrieb

Der aufwändige Kopfschmuck der Kühe darf allerdings nur getragen werden, wenn kein Unglück den Almsommer trübte. Aus diesem Grund finden nicht alle der Almabtriebe geschmückt statt, da fast jedes Jahr einer der Alm-Bauern den Verlust von Jungtieren oder andere Probleme beklagen muss.

Der Kopfschmuck der Tiere lässt sich  traditionell in zwei verschiedene Arten einteilen. Zum einen die „Fuikln“: Dazu werden die Äste einer kleinen Tanne oder Fichte gebogen und festgebunden, so dass je nach Größe der Fuikl zwei bis vier kugelförmige Kronen entstehen. Diese werden dann mit  Rosen und Sternen aus fein gehobelten und eingefärbten Holzspänen geschmückt. Eine Fuikl erfordert je nach Größe bis zu 30 Arbeitsstunden, besonders das Falten der bis zu 200 Rosetten, die auf einer Fuikl Platz finden, erfordert viel Geduld und vor allem Fingerspitzengefühl. Im oberen Bild seht Ihr Fuikln an den ersten 3 Kühen. (Aufmerksame Leser dieses Blogs werden schon festgestellt heben, dass es sich bei den oben abgebildeten Kühen um Pinzgauer handelt).

Latsch`n-Boschn: Gschmückte Latschen

Wesentlich weniger Arbeit erfordert ein sogenannter „Latsch`n-Boschn“: Dabei handelt es sich um ein Stück Latschenkiefer, der mit sehr viel weniger von den Rosen oder Sternen aus den erwähnten Holzspänen geschmückt wird. Da der Latsch`n-Boschn nicht so prächtig erscheint wie eine Fuikl, ist er hauptsächlich bei Jungvieh und den kleineren Kühen verbreitet, wobei es hier allerdings keine festen Regeln gibt. Allerdings ist es meistens so, dass die größte Fuikl, wie auch die größte Glocke von der sogenannten Glockenkuh, der Leitkuh getragen wird.weiterlesen

Pinzgauer – eine gefährdete Rasse

 von Sepp
Kühe auf der Mittereisalm

Pinzgauer Kühe auf der Mittereisalm

Auf dem Bild oben seht Ihr zwei verschiedene Rassen von Hausrindern. Im Vordergrund kastanienbraune Pinzgauer und dahinter sehr viel helleres Simmentaler Fleckvieh. Dabei ist es ein seltenes Bild, beide Rassen auf einer Weide gemeinsam grasen zu sehen. Meistens sieht man im Berchtesgadener Land – auch auf den Almen – hauptsächlich das Simmentaler Fleckvieh. Ursprünglich war das Pinzgauer die heimische Rasse, doch infolge der Industrialisierung, die nach dem zweiten Weltkrieg auch die Berglandwirtschaft erfasste, wurde einer der Vorteile des Pinzgauer Rindes überflüssig: Die Zugkraft. Als klassisches Dreinutzungsrind (Milch, Fleisch und eben als Zugtier) war das Pinzgauer anderen Rassen ob seiner Vielseitigkeit überlegen (Pferde konnten sich Kleinbauern früher ohnehin nicht leisten). Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft waren Zugtiere nicht mehr gefragt, stattdessen verdrängte das Fleckvieh mit einer sehr viel höheren Milchleistung die kleineren und leichteren, für unsere Gebirgsregion dadurch auch besser angepassten Pinzgauer. Die fortschreitende Maximierung der Milchleistung der einzelnen Bauern besiegelte diesen Trend. So sieht man die kastanienbrauen Kühe heute nur noch vereinzelt, die weißen Köpfe und Beine der Simmentaler, die aus fleckigen hellbraunen Körper ragen, sind in der Überzahl!

Pinzgauer Kalb an der Mitterkaseralm

Pinzgauer Kalb: Ein Nachfahre der Berchtesgadener Katzen

Diese Entwicklung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass das Pinzgauer Rind auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. unter der Kategorie III erscheint: gefährdet! Das heißt, die Populationsgröße ist unter eine Mindestanzahl gesunken und vermindert sich weiter um jährlich mehr als 10 Prozent!

Pinzgauer Kuh auf der Bindalm

Pinzgauer Kuh auf der Bindalm

Achtet also bei eurer nächsten Begegnung mit einer Kuh auf die Farbe des Fells: Hat die Kuh eine kastanienbraune Farbe und einen dunklen Kopf, handelt es sich um Eine der Letzten Ihrer Art!

Euer Sepp

Heuernte auf der Alm

 von Sepp

Die moderne Technik hat die Landwirtschaft revolutioniert. Früher brauchte man vor allem viele Hände (also Leute), um die Heuernte zu schaffen. Heute dagegen braucht man möglichst große, leistungsstarke Maschinen. Die Arbeit, für die früher zehn Leute zehn Tage brauchten, schafft ein Bauer mit entsprechender Ausrüstung heutzutage in ein paar Stunden alleine. Wenn auch der Mechanisierung der Landwirtschaft in weiten Teilen des Berchtesgadener Landes durch die Topographie enge Grenzen gesetzt sind – steile und kleinteilige Flächen erlauben keinen Einsatz allzu schwerer Traktoren und Erntemaschinen – ist die Technik doch ein unverzichtbarer Helfer gerade auch der Bergbauern geworden. Wie aus der Zeit gefallen muss da wirken, was sich alljährlich auf den Almen abspielt:

Heuernte auf der Bindalmvor der Kulisse der Mühlsturzhörner

Heuernte auf der Bindalm vor der Kulisse der Mühlsturzhörner

Zumindest auf den wenigen, auf denen noch traditionell Heu gemacht wird. Wie zum Beispiel bei uns auf der Bindalm. Na gut, wir mähen nicht mehr mit der Sense, sondern mit einem Motormäher. Dieser ist aber das einzige technische Hilfsmittel, das wir zum Heu machen auf der Alm verwenden. Als Werkzeug nutzen wir sonst lediglich Rechen und Gabel, mit Ihnen wird das gemähte Gras gewendet, je nach Anwelkgrad und Witterung mindestens 2 mal, bei Bedarf auch öfters. Bei optimalem Wetter liegt das Gras zwei Tage und wird zweimal gewendet, dann ist es zu Heu getrocknet und kann in den Stadl transportiert werden. Auf einem Bauernhof im Tal geschieht das mit  einem Traktor und entsprechendem Ladewagen, mit dem das fertige Futter bis in die Tenne eingefahren wird. Nicht so auf der Alm: Hier wird das Heu zu Haufen zusammengerecht, um dann in Heunetze gepackt zu werden. Diese 50 oder mehr Kilogramm schweren Packen werden auf den Schultern vom Feld zur Hütte, dem sogenannten Kaser, getragen und durch eine schmale Luke auf den Heuboden oberhalb des Stalls gehievt.

Das bin Ich beim Tragen eines gefüllten Heunetzes

Das bin Ich beim Tragen eines gefüllten Heunetzes

Der Arbeitsaufwand ist beträchtlich, das Ergebnis allerdings auch: „Das Almheu schmeckt besser als jedes andere“; das haben mir zumindest unsere Kühe versichert!

 

Schöne Grüße,

Euer Sepp BGLT

 

Mit der Museumsbahn durchs Freilichtmuseum

 von Sepp

Das Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain zeigt 100 wieder errichtete Originalbauten aus Landwirtschaft, Handwerk, ländlichem Gewerbe und Industrie. Eine Zeitreise durch die letzten 600 Jahre entführt sie in die einfachere aber arbeitsreiche ländliche Vergangenheit unserer Vorfahren.

Als neueste Attraktion wurde im Juni 2010 die Museumsbahn nach 3-jähriger Planungs- und Bauphase eingeweiht. Auf 2 Kilometern Streckenlänge erschließt eine historische Schmalspurbahn große Teile des 50 Hektar großen Areals des Freilichtmuseums am Fuße des Untersbergs.

Museumsbahn im Freilichtmuseum Großgmain

Museumsbahn im Freilichtmuseum Großgmain

Daneben erwartet die Besucher an diesem Wochenende ein Ostermarkt mit einem großen Rahmenprogramm inklusive Palmbuschn-Binden und Musik. Auch die traditionellen Handwerksvorführungen stehen ganz im Zeichen von Ostern.

Mehr Informationen findet Ihr auf der Homepage des Freilichtmusuems!

Viel Spaß bei dieser Zeitreise,

Sepp BGLT