Sonnenuntergang-Kehlsteinhaus

Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Toni

Vorfrühling auf dem Ristfeuchthorn

 von Toni

Wandern statt Skitouren

Da die Schneeverhältnisse im Berchtesgadener Land derzeit kaum noch Möglichkeiten für Schitouren bieten, wurden gestern die Bergschuhe aus der Winterruhe geholt. Vor allem die Südseiten bis auf etwa 1500 m Höhe hinauf sind weitgehend schneefrei, also wurde als Ziel das wenig begangene, 1569 m hohe Ristfeuchthorn gewählt. Neben dem üblichen Aufstieg von Schneizelreuth aus gibt es auf der Südflanke des Berges einen alten Alm- und Jagdsteig, den wir schon lange einmal suchen wollten.

 

Steigsuche im Bergwald

Der Müßbach bei Melleck

Die Müßbachschlucht mit ihren vielen Gumpen

Kurz vor Melleck ging es also querfeldein los, über Wiesen hinauf zum tief eingeschnittenen Felsgraben des Müßbachs. Mit Hilfe der Karte fanden wir sofort die ersten Steigspuren und kamen damit steil aber in eleganter Wegführung über die ersten unüberwindlich wirkenden Wände hinweg. Gleich danach wurde das Gelände wieder einfacher und führte uns in eine märchenhafte, einsame Welt. Der Bach schlängelte sich wie in einer kleinen Klamm dahin, überall waren grün schimmernde Gumpen (Wasserbecken) in den Fels geschliffen, und in der strahlenden Sonne ging es durchs raschelnde

Wegsuche am Müßbach

Steigsuche im wilden Bergwald

Buchenlaub weiter. Der Steig war sporadisch erkennbar, aber offensichtlich kaum mehr begangen. Die viele Hirschlosung deutete darauf hin, dass vor allem das Rotwild hier für gangbare Spuren sorgt. Stück für Stück suchten wir uns im immer steiler werdenden Wald hinauf, wobei unzählige knorrige Baumgestalten, pilzübersähte Stämme und von vielen Spechten ausgehöhlte Holzruinen den Weg säumten und eine urwaldartige Atmosphäre schufen. Hier hat seit langer Zeit keine Kettensäge mehr gejault.

Letztlich gelangten wir in den Bereich der verfallenen Wurzalm, aber konnten im dichten Jungwuchs keine Spuren von Hütten oder einer Bewirtschaftung mehr erkennen. Nun ging es querfeldein mit einem sehr steilen Schlussstück über kleine Schneefelder voller Gamsspuren zum regulären Wanderweg zwischen Sellarn-Alm und Gipfel. Ohne die Notwendigkeit dauernder Steigsuche und Orientierung verlief die weitere Strecke bis hinüber zum Ristfeuchthorn deutlich zügiger.

 

Endspurt zum Gipfel und verdiente Rast

Auerhahnspur am Ristfeuchthorn

Auerhahnspur am Ristfeuchthorn

Im warmen Kiefernwald hatten wir längst die Hosenbeine und Ärmel hochgekrempelt und stapften wie im Frühling dahin – mehr April als Januar. Nach einer Begegnung mit aufgeregten Gämsen und dem Kreuzen einer schönen Auerhahnspur,erreichten wir endlich das breite Plateau des Gipfels. Da hier zwischen den vielen Latschen noch einiges an Altschnee lag, bekam das Gipfelkreuz nur einen kurzen Besuch und die eigentliche Rast fand im aufgeheizten Gras am Südhang statt. Eine Stunde lang lagen wir in der Sonne, genossen die Aussicht auf Watzmann & Co. und die wohlverdiente Brotzeit.

Gipfelpanorama am Ristfeuchthorn

Das hart verdiente Gipfelpanorama

 

Abstieg im Sonnenuntergang

Den langen Rückweg im Hinterkopf rissen wir uns schließlich schweren Herzens los und brachen Richtung Sellarn-Alm auf. Auf dem warmen Kiefern-Buchen-Rücken marschierten wir meist eben dahin und erreichten auch bald die schöne Almfläche mit der malerischen Hütte.

Sellarn-Alm

Die Sellarn-Alm in den letzten Sonnenstrahlen

An der neu gefassten Quelle wurden die Wasserflaschen noch einmal aufgefüllt und die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf der Hüttenbank aufgesogen. Der restliche Abstieg auf der breiten Forststraße, entlang am tief eingeschnittenen Motzenbach, ging überraschend zügig voran und letztlich erreichten wir glücklich und noch voller grandioser Eindrücke Melleck und das dort abgestellte Auto. Nach einer solchen Tour ist unsere Sehnsucht nach Neuschnee jetzt geringer denn je…

 

Euer Toni Wegscheider

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