alleine am Gipfelkreuz
Ausflugstipps,  Berge

Der Kehlstein im Sommer

das Kehlsteinhaus
das Kehlsteinhaus

Das Kehlsteinhaus wurde zum 50. Geburtstag Hitlers errichtet. Es ist somit das einzigste erhaltene Gebäude des „Führersperrgebietes“ Obersalzberg. Mittlerweile ist das Haus ein Restaurant mit Souvenir-Shops. An der Galerie wurden Informationstafeln ausgehängt über den Bau des Hauses. Leider sind diese Tafeln alle auf deutsch, was nicht gerade hilfreich für all die internationalen Gäste ist. Man liest schon, ich bin kein Fan des Kehlsteinhauses im Sommer. Doch eines sollte man auch nicht vergessen, das Kehlsteinhaus ist auch ein Arbeitsplatz, ein Arbeitgeber. Und so kam es, dass meine Freundin ihre erste Saison am Kehlsteinhaus verbringt. Natürlich bin ich unheimlich neugierig wie es dort oben abläuft, ob es auch mal so skurril wird wie es immer erzählt wird.

Das Kehlsteinhaus liegt auf 1834m Höhe. Andere Angestellte, die in solcher Höhe arbeiten, müssen auch dort schlafen und können nicht täglich ins Tal zurückkehren. Am Kehlsteinhaus ist das anders. Dank der Kehlsteinstraße kann das Team jeden Morgen hinauffahren und gegen Abend wieder nach Hause zurückkehren. Schon früh morgens bevor die ersten Busse zum Kehlsteinhaus fahren, fährt der Personalbus. Es muss alles vorbereitet werden für den kommenden Ansturm.

Im Sommer zum Kehlstein wandern – das habe ich mir geschworen, das mache ich nie. Nur im Winter lief ich öfter schon hoch . Aber im Sommer reizte mich dieser Berg nie. Woran das liegt? Mehrere tausend Menschen besuchen am Tag mit Spezialbussen das Kehlsteinhaus. Um diese Massen durchzuschleußen wird alles ganz genau getaktet. Die Auffahrtszeit und die Abfahrtszeit sind am Busticket festgelegt. Anders wäre das gar nicht zu meistern. Dann würden wohl einige vom Grat seitlich runterplumpsen. Auf eine Art ist es natürlich super auch Gehschwachen so ein tolles Bergerlebnis zu bieten. Aber an einem warmen Hochsommertag ist es am Mittag echt zu voll.

Für mich geht es erst am Mittag zum Aufstieg. Ich starte ab der Dokumentation Obersalzberg und nutze den Wanderweg. Dieser ist mit 4 Stunden aufgezeigt. Dazu kann ich sagen, dass man mich mittlerweile besser nicht mehr fragt wieviel Zeit ich brauche, da ich immer schneller unterwegs bin. Die Zeiten auf den gelben Wegetafeln sind nur zur Orientierung und zur Planung. Die Zeiten sind errechnet und nicht wirklich begangen worden. Der Weg hinauf bis zur Busplattform am Kehlstein ist fast durchweg betoniert und so ist kein besonderes Schuhwerk von Nöten, die Schuhe sollten einfach bequem sein. Zu Trinken sollte aber genügend dabei sein, denn es gibt keine Wasserquelle am Aufstiegsweg. Ich bin unheimlich überrascht, wie wenige Personen tatsächlich auf den Kehlstein laufen. Ich komme sogar mit einigen wirklich netten Urlaubern ins Gespräch. Bald kann man auch vom Wanderweg gut die Busplattform sehen. Es ist also nicht mehr weit. Der Weg weist sogar ein paar ebene Stellen auf und in Kehren geht es bergauf. An der Busplattform angekommen drückte ich mich durch die Menschenmassen, die zum vergoldeten Aufzug möchten. Ich laufe vorbei am Kiosk, dem Schalter wo die Abfahrtszeit festgelegt wird und laufe die Kehlsteinstraße ein Stück entlang um dann links zum Aufstiegsweg zum Kehlsteinhaus zu gelangen. Auch hier schlängeln sich betonierte Kehren bergauf.

der hohe Göll
Der hohe Göll

Oben angekommen mache ich mich erst einmal auf die Suche nach meiner Freundin. Heute arbeitet sie im Kiosk gegenüber des Hauses. Hier hole ich mir auch erst einmal ein süßes Getränk, denn auch heute macht der Sommer seinem Namen alle Ehre. Es ist super heiß und so trage ich einen Wanderrock und ein Bustier. Da hier so viele Personen unterwegs sind wie in der Innenstadt einer Großstadt, stört sich auch niemand an meinem knappen Outfit. Meine Freundin steht nicht alleine im Kiosk, eine Kollegin ist mit ihr hier und erzählt mir, dass sie schon mehrere Sommer hier verbrachte, auch ihr Ehemann arbeitet hier oben. Ich verweile dort und unterhalte mich mit den beiden. Auch um Zeit zu schinden. Denn ich möchte, dass sich der Berg ein bisschen leert um ein Stück Richtung und entlang des Mannlgrates zu gehen. So mache ich mich dann gegen Nachmittag auf den Weg. Dabei muss man am Gipfelkreuz vorbei und der gelben Wegebeschilderung folgen.

das Kehlstein Gipfelkreuz
Das Kehlstein Gipfelkreuz
auf dem Weg zum Mannlgrat
auf dem Weg zum Mannlgrat

Ich bin baff, kaum habe ich das Gipfelkreuz hinter mir und habe mich durch größere Felsbrocken geschlängelt bin ich fast ganz alleine. Vor allem der Steig, der zum Teil schwarz markiert ist wird immer interessanter. Interessant im Sinne von schön! Die Ausblicke werden immer grandioser. Bald bin ich am Einstieg zum Mannlgrat, doch meine Uhr sagt mir ich sollte umkehren, denn meine Freundin und ihre Kollegin baten mir an mit dem Personalbus hinunterzufahren. Eine Wohltat für meine zu dem Zeitpunkt ledierte Hüfte.

Einstieg zum Mannlgrat
Einstieg zum Mannlgrat

Noch einmal genieße ich hier die Aussicht und ich muss ehrlich zugeben, dass sich der Kehlstein heute in einem ganz anderen Licht zeigte. Ich bin überrascht und werde diesen Sommer öfter hier hoch kommen. Nicht nur wegen der atemberaubende Ausblicke, auch um meine Freundin zu besuchen.

der hohe Göll
der hohe Göll

Nachdem die letzten Gäste mit dem letzten Bus die Abfahrt nutzten, wird es für mich Zeit für ein Gipfel-Selfie.

alleine am Gipfelkreuz
alleine am Gipfelkreuz

Jetzt eile ich noch schnell zu meiner Freundin und dann geht es mit der Belegschaft des Kehlsteinhauses wieder zurück ins Tal. Für mich geht ein schöner Bergmittag zu Ende und für das Team des Kehlsteinhauses ein anstrengender Arbeitstag.

Eure, Ann-Kathrin

Im Winter 2013 verlies ich Familie und Freunde im Südhessischen Viernheim um als Nationalparkmitarbeiterin im Berchtesgadener Land zu leben. Endlich konnte ich meinen Traum wahr werden lassen! Direkt vom Elternhaus rund 600km in die Berge ziehen, was für andere vielleicht ein gewagter Schritt wäre, war für mich das Ende der Sehnsucht. Das Berchtesgadener Land - die Sehnsucht dorthin verspürte ich permanent über Jahre. Ich hörte die Berge nach mir rufen. Bekannt ist mir das Berchtesgadener Land seit ich drei Jahre alt bin, da der beste Freund meines Opas aus Anger ist. So entstand die Verbindung. Mit 24 Jahren gab ich dem Ruf der Berge nach, Koffer gepackt und ab ins Berchtesgadener Land. Ich lebe dort wo ich früher Urlaub machte. Ein lebendiger Traum! Meine Freizeit verbringe ich fast ausschließlich in den Bergen. Nach Feierabend sich an einem sonnigen Tag einfach hinlegen - für mich unmöglich! Ob nun gemütliche Feierabend-Wanderung, Bergwanderung oder Hochtour. Je nach Zeit und Wetterlage mache ich alles. Natürlich fragt man sich mit wem ist denn das "Venema"-Mädel unterwegs? Alleine! Alleine in den Bergen unterwegs zu sein, ist im Kopf vieler zu negativ behaftet. Oft mache ich alleine die interessantesten Begegnungen. Und darum wird es auch in meinen Berichten gehen - Begegnungen am Berg. Mittlerweile bin ich auch in den Printmedien zu finden: "Das Wanderbuch bayerische Hausberge" ISBN-13: 978-3-86246-527-9 Erschienen im Bruckmann Verlag München Auch bei Lesungen der Berchtesgadener Land Autoren bin ich mit dabei. Mehr Infos: http://bgl-autoren.de/

5 Kommentare

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.