Berge

Gebirgsjäger in der Untersberg Südwand

Etwa 30 Offiziere und Offizieranwärter der Reichenhaller Jager haben im Rahmen einer Leistungsüberprüfung die Südwand des Untersbergs durchstiegen.

Bereits eine Woche zuvor beginnt der Hochgebirgsjägerzug – eine speziell für den Kampf im Hochgebirge ausgebildete Teileinheit – des Gebirgsjägerbataillons 231 Bad Reichenhall mit den nötigen Vorbereitungen zum Begehen des Seilgeländers im sehr anspruchsvollen Gelände der Untersberg Südwand. Das Erkunden, der Aufbau und das Betreiben eines Seilgeländers sind dabei wesentliche Aufträge für den Hochgebirgsjägerzug. Durch das Setzten von Fixpunkten, Spannen von Seilen und das Anfertigen von Aufstiegshilfen wie Leitern oder Tritt- und Griffschlingen wird das Seilgeländer so aufgebaut, dass auch weniger geübte Gebirgsjäger mit schwerem Gepäck, Waffen und Munition ein wegloses und anspruchsvolles Gelände durchsteigen können. Zudem war es Auftrag des Hochgebirgsjägerzuges, Bergrettungswege in der Wand zu erschließen und im Falle eines Unfalls die Rettungskette sicherzustellen.

Mir war es einerseits wichtig durch den Aufbau und das Betreiben eines Seilgeländers im schwierigen Gelände den Hochgebirgsjägerzug auszubilden und zu fordern. Andererseits wollte ich, dass die Offiziere des Bataillons die Untersberg Südwand mittels Seilgeländer durchsteigen. Nur, was man selbst erlebt hat, kann man von seinen Untergebenen abverlangen“, erläuterte Oberstleutnant Dennis Jahn.

Letztlich muss jeder Angehörige der Gebirgstruppe körperlich wie auch psychisch in der Lage sein, sich im ausgesetzten, unwegsamen Gelände zu bewegen. Dazu gehören auch Wege, die nicht in der Karte verzeichnet sind. Dies definiert schlichtweg das Fähigkeitsprofil der Gebirgstruppe. Der Marsch, in welcher Form und Gelände auch immer, ist nur ein Vehikel, um letztlich den Kernauftrag – den Kampf im schwierigen Gelände – erfüllen zu können.

Der Bergmarsch

1200 Höhenmeter, eine Marschdistanz von 18 Kilometern und ein Seilgeländer mit etwa 400 Klettermetern galt es an diesem Tag zu bewältigen. Selbstverständlich wurde die Waffe durch alle 30 Offiziere und Offizieranwärter mitgeführt. Um 04:30 Uhr morgens begrüßt der Kommandeur, Oberstleutnant Dennis Jahn, die Offiziere des Gebirgsjägerbataillons 231. Kurz darauf kommt der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 hinzu, der im Rahmen der Dienstaufsicht mitmarschiert.

Vom Parkplatz Ettenberg in Marktschellenberg geht es im zügigen Marschtempo über den Scheibenkaser bis kurz unter die Untersberg Südwand. Dort bereit sich jeder Soldat „auf das Begehen eines Seilgeländers“ vor – das heißt: Helm auf, Brust- Sitzgurt anlegen und Reepschnur mit zwei Karabinern zur Selbstsicherung am Klettergurt befestigen. Obergefreiter OA (Offizieranwärter) Libel nimmt im Rahmen eines Praktikums im Gebirgsjägerbataillon 231 das erste Mal an einem Bergmarsch dieser Art teil. Kurz vor dem Einstieg in das Seilgeländer erläutert sie: „Ich habe noch keine Erfahrung mit Klettern, aber ich bin mir sicher, dass alles gut geht“.

Die Verhältnisse in der Südwand sind ungemütlich – nasser Fels vom Regen in der Nacht, Nebel und keine Sicht. Entsprechend herausfordernd ist es mit 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken auf nassen Fels Halt für die Füße zu finden. Zu Beginn muss eine Steilstufe mittels Behelfsleiter und anschließend ein kurzer überhängender Riss überwunden werden.

Gleich zu Beginn muss die Behelfsleiter überwunden werden

Anschließend folgen leichtere Geh- und Kletterpassagen unter anderem mit Griff und Trittschlingen versichert. Am Schluss wird der Bizeps erneut gefordert – der steile Ausstiegskamin fordert von jedem Soldaten noch einmal Konzentration und Trittsicherheit.

Griff und Trittschlingen erleichterten das Durchsteigen der Untersberg Südwand mit schweren Gepäck
Am Ende des Kamins
Das Gipfelkreuz im Blick. Der Nebel lichtet sich

Auch der Bataillons- und Brigadekommandeur durchsteigen unter dem Motto „Führen von vorn“ die Untersberg Südwand. Der Brigadekommandeur resümiert: „Es war anspruchsvoll aber machbar. Der Hochgebirgsjägerzug hat eine sehr gute Arbeit geleistet. Sowas gibt es halt nur bei uns.“

Nachdem jeder Soldat die Wand erfolgreich bezwungen hatte, nutzte der Bataillonskommandeur das eindrucksvolle Panorama des Berchtesgadener Hochthrons bei einem aufgelockerten Antreten für die Beförderung einiger Soldaten. Zudem wurde durch den Brigadekommandeur ein Offizier zum Stabsoffizier befördert.

Auf dem Berchtesgadener Hochthron

Oberstleutnant Jahn erläutert zum Schluss seine Absicht bezüglich des anstehenden Gebirgsleistungsmarsches Sommer: „Ich will das Seilgeländer in der Untersberg Südwand für den zukünftigen Leistungsmarsch vorgeben. Jeder Offizier sollte nach dem heutigen Tag Schlussfolgerungen für die Gebirgsausbildung in der Kompanieziehen. Was wird von jedem einzelnen Soldaten erwartet und wie ist die Ausbildung zu gestalten, damit jeder Gebirgssoldat diese Herausforderung meistern kann“.

Beim Rückmarsch die Untersberg Südwand noch einmal im Blick

Im Oktober will das Gebirgsjägerbataillon 231, auf mehrere Tage verteilt, durch die Untersberg Südwand gehen. Teile des Bataillons werden sich dann schon im Auslandseinsatz in Mali befinden und fernab vom Gebirge ihren Dienst verrichten.

Text: Bundeswehr/Sarah Hofmann
Bilder: Bundeswehr/Sarah Hofmann

Mein Name ist Sepp Wurm und ich bin seit Sommer 2010 bei der Berchtesgadener Land Tourismus. Als Social Media Enthusiast kümmere ich mich neben diversen anderen Kanälen auch um das BerchtesgadenerLandBlog. Schwerpunkt meiner Blogbeiträge sind Berichte über meine Wanderungen und Bergtouren im Sommer, sowie über Skitouren im Winter. Meine Leidenschaft für die Berge bringe ich gerne in unseren Blog mit ein. Als waschechter Ramsauer „Bergbauernbua“ liegen mir zudem unsere Heimat und ihre Traditionen und Bräuche natürlich besonders am Herzen. Ich hoffe, diese Liebe zu unserem schönen Berchtesgadener Land spiegelt sich auch in meinen Blogbeiträgen wider.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.