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Untersberg zu Fuß oder: das vergessene Hundsfutter

Zuletzt habe ich den Untersberg ja mit dem Rad umrundet. Am Pfingstsamstag der erste Aufstieg dieses Jahr, zum Eingehen und weil noch ziemlich viel Schnee lag, nur bis zur Toni-Lenz-Hütte. Ausgangspunkt: Der Eishöhlen-Parkplatz beim Wehrturm in Marktschellenberg. In 2,5 Stunden kommt man in normalem Tempo hinauf. Einsteiger sollten sich vom Weganstieg nicht abschrecken lassen. Es ist nur am Anfang so steil, wirklich!

 

Jetzt, im Frühling, rauschen überall die Bäche zu Tal, es gluckst und plätschert, und manchmal hat sich das Schmelzwasser den Wanderweg als Bachlauf ausgesucht. Man kann die Hütte schon sehen und die blau-rot wehende Fahne des Berchtesgadener Brauhauses, da wird es merklich kühler und weiß. Der Schnee hat sich trotz der südseitigen Lage gehalten und wird wohl auch noch eine Weile bleiben. Mit Bergschuhen dennoch kein großes Problem, mit Turnschuhen oder Sandalen sollte man eh nicht ins Gebirge gehen.

 

Auf 1450 Metern servieren die Hüttenwirte Christian und Mareike ihren Gästen frischen Marmorkuchen, Kaiserschmarrn oder Deftigeres. Ein Filmteam von Servus TV aus Salzburg ist gerade oben, gedreht wurde in der Schellenberger Eishöhle, deren Eingang noch voll Schnee liegt. Normalsterbliche kommen wahrscheinlich erst ab Mitte Juni rein, wenn offiziell eröffnet wird.

 

Da kommt noch ein Wanderer zurück, der mit Frau und 60-Kilo-Hund 15 Minuten vorher aufgebrochen war. Er hat das “Hundsfutter” inklusive Schale auf der Hütte vergessen! Auch wir steigen ab, besser, wir rutschen auf den Schuhsohlen die Schneefelder hinunter. Von Gegenüber grüßen Göll und Watzmann und im Westen leuchten die Dachsteingletscher.

Lisa Graf-Riemann ist in Passau geboren und lebt seit vielen Jahren in Marktschellenberg im Berchtesgadener Land. Sie schreibt Reisebücher, Lehrwerke und bisher 6 Kriminalromane: "Eine schöne Leich" (2010), "Donaugrab" (2011), "Eisprinzessin" (2013) und "Madame Merckx trinkt keinen Wein" (2015). Die Romane "Hirschgulasch" (2012) und "Rehragout" (2014), die auch im Berchtesgadener Land spielen, schrieb sie zusammen mit Ottmar Neuburger. Mit ihm verfasste sie auch die "111 Orte im Berchtesgadener Land, die man gesehen haben muss" (aktualisierte Neuauflage 2015). Alle Bücher sind im Emons Verlag in Köln erschienen. Wenn sie nicht am Schreibtisch sitzt , findet man sie im Sommer wie im Winter in den heimischen Bergen, auf einem Klettersteig oder beim Schwimmen am Thumsee.

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