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Feierabendwanderung

Von der Klaushöhe zum Rossfeld Hennenköpfl

Feierabend! Die Sonne knallt! Was tun?! Gemütlich in die Sonne legen? In mir steckt noch einiges an Energie, also auf gehts! Wandern! Mein heutiges Ziel sollte das Rossfeld Hennenköpfl werden. Gestartet bin ich am Bahnhof in Berchtesgaden mit der Buslinie 838 in Richtung Buchenhöhe. Ausgestiegen bin ich bei der Haltestelle Klaushöhe. Es ist schon früher Abend und die Sonne steht schon niedrig. Gespannt wie lange ich noch Sonne haben werde laufe ich los. Von der Bushaltestelle Klaushöhe gehe ich ein kleines Stückchen Straße in Richtung Buchenhöhe. In der zweiten Kurve der Straße zeigen Wegweiser wohin ich gehen muss. Ein Stück entlang einer Forststraße und dann links über ein kleines Brückerl in den Wald hinein. Nach ein paar Metern folgt ein weiteres Schild, das in Richtung Rossfeld und Purtschellerhaus zeigt. Nun wird aus einer breiten Forststraße ein Waldpfad. Der Weg ist trotz der hohen Temparaturen recht matschig. Nach ca. 30 Minuten habe ich dann den Perlerkaser erreicht. Vorbei am Perlerkaser überquere ich die Rossfeldstraße zur Enzianhütte von der Enzianbrennerei Grassl. Mittlerweile bieten sich mir tolle Ausblicke zum Hohen Göll.

Blick zum Hohen Göll
Blick zum Hohen Göll

Nun geht es einen ganz leicht steigenden breiten Weg hinauf zum Eckersattel. Umgeben bin ich von Wiesen, wo ich von Rindern neugierig beobachtet werde. Fast alle Augen der Herde sind auf mich gerichtet. Nach kurzer Gehzeit ist dann auch der Eckersattel mit seinem Kreuz erreicht. Von dort aus bietet sich die Möglichkeit zum Purtschellerhaus aufzusteigen. Man kann sich zwischen zwei Aufstiegswegen entscheiden. Einmal den deutschen und einmal den österreichischen Weg. Ich empfinde den österreichischen Weg als bequemer. Für den Aufstieg rate ich den deutschen Weg zu nehmen, da man damit schnell über steile Treppen am Haus ist und für einen knieschonenderen Abstieg wäre der östrreichische Weg zu wählen. Beide Wege sind mit einer roten Wegmarkierung versehen.

am Eckersattel
am Eckersattel

Beim Blick auf die Uhr sehe ich, dass es 19:00 Uhr ist. Ein Aufstieg zum Purtschellerhaus reizt mich ungemein. Aber es wäre die reinste Hetztour. Für gemütliches einkehren wäre keine Zeit und Übernachten ginge leider auch nicht, da ich am nächsten Morgen früh auf Arbeit sein muss. Also wird das Purtschellerhaus als Übernachtungs-/Einkehrpunkt auf ein nächstes Mal verschoben. Nun geht es am Eckersattel links leicht steigend aufwärts in Richtung Ahornbüchsenkopf. Aufgrund lauter „krrrräääh“ Geräusche werde ich aufmerksam. Zwei Tannenhäher sind zwischen den Bäumen unterwegs. Hübsch schauen sie aus. Schnell zücke ich die Kamera, doch leider sind die beiden zu schnell für mich. Toll finde ich am Tannenhäher, dass sie maßgeblich am Bestand der Zirben beteiligt sind. Für den Winter legt der Vogel sehr viele Depots von Zirbelnüssen an. Allerdings findet er nicht alle Depots wieder, wodurch neue Zirben entstehen. Bei der Oberahornalm bietet sich mir ein toller Ausblick zur Göll Ostwand und dem Purtschellerhaus.

Oberahronalm
Oberahronalm

Seit Erreichen des Perlerkasers wird meine Wanderung untermalt durch das Aufheulen der Motorradgeräusche. Mich stört es nicht besonders, allerdings passt es nicht ganz zu der wunderbaren Idylle, die sich mir hier bietet. Wanderer sind mir bis dahin nicht begegnet. Vorbei am Ahornkaser muss man nun von einem Wanderweg auf einen Fußweg an der Rossfeldstraße wechseln. Am Parkplatz am Hennenköpl angekommen bin ich dann wie zu erwarten nicht alleine. Ein junges Pärchen sitzt auf einer Picknickdecke und raucht gemütlich Shisha und mehrere Gruppen Motorradfahrer sind in Fachgespräche verwickelt. Über den Panoramaweg sind es nur noch wenige Minuten bis zum Kreuz am Hennenköpfl. Dort mache ich kurz Rast und genieße die Aussicht.

Blick nach Österreich
Blick nach Österreich

Langsam färbt sich der Himmel rot und muss mich an den Abstieg machen. Zurück zur Klaushöhe wandere ich genauso wie ich gekommen bin. Auf dem Rückweg genieße ich noch einmal einen schönen Blick zum Purtschellerhaus auf dem Eckerfirst. Markant ist das Aussehen der Hütte. Schon 1909 wurde das Purtschellerhaus erweitert. Beliebt war es besonders weil sich zwei Drittel der Hütte in Österreich befinden und ein Drittel auf deutschem Boden. Markiert ist die Grenze im Haus durch einen Farbstrich, wenn man sich auf dem Weg von der alten Gaststube zur Toilette befindet. Nach dem zweiten Weltkrieg war das Purtschellerhaus besonders beliebt. Nur dort konnten legale Treffen zwischen Deutschen und Österreichern stattfinden, da die Alliierten sonst keinen Grenzverkehr zwischen den beiden Ländern gestatteten.

Purtschellerhaus
Purtschellerhaus

Am Perlerkaser angelangt geht es über die Almwiese wieder zurück durch den Wald zur Klaushöhe. Es dämmert schon mächtig. An der Klaushöhe angelangt gehe ich entlang der Straße auf dem Fußweg in Richtung Dokumentation Obersalzberg. An dieser angelangt ist es nun dunkel. Ich wechsele mein verschwitztes Oberteil gegen ein trockenes langärmeliges Shirt. Nun kommt auch meine Stirnlampe zum Einsatz. Da ich kein Auto besitze muss ich noch bis nach Schönau am Königssee laufen. Also vorbei an der Dokumentationsstelle nach Berchtesgaden absteigen. Zügigen Schrittes geht es nun abwärts. Etwas beklemmend ist es schon so alleine im Wald unterwegs zu sein. Endlich in Berchtesgaden angelangt und freue mich über die Straßenbeleuchtung. Nun geht es immer im hellen Schein der Straßenlaternen nach Hause. Nach einer wohltuenden Dusche falle ich ins Bett und schlafe wie ein Stein.

 

Das Rossfeld: Mehr als nur eine Panoramastraße

Fazit zum Rossfeld: Es bietet traumhafte Ausblicke und wunderschöne Almen. Allerdings ist diese Szenerie oft mit Motorengeräuschen untermalt, was auch als störend empfunden werden kann. Durch die Straße wird aber auch Menschen die eben nicht mehr gut zu Fuß sind ein Alpenpanorama geboten, was sonst nur mit einer Seilbahnfahrt zu bestaunen gäbe. Vielleicht habt ihr nun auch Lust bekommen das Rossfeld zu erwandern. Es ist definitiv mehr als nur eine Straße, es ist auch ein schönes Wandergebiet!

 

Eure, Ann-Kathrin

Im Winter 2013 verlies ich Familie und Freunde im Südhessischen Viernheim um als Nationalparkmitarbeiterin im Berchtesgadener Land zu leben. Endlich konnte ich meinen Traum wahr werden lassen! Direkt vom Elternhaus rund 600km in die Berge ziehen, was für andere vielleicht ein gewagter Schritt wäre, war für mich das Ende der Sehnsucht. Das Berchtesgadener Land - die Sehnsucht dorthin verspürte ich permanent über Jahre. Ich hörte die Berge nach mir rufen. Bekannt ist mir das Berchtesgadener Land seit ich drei Jahre alt bin, da der beste Freund meines Opas aus Anger ist. So entstand die Verbindung. Mit 24 Jahren gab ich dem Ruf der Berge nach, Koffer gepackt und ab ins Berchtesgadener Land. Ich lebe dort wo ich früher Urlaub machte. Ein lebendiger Traum! Meine Freizeit verbringe ich fast ausschließlich in den Bergen. Nach Feierabend sich an einem sonnigen Tag einfach hinlegen - für mich unmöglich! Ob nun gemütliche Feierabend-Wanderung, Bergwanderung oder Hochtour. Je nach Zeit und Wetterlage mache ich alles. Natürlich fragt man sich mit wem ist denn das "Venema"-Mädel unterwegs? Alleine! Alleine in den Bergen unterwegs zu sein, ist im Kopf vieler zu negativ behaftet. Oft mache ich alleine die interessantesten Begegnungen. Und darum wird es auch in meinen Berichten gehen - Begegnungen am Berg. Mittlerweile bin ich auch in den Printmedien zu finden: "Das Wanderbuch bayerische Hausberge" ISBN-13: 978-3-86246-527-9 Erschienen im Bruckmann Verlag München Auch bei Lesungen der Berchtesgadener Land Autoren bin ich mit dabei. Mehr Infos: http://bgl-autoren.de/

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