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Ann-Kathrin lernt Skifahren

Heute ist es nun endlich soweit: Ich lerne Ski zu fahren. Erst vor kurzem habe ich mir das Skilanglaufen als Autodidakt beigebracht. Aus meiner persönlichen Sicht ist das Ski fahren im Gegensatz zum Skilanglauf im klassischen Stil ein ganz anderes Kaliber. Dementsprechend wäre das ganz schöner „Harrakiri“ sich das Ski fahren Autodidakt beizubringen! Hier sind Profis gefragt, bei denen das Skifahren auch ohne Knochenbruch erlernt werden kann. Dazu kommt, dass ich ziemlich ängstlich auf Geschwindigkeit reagiere. Ich werde jeweils zwei Mal zwei Privatlehrerstunden beim Alpincenter Wintersportschule Berchtesgaden-Obersalzberg in Anspruch nehmen. Diese Skischule befindet sich im staatlichen Gutshof Obersalzberg (im Sommer Golfplatz) und ist in wenigen Minuten mit der Buslinie 838 ab Berchtesgaden Bahnhof erreicht.

Eingang Skischule und Skigebiet
Eingang Skischule und Skigebiet

Dort erwartet mich schon am Morgen Friedl Höllbacher. Einer der ersten Snowboard-Rennläufer hier im Berchtesgadener Land. Fast alle Ski- und SnowboardlehrerInnen haben eine besondere Leidenschaft für den Wintersport. Beispielsweise der Bruder meines heutigen Skilehrers Stefan Höllbacher ist ehemaliger Skirennläufer und gehört dem Team des Deutschen Skilehrerverbandes (DSLV) an. Zuerst geht es in den Skiverleih. Dort muss die Ausrüstung auf mein Köpergewicht und meine Körpergröße angepasst werden. Vor allem ein bequemer Schuh ist Gold Wert, wie ich am Ende der zwei Stunden merken werde. Der Schuh fühlt sich an wie ein Schraubstock. So müssen sich wohl die Ritter in ihren Rüstungen gefühlt haben. Je länger ein Ski ist, umso rasanter kann man mit diesem eine Abfahrt herunter fahren. Für den Anfang genügt natürlich ein relativ kurzer Ski. Zu guter letzt wird ein passender Helm ausgesucht.

Skilehrer Friedl stellt die Ski ein
Skilehrer Friedl stellt die Ski ein

In meiner Skifahrer Ritterrüstung geht es dann zu Piste. Das laufen in den Skischuhen fällt mir sehr schwer. Klar, denn ich kenne vom Berggehen, Schneeschuhgehen und dem Skilanglauf die absolute Bewegungsfreiheit. Diese ist im Skischuh nicht erwünscht bzw. förderlich.  Die Spannung steigt je näher ich dem Skigebiet komme. Sonst bin ich eher die entspannte mit dem niedrigen Blutdruck, aber so langsam spüre ich wie sich der Puls erhöht. Als erstes wird eine Liftkarte besorgt. Ich ahne schon, dass es nicht nur beim Kinderhügelchen heute bleiben wird. Hoffentlich schaffe ich das. Friedl erklärt mir zuerst die Funktionsweise der Ausrüstung. Dann steige ich in einen der Ski. Hier ist es wichtig, dass dieser auch richtig einrastet! Auf einem Bein balancierend fahren wir auf ebener Strecke geradeaus. Dies dient dazu zu lernen, das Gleichgewicht zu halten. Das gleiche wird auch mit dem anderen Bein gemacht.

 

Dann ist es soweit, ich stecke mit beiden Beinen bzw. Füßen fest auf den Ski. Ich erlerne den sogenannten Schneepflug. Hierbei muss ich die hinteren Enden der Ski auseinander drücken um somit auch zu bremsen. Friedl erklärt mir, dass es wie bei einem Auto auch beim Ski fahren einen Bremsweg gibt. Man kommt nicht sofort zum stehen. Friedl sieht mir meine Anspannung an. Ich bin von den Haarspitzen bis zu den Zehennägeln vollkommen verkrampft. Er fährt mir gegenüber frontal und ich kann mich wenn Nötig an ihm fest halten. Die Skistöcke wurden erstmal zur Seite gelegt. Das gibt mir Sicherheit. Seine Kompetenz und sein Können geben mir Sicherheit.

Skigebiet staatlicher Gutshof Obersalzberg
Skigebiet staatlicher Gutshof Obersalzberg

Um das Stück, das man herunterfuhr wieder „hinauf“ zu kommen hält man sich an einem Seillift fest. Auch das muss man erst einmal lernen. Als das mit dem sogenannten Schneepflug reibungslos klappt, geht es ans Kurven fahren. Hierbei wird immer das Gewicht auf ein Bein verlegt. Hier am Hügelchen klappt das ganz gut. Nach mehrmaligen Versuchen, bis eine gewisse Sicherheit meinerseits da ist, wird hinüber gewechselt zum Tellerlift, dem sogenannten Oberaulift.

meine ersten "Gehversuche" auf Ski
meine ersten "Gehversuche" auf Ski
am Oberaulift (Tellerlift)
am Oberaulift (Tellerlift)

Von „unten“ betrachtet, kommt mir das Gefälle steiler vor, als dort wo ich meine ersten Fahrten machte. Friedl versichert mir, dass wenn ich oben angekommen bin, es nicht steiler sein wird wie am eben gefahrenen Hügel. Es sei nur länger. Außerdem gibt er mir eine Einweisung in die Nutzung des Tellerliftes. So kann es die ganze Zeit gehen. Einfach sich ziehen lassen und die Sonne und die Aussicht genießen. Die Sonne hat schon sehr an den Wiesen gezehrt, was ich sehr gut links des Tellerliftes erkennen kann.
Beim Obersalzberg Skigebiet gibt es zusätzlich eine künstliche Beschneiung, dadurch konnte sich der Schnee besser gegen warme Temparaturen und Sonne durchsetzten. Oben angekommen muss ich mich zur Seite schwingen und den Tellerlift los lassen. Dabei muss ich aufpassen, dass ich nicht den anderen Skifahrern im Weg stehe und vor allem, dass ich keinen der weggeschnallten Tellerlifte an den Kopf bekomme. Friedl kommt hinter mir an. Wir starten erst einmal wieder ohne Stöcke und irgendwie fällt mir das Fahren ohne die lästigen Stöcke leichter. Wieder selbes Spiel wie beim Einführungshügel. Fiedl hatte recht, soviel steiler ist das nicht nur länger. Was deutlich mehr Freude macht und so langsam verfliegt die Anspannung. Die letzten drei Fahrten werden dann mit Stöcken gefahren.

Skiabfahrt mit Watzmannblick
Skiabfahrt mit Watzmannblick
Skiabfahrt mit Watzmannblick
Skiabfahrt mit Watzmannblick
strahlender Sonnenschein
strahlender Sonnenschein

Wettermäßig ein wunderbarer Sonnentag bzw. Morgen (das Leben besteht nicht nur aus Vergnügen, hinterher muss noch gearbeitet werden – dabei sagt man doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen 😉 ) Die Sonne wärmt wunderbar meinen Rücken. Die zwei Stunden mit Friedl sind fast vorbei. Die letzten zwei Fahrten gehe ich aufs Ganze und statt hinter Friedl zu fahren, fahre ich vor ihm oder neben ihm. Klarer Fall: Die anfängliche Anspannung ist verflogen!

 

Zurück im Skiverleih löse ich mich von den Schraubstock-Skischuhen. Selbst als ich wieder meine Straßenschuhe trug, lief ich als hätte ich die Skischuhe an. Wie sich herausstellte ist es ganz schön schwer den passenden Skischuh zu finden. Ein anderes Modell zum Beispiel, dass ich dann bei meinen kommenden zwei Kursstunden trug, war unheimlich bequem und für mich der perfekte Skischuh! Friedl macht noch einen kleinen Rundgang mit mir durch den Skiverleih. Denn man kann hier beim Alpincenter Wintersportschule Berchtesgaden-Obersalzberg nicht nur Ski, Snowboards oder Langlaufsski ausleihen, sondern auch eine komplette Tourenskiausrüstung. Unter anderem finden hier auch Kurse zum Thema Skitouren statt, die vom SALEWA Skitourenpark ausgerichtet werden. Mein Ziel ist es auch irgendwann Skitouren zu gehen. Trotz meiner ersten zwei tollen Skikursstunden, bin ich immernoch nicht ein Freund des Geschwindigkeitsrausches – zumindest nicht in der Natur. Die Natur möchte ich intensiv in mich einsaugen und das geht natürlich bei einem schweißtreibenden Aufstieg bei einer Skitour.

Tourenskiverleih
Tourenskiverleih
Tourenskiverleih
Tourenskiverleih

Als Fazit kann ich sagen, dass das Skigebiet am Obersalzberg meine Erwartungen übertroffen hat. Ein optimales Gelände um das Skifahren zu erlernen. Aber auch für Könner gibt es den sogenannten Eckerbichllift, eine rote Piste die bedrohlich steil hinab fällt. Außerdem bin ich sehr froh über meinen Skilehrer Friedl. Er war sehr einfühlsam. Denn das sollte man nicht verachten: Skilehrer müssen sich jedes Mal auf neue Persönlichkeiten einlassen. Der eine überschätzt sich, der andere wird durch seine Angst blockiert. Und bei all diesen verschiedenen Personentypen muss man durchdringen und am Ende des Kurses zufriedene Gesichter auf der Piste zu sehen. Mein Gesichtausdruck war auch am Ende der zwei Stunden entspannt. Ich hoffe natürlich mich ganz gut geschlagen zu haben.
Jedenfalls war das nicht das letzte Mal. In zwei Tagen werde ich wieder auf den Brettern stehen.

Hier die Adresse der Skischule und des Skigebietes:
Wintersportschule Berchtesgaden GbR
Sigi Staudinger und Alexandra Fegg Höllbacher
Salzbergstr. 33
83471 Berchtesgaden-Obersalzberg

Telefon Skischulbüro Obersalzberg:
08652/948787

Öffnungszeiten: Skischulbüro Obersalzberg: von Dezember bis März täglich von 09:30 – 16:00 Uhr

 

Herzliche Grüße, eure Neu-Skifahrerin Ann-Kathrin

Im Winter 2013 verlies ich Familie und Freunde im Südhessischen Viernheim um als Nationalparkmitarbeiterin im Berchtesgadener Land zu leben. Endlich konnte ich meinen Traum wahr werden lassen! Direkt vom Elternhaus rund 600km in die Berge ziehen, was für andere vielleicht ein gewagter Schritt wäre, war für mich das Ende der Sehnsucht. Das Berchtesgadener Land - die Sehnsucht dorthin verspürte ich permanent über Jahre. Ich hörte die Berge nach mir rufen. Bekannt ist mir das Berchtesgadener Land seit ich drei Jahre alt bin, da der beste Freund meines Opas aus Anger ist. So entstand die Verbindung. Mit 24 Jahren gab ich dem Ruf der Berge nach, Koffer gepackt und ab ins Berchtesgadener Land. Ich lebe dort wo ich früher Urlaub machte. Ein lebendiger Traum! Meine Freizeit verbringe ich fast ausschließlich in den Bergen. Nach Feierabend sich an einem sonnigen Tag einfach hinlegen - für mich unmöglich! Ob nun gemütliche Feierabend-Wanderung, Bergwanderung oder Hochtour. Je nach Zeit und Wetterlage mache ich alles. Natürlich fragt man sich mit wem ist denn das "Venema"-Mädel unterwegs? Alleine! Alleine in den Bergen unterwegs zu sein, ist im Kopf vieler zu negativ behaftet. Oft mache ich alleine die interessantesten Begegnungen. Und darum wird es auch in meinen Berichten gehen - Begegnungen am Berg. Mittlerweile bin ich auch in den Printmedien zu finden: "Das Wanderbuch bayerische Hausberge" ISBN-13: 978-3-86246-527-9 Erschienen im Bruckmann Verlag München Auch bei Lesungen der Berchtesgadener Land Autoren bin ich mit dabei. Mehr Infos: http://bgl-autoren.de/

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