Kultur

Almauftrieb auf die Bindalm

Wir haben Glück: Auf vielen Almen in den Berchtesgadener Bergen wird der Almsommer in diesem Jahr erst später beginnen. Wegen des vielen Schnees und vor allem wegen der späten Schneefälle sind die Almen in den höheren Lagen noch von Schnee bedeckt und die Almwege von umgestürzten Bäumen blockiert. Nicht so auf der Bindalm: Die Vegetation ist zwar etwas hinten dran im Vergleich zum letzten Jahr, doch die Weide ist aper und der Weg zur Alm ist frei. Wie die letzten Jahre üblich haben wir also am letzten Samstag im Mai unsere Tiere auf die Alm getrieben.

Um 6 Uhr in der Früh starten wir mit 8 Kühen und 4 Jungtieren am Möslerlehen. 3 kleine Kälber und eine fußkranke Kuh werden später am Vormittag mit Traktor und Viehanhänger auf die Alm gefahren. Zügig marschieren wir mit den Tieren über die Alpenstraße und das Bindenkreuz zum Hintersee. Nur zwei Autos begegnen uns so früh am Morgen auf den Straßen.  Auch am Hintersee herrscht um halb sieben noch absolute Ruhe. Lediglich das gleichmäßige Läuten der Glocken durchbricht die Stille…

3 Generationen unserer Familie begleiten die Herde auf ihrem Weg. Die Tiere sind allesamt Pinzgauer, eine mittlerweile seltene Rasse, die sich durch ihr geringes Gewicht und eine ausgeprägte Geländetauglichkeit bestens für das Leben im alpinen Gelände eignet.

Nach etwa einer Stunde erreichen wir das Klausbachhaus und damit die Grenze zum Nationalpark Berchtesgaden. Hier beginnt das Klausbachtal, der Talboden zwischen Hochkalter und Reiter Alm.

Wir haben bereits etliche Kilometer zurückgelegt und obwohl der Weg durchs Klausbachtal jetzt fast flach ist, machen sich die Leistungsunterschiede der Rinder bemerkbar. Einige von ihnen legen ein rasantes Tempo vor, andere haben bereits Mühe das vorgegebene Tempo zu halten. An der Spitze unseres Zuges versucht mein Vater, die schnellen Kühe etwas einzubremsen um die Herde zusammenzuhalten.

Das gelingt ganz gut bis zum Mitterberg. Dieses berüchtigte Steilstück kurz vor der Bindalm verlangt mit seinen bis zu 30 Prozent Steigung nochmal sämtliche Reserven von Mensch und Tier.


Der Mitterberg fordert seinen Tribut: Zwei Kühe können das Tempo nicht halten und fallen zurück. Ich bleibe bei den langsamen Tieren. Auf dem letzten Kilometer bis zu unserem Kaser auf der Bindalm verlieren wir fast eine Viertelstunde! Aber der Almauftrieb ist ja kein Wettkampf, und so erreichen wir mit etwas Verspätung unser Ziel. Jetzt können sich die Kühe an dem frischen und kräuterreichen Gras satt fressen, einige sind so erschöpft, dass sie sich sofort niederlegen.

Nicht nur die Tiere sind nach dem Marsch hungrig und durstig, auch wir Begleiter haben uns jetzt eine Brotzeit verdient. Vor dem Kaser genießen wir eine deftige Brotzeit, lauschen den Glocken der Kühe und freuen uns über den gelungenen Almauftrieb.

Der Almsommer, die schönste Jahreszeit in Berchtesgaden, hat begonnen.

Euer Sepp

Mein Name ist Sepp Wurm und ich bin seit Sommer 2010 bei der Berchtesgadener Land Tourismus. Als Social Media Enthusiast kümmere ich mich neben diversen anderen Kanälen auch um das BerchtesgadenerLandBlog. Schwerpunkt meiner Blogbeiträge sind Berichte über meine Wanderungen und Bergtouren im Sommer, sowie über Skitouren im Winter. Meine Leidenschaft für die Berge bringe ich gerne in unseren Blog mit ein. Als waschechter Ramsauer „Bergbauernbua“ liegen mir zudem unsere Heimat und ihre Traditionen und Bräuche natürlich besonders am Herzen. Ich hoffe, diese Liebe zu unserem schönen Berchtesgadener Land spiegelt sich auch in meinen Blogbeiträgen wider.

5 Kommentare

  • Oliver

    Hallo Sepp,

    wieder mal ein schöner Bericht mit tollen Bildern. Wir müssen jetzt noch 2 Wochen warten bis wir wieder im BGL sind aber freuen uns schon drauf. Wie sonst die Jahre auch werden wir auch wieder zur Bindalm und dort eine Brotzeit und Pause auf unseren Touren machen. Wir sind schon sehr gespannt wie es dort im Juni aussieht weil wir sonst immer später im BGL sind.

    Viele Grüße
    Oliver

    • Sepp

      Servus Oliver, ich hoffe ihr habt schönes Wetter und wünsche Euch einen schönen Urlaub. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Bindalm…Liebe Grüße, Sepp

  • Daniela Quellmalz, Volker Roth

    Hallo Sepp,
    wir freuen uns, endlich wieder einmal etwas von unserer Lieblingsalm zu lesen. Noch einen Monat müssen wir uns gedulden und dann sind wir da, wo es uns so richtig gut geht. Großen Anteil daran haben deine Eltern. Die Herzlichkeit und der leckere Käse können jedes Luxushotel überbieten.
    Wir wünschen euch allen einem erfolgreichen Almsommer mit netten Gästen und ganz viel Glück und Gesundheit für euch alle.
    Liebe Grüße und bis bald
    Volker und Daniela

    • Sepp

      Servus, wir werden unsere Tiere wahrscheinlich am 21. September auf unsre Niederalm, die Schwarzbachalm am Wachterl treiben und dann eine Woche später endgültig heimbringen. Also wird unser Almabtrieb am 28.September stattfinden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.