Berge

Die erste Schlittenpartie der Wintersaison – Winterzauber auf der Eckaualm

Eigentlich ist es ein Wetter, bei dem wir uns auf der Ofenbank verkriechen und ein gutes Buch lesen wollen. Es ist nass-kalt, die Temperatur reicht gerade mal so aus, dass es schneit und nicht regnet. Trotzdem: Wir wollen zur ersten Schlittenfahrt der diesjährigen Wintersaison aufbrechen.

Mit dem Auto fahren wir ins Bergsteigerdorf Ramsau bei Berchtesgaden. Die Eisformationen in der Preisenklamm sind beeindruckend. An der engsten Stelle der Klamm, durch die sich Ramsauer Ache und Bundesstraße ihren Weg bahnen, wurde zwischen 1888 und 1890 das Felsentor gesprengt. Dieser Tunnel ist nur einspurig befahrbar und bildet somit einen sehr begrenzten Zugang zum Ramsauer Tal. Jedes Jahr aufs Neue wachsen an beiden Seiten der Klamm und auch am Felsentor zahlreiche, beeindruckend lange und dicke Eiszapfen herunter. Meine Fünfjährige klebt am Fenster. Da wenig Verkehr ist, können wir langsam fahren und die gewaltigen Zacken aus Eis gut bestaunen.

Nachdem wir das idyllische Dorf Ramsau passiert haben, biegen wir links über die Pfeiffenmacherbrücke zum gleichnamigen Parkplatz ab. Viel geschneit hat es kürzlich nicht. Aber zum Glück: Der Weg ist komplett schneebedeckt und unserer Winterwanderung mit Schlitten steht nichts im Wege.

Eineinhalb Stunden sind es in etwa zur Eckaualm, hoch oben direkt unterhalb der Hochalm am Hochkalter. Wir werden sicher länger brauchen, denn ständig stürzt sich meine Tochter in die weiße Pracht, macht einen Schneeengel nach dem anderen und krabbelt auf allen Vieren, bis sie vor lauter weiß fast nicht mehr zu erkennen ist.

Es geht auf der breiten Forststraße mal mehr, mal weniger steil durch den verschneiten Winterwald hinauf. Der Schneefall wird dichter und nur ganz selten kommen uns andere Schlittenfahrer oder Skitourengänger entgegen. Die Stille des Bergwaldes umgibt uns und wir können uns vorstellen, wie die Tiere unter den schneebedeckten Bäumen umherhuschen, um etwas Essbares zu finden.

Nach vielen wunderschön fein ziselierten Schneekristallen auf unseren Mützen und Nasenspitzen erreichen wir die Almwiese. Im Sommer weidet hier das Jungvieh, manchmal auch Schafe. Bewirtschaftet ist die Almhütte am Ende der Hochwiese nicht.

Wir treten eine Fläche für den Schlitten aus, der uns dann als Sitzbank dient, packen unsere Brotzeit sowie die Thermoskanne aus. Dabei haben wir noch übrig gebliebene selbstgebackene Plätzchen aus der Adventszeit und deftige Kaspressknödl vom Berchtesgadener Wochenmarkt.

Der Wind nimmt zu und wird ziemlich unangenehm. Wir halten es trotz der sagenhaften Stimmung nicht länger aus und packen zusammen. Meine Tochter bekommt ihren Skihelm und die Skibrille aufgesetzt – schließlich sitzt sie bei der Abfahrt vorne, damit ich sie gut festhalten und im Bedarfsfall schützen kann. Nach dem anstrengenden Aufstieg werden wir mit einer etwa drei Kilometer langen Abfahrt belohnt. Zwar sinkt der Schlitten etwas ein, da die Forststraße nicht planiert und noch nicht stark begangen wurde. Aber es macht trotzdem riesigen Spaß, hinunter zu flitzen. Bremsen und lenken beanspruchen meine Oberschenkelmuskeln gehörig, aber das freudige Jubeln meiner Tochter belohnt dafür.

Sie erinnert sich, als wir das letzte Mal bei einem Weltcup an der Kunsteisbahn am Königssee mit Gänsehautgarantie angefeuert haben und gibt mir dementsprechend Anweisungen, wie ich mich wohin zu lehnen habe. Und ich erinnere mich an ein Interview mit der Rodellegende Georg „Schorsch“ Hackl: „Zum Rodeln braucht man Leidenschaft!“ – dem kann ich mich im verschneiten Bergsteigerdorf-Wald nur anschließen.

Eure Claudia

Ich bin hier aufgewachsen und nach vielen Jahren im außereuropäischen Ausland fast reumütig zurückgekehrt: So schön und spannend es in der großen weiten Welt da draußen auch ist – dahoam in Berchtesgaden ist‘s doch einfach am schönsten! 2014 habe ich angefangen im Tourismus in Berchtesgaden zu arbeiten. Seit Januar 2021 leite ich das Team Print im Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden. Meine kleine Tochter trat 2016 in mein Leben. Mit ihr bin ich viel in den Bergen unterwegs. Sport und Bewegung ist für Kinder so wichtig! Wir beide lieben die Natur und ihr Schutz liegt uns sehr am Herzen. Mit der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt, besonders im Nationalpark Berchtesgaden, gibt es auf unseren Touren jedes Mal aufs Neue unvergessliche Erlebnisse. Schreiben tu ich für mein Leben gern und so freue ich mich, die werten Leserinnen und Leser des Berchtesgaden Blogs zukünftig mit Portraits von besonderen Menschen, Berichten von unseren Wanderungen und kindlichen Gedanken zum Leben in den Berchtesgadener Bergen unterhalten zu dürfen!

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