Berge

Tipps und Ratschläge für Eure Wintertour in den Berchtesgadener Bergen

Gerade im Winter finde ich die Berchtesgadener Berge atemberaubend schön“, sagt Jörg Fegg. Der sympathische, großgewachsene Mann strahlt übers ganze von der Wintersonne gebräunte Gesicht. Ich habe mich heute mit dem Polizeibergführer und ehrenamtlichem Referent für Bergsteigen bei der Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins (DAV) getroffen. Ich will von ihm wissen, was unsere Gäste besonders beachten müssen, wenn sie im Winter in unseren Berchtesgadener Bergen unterwegs sind. Lest selbst, was für Tipps und Ratschläge mir Jörg für Euch mitgegeben hat.

Jörg Fegg

Polizeibergführer

Referent für Bergsteigen, DAV Sektion Berchtesgaden

Gebürtiger Berchtesgadener und in Bischofswiesen zu Hause

Jörgs Lieblingsbergsport? Jörg kann sich nicht für eine entscheiden. Er liebt alle Bergsportarten: Skitourengehen im Winter, Bergsteigen, Radlfahren und Klettern – am liebsten draußen am Fels – im Sommer.

Jörgs Lieblingsskitour? Watzmannkar

Jörg, wie bereite ich mich richtig auf eine Tour in den Bergen im Winter vor?

Am Wichtigsten finde ich es, sich selbst, die eigene Kondition und das eigene Können richtig und möglichst objektiv einzuschätzen. Anfänger sollten langsam einsteigen und nicht sofort eine ganztägige, hochalpine Tour planen, nur weil die gerade im Internet überall im Trend ist. In Berchtesgaden haben wir so viele wunderschöne Touren in allen Schwierigkeitsgraden. Da ist wirklich für jeden etwas Passendes dabei.

Ist die Tour nach diesen Gesichtspunkten ausgewählt, kommen wir zum Wetter- und Lawinenlagebericht. Wetterumschwünge, Temperaturen und natürlich die Schneelage sind ausschlaggebend für die Sicherheit während der Tour.

Und warum nicht auch einmal eine Tour mit einem Berchtesgadener Bergführer planen? Es geht ja nicht nur um die Sicherheit. Ein Bergführer bringt ja auch jede Menge Erfahrung, Ortskenntnis und Geschichten mit, von denen jeder Gast nur profitieren kann.

Was muss ich im Winter in den Bergen immer dabeihaben?

Eine kleine Rettungsdecke empfehle ich selbst beim Winterspaziergang. Die niedrigen Temperaturen führen nicht nur im hochalpinen Gelände schnell zu Unterkühlung – auch wenn sich nun jemand bloß am Carl-von-Linde-Weg den Fuß verknackst und nicht weitergehen kann. Eine Stirnlampe kann auch nie schaden – schließlich wird es im Winter früh und schnell dunkel.

Für Schneeschuh– und Tourengeher ist natürlich die komplette Ausrüstung ein Muss: Lawinenverschütteten-Ausrüstung (LVS-Gerät, Sonde, Schaufel), Biwaksack, angemessene Bekleidung, Handy. Eine gute Brotzeit und ein warmes Getränk gehören sowieso im Winter in jeden Rucksack – zusätzlich zur Einkehr bei einem unserer Gastwirte oder Berghütten.

Was gilt es besonders bei Touren im Nationalparkgebiet zu beachten?

Der Winter ist Ruhezeit für die Natur. Auch die Tiere tun sich hart damit, Nahrung zu finden, für alles brauchen sie viel mehr Energie. Das ist es eigentlich selbstverständlich, dass wir Winterbergsportler Rücksicht nehmen. Allem voran müssen die Regeln des Nationalpark Berchtesgaden strikt beachtet werden. Ich muss mich aber auch vorab informieren, wo ich gehen darf. Wo riskiere ich es, Wildtiere aufzuscheuchen, zu stören und sie damit stark zu belasten? Die Rücksicht der Natur gegenüber sollte vor allem sportlichen Elan stehen.

Was ist der schlimmste Fehler, den Wanderer, Schneeschuhgeher und Skitourengeher im Winter in den Bergen machen können?

So wunderschön unsere Berge sind: Wir dürfen ihre Naturgewalt nicht unterschätzen. Im Winter schaut die Natur ganz anders aus. Wegweiser und landschaftliche Orientierungspunkte sind verschneit, die Sicht verschlechtert sich schnell bei Wetterumschwüngen, weil alles plötzlich weiß ist, es wird schnell und früh dunkel. Das zu missachten, sich ungenügend vorzubereiten oder eine unpassende Ausrüstung – das halte ich für die größten Fehler.

Jörgs persönliche Highlight-Tipps für Euch:

  • Nehmt an einem Seminar für Lawinenkunde und LVS-Suche teil! Der DAV und die Berchtesgadener Bergschulen bieten hier interessante Veranstaltungen an, bei denen Ihr auch nette Leute kennenlernen könnt. 
  • Verlasst Euch nur auf professionelle Informationen von offiziellen Stellen! Im Internet lassen sich viele Geschichten von vermeintlich spannenden Abenteurern finden – es ist oft nicht unbedingt ratsam, diesen nachzueifern.

Der Jörg und ich wünschen Euch zauberhafte Wintertouren in Berchtesgaden! Kommt gesund und munter wieder ins Tal!

Vielen Dank für das freundliche und interessante Gespräch, Jörg!

Ich bin hier aufgewachsen und nach vielen Jahren im außereuropäischen Ausland fast reumütig zurückgekehrt: So schön und spannend es in der großen weiten Welt da draußen auch ist – dahoam in Berchtesgaden ist‘s doch einfach am schönsten! 2014 habe ich angefangen im Tourismus in Berchtesgaden zu arbeiten. Seit Januar 2021 leite ich das Team Print im Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden. Meine kleine Tochter trat 2016 in mein Leben. Mit ihr bin ich viel in den Bergen unterwegs. Sport und Bewegung ist für Kinder so wichtig! Wir beide lieben die Natur und ihr Schutz liegt uns sehr am Herzen. Mit der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt, besonders im Nationalpark Berchtesgaden, gibt es auf unseren Touren jedes Mal aufs Neue unvergessliche Erlebnisse. Schreiben tu ich für mein Leben gern und so freue ich mich, die werten Leserinnen und Leser des Berchtesgaden Blogs zukünftig mit Portraits von besonderen Menschen, Berichten von unseren Wanderungen und kindlichen Gedanken zum Leben in den Berchtesgadener Bergen unterhalten zu dürfen!

2 Kommentare

  • Papiertiger

    Danke für die wertvollen Tipps. Von einem Bergführer lernt man immer noch am besten und am meisten. Ich hatte mal einen Bergführer in Zermatt, das hatte sich auch gelohnt. Von meiner Ferienwohnung in Zermatt aus gingen die Touren dann immer los. Ich kann jedem nur das Buchen eines Bergführers empfehlen.

    • Claudia

      Vielen Dank für den positiven Kommentar – da können wir Ihnen nur zustimmen! Viel Freude weiterhin in den Bergen – immer in guter Begleitung!

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