Kultur

Spaziergang durch einen Roman mit Rafik Schami

„Einen der ganz großen Erzähler haben wir in Bad Reichenhall zu Gast“ kündigte Maria Rupprecht in ihrer Begrüßung den bekannten Autor an, der seinen neuen Roman „Die geheime Mission des Kardinals“ im Rahmen der Servicewoche vorstellte.

Viele Fans von Rafik Schami waren zur Autorenlesung in die Reichenhaller Rupprecht Buchhandlung gekommen, aber auch Neugierige und Landsleute des Schriftstellers, der gebürtig aus Damaskus stammt.

Der leidenschaftliche Erzähler machte seinem Ruf alle Ehre und las an diesem Abend kein einziges Wort aus seinem neuen Werk vor, sondern erzählte Teile der Handlung frei und sehr lebendig nach. Das Publikum, das den Raum bis auf den letzten Platz füllte, lauschte wie gebannt und erklatschte sich am Ende sogar noch eine Zugabe. 

„Ich wollte immer eine Geschichte über Glaube und Aberglaube schreiben.“ erklärte Rafik Schami in seiner Einführung. Der perfekte Aufhänger, um beide Themen unauffällig miteinander zu verbinden, sei der Mord an einem Kardinal, der am Anfang des Romanes stattfindet: Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt eines Tages unvermittelt ein Faß geliefert — in ihm Olivenöl und der auf grausige Weise präparierte kirchliche Amtsträger.

Die Protagonisten des Romans, Kommissar Barudi und sein römischer Kollege Mancini, sollen das Verbrechen aufklären und müssen feststellen, daß das Faß mit dem toten Kardinal quasi auch ein Faß ohne Boden ist. Ihre Ermittlungen nach der geheimen Mission des Kardinals führen sie nicht nur in die oberen Ebenen der kirchlichen Hierarchien, sondern auch in die Hände von Islamisten. 

Rafik Schami erzählt in „Schlaufen“, geht von einer Haupthandlung aus und schweift genußvoll in verschiedene Richtungen ab, erzählt Anekdoten, fügt Hintergrundinformationen ein, nur um danach leichtfüßig die verschiedenen Erzählstränge und Themen wieder zu verknüpfen. „Was ich mache, ist ein Spaziergang durch meine Bücher.“ erklärt er, „Es ist für mich wichtig, daß jeder Abend ein Unikat ist.“

Mit viel augenzwinkernder Ironie aber auch beißendem Spott berichtet er über falsche Heilige und Vetternwirtschaft in Regierungsebenen und erzählt von der großen Liebe und dem Weg zu Gott, die sich beide nicht an die Grenzen der Religionen halten. Immer wieder ist auch die syrische Geschichte und Kultur Thema der Geschichten.

Mit begeistertem Applaus bedankten sich am Ende die Zuhörer und viele ließen sich im Anschluß an die Veranstaltung ihre Bücher signieren. 

Die nächste Lesung findet am 17. Februar 2020 statt; weitere Informationen unter diesem Link.

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