Der Salzheilstollen Berchtesgaden
Kultur

„Klang und Stille geben einander die Hand“

Wenn Paul Freh im Salzheilstollen Berchtesgaden zum Konzert einlädt, ist dieses Zitat keine Plattitüde. Die einzigartige Atmosphäre tief drinnen im Berg, abgeschirmt von allen Umwelteinflüssen wie Staub, dem Gebrumm von Automotoren oder To-Do-Listen, stimmen seine Stimme und seine Instrumente Töne an, die uns innehalten und hinweggleiten lassen.

Aber der Reihe nach: Es hat vor wenigen Tagen zum ersten Mal geschneit. Noch nicht bis hinunter ins Tal, doch aber bis zur Jenner-Mittelstation, die großen und kleinen Gipfel ringsum sind weiß. Der Herbstwind trägt die Kälte des Schnees in Böen zu uns herunter, Nebelfetzen liegen über den Tälern, die Bäume lassen tropfnass Äste und Blätter hängen. Tropfnass ist morgens auch mein Kater, wenn er hungrig ins Haus tigert und sich an meine nackten Waden schmiegt. Meine Freundin Stana und ich, wir hatten uns schon vor einiger Zeit einen Platz beim Konzert „Tief verwurzelt“ gesichert. Dass es sich so ideal ausgeht mit dem einsetzenden Herbstblues, war nicht geplant.

Wir treffen uns am frühen Nachmittag und fahren mit den anderen Gästen hinein in den Berg. Wie die Besucher der klassischen Salzbergwerk-Tour rittlings auf dem kleinen Zug. Im ersten Sinkwerk angekommen dürfen wir allerdings nicht in die Tiefe rutschen, sondern wir umrunden den unterirdischen, vom Wasser ausgespülten Saal Richtung Heilstollen. Ein weiteres stillgelegtes Sinkwerk. Unsere fleißigen Begleiterinnen Kathrin und Doris haben diesen bereits mit Salzlampen und Teelichtern stimmungsvoll erleuchtet, auf den Holzliegen warten kuschelige Decken und in der Mitte des Hohlraumes plätschert der Solebrunnen.

Der stimmungsvoll beleuchtete Salzheilstollen

Nachdem wir unsere Straßenschuhe gegen Hausschlappen getauscht und eine Wärmflasche in Empfang genommen haben, richten wir es uns gemütlich auf unserem Platz ein. Alle sind wir bereits eingenommen von der besonderen Atmosphäre, niemand spricht in der gewohnten Lautstärke, nur hier und da ein leises Murmeln ist noch zu hören.

Friedliche Atmosphäre

Jetzt liegen alle still, schließen die Augen, und Paul beginnt die Meerestrommel in seinen Händen zu wiegen.

Paul Freh spielt die Handpan

Wie vor wenigen Wochen am griechischen Meer rollen kleine Wellen heran und ziehen sich wieder zurück. Ich höre sie überall im Raum, einmal direkt hinter meinem Kopf, ich tauche ab. Als das Rauschen verklungen ist, blicke ich hinauf auf die Decke des Heilstollens, in der die unterschiedlichen Gesteinsschichten des vor Jahrmillionen im Berg eingeschlossenen Urmeers sichtbar sind. Fast habe ich das Gefühl, auch dieses Meer beginnt langsam zu wogen, hat vielleicht nie damit aufgehört.

Entspannung im Salzheilstollen

Ein hebräisches Wiegenlied folgt. Von Tenorflöte und einem mir unbekannten, mit den Füßen bedienten Instrument begleitet, und immer wieder Pauls wunderbar weiche und eindrucksvolle Stimme. Das Lied tut gut. Sicher nicht nur mir, sondern auch diesem einst weiter oben missbrauchten Berg. Im Herzen stimme ich kraftvoll mit ein.

Insgesamt sind es wohl knapp zwei Stunden, die uns Paul Freh mit Handpan, Trommel, Klarinette, Shrutibox, Gitarre, Gesang sowie persönlichen Geschichten und Anregungen in eine andere Dimension entführt. Ilahinur. Mach dein Herz weit auf. Klang und Stille.

Ich möchte Euch einladen, es selbst auszuprobieren. Keine Berührungsängste, Stana und ich sind wirklich keine esoterisch veranlagten Frauen. Und doch haben uns der Berg und Paul ganz unmittelbar abgeholt und mitgenommen auf eine bemerkenswerte Reise. Das Konzert „Tief verwurzelt“ findet das nächste Mal am 8. November statt. Aber es gibt auch viele andere besondere Erlebnisse im Salzheilstollen, selbst Übernachtungen sind möglich. Das Programm findet Ihr hier.

Lasst Euch treiben und genießt wie wir den Herbst. Denn der hält ganz sicher wie jedes Jahr bald auch wieder herrlich golden-sonnige Tage für uns bereit.

Bis bald, Ursula

PS: Und wenn mir eine pralle, dunkelbraune Kastanie vor die Füße fällt, dann beherzige ich Pauls Anregung, nehme sie in die Hand, fühle die glatte Oberfläche, die unsymmetrische Form, den Duft. Ein oder zwei Minuten, und dann erst geht’s wieder weiter im Alltagstrott.

Teil 2 beim Jobsharing der Pressestelle. Ich verstehe mich als berchtesgadnerische Königsseerin – oder umgekehrt. Im Berchtesgadener Land entdecke ich immer wieder Neues oder genieße Altbekanntes. Egal ob in einer zünftigen Wirtschaft, oben am Berg, an einem eiskalten Gebirgsbacherl oder bei kulturellen Experimenten. Und alles, was ich kenne und schätze, das vermittle ich mit Enthusiasmus an Journalisten und andere, die es hören oder lesen wollen. Bis auf ein paar wenige echte Geheimtipps :)

One Comment

  • Paul Freh

    Normalerweise kommen die Gäste zu meinen Konzerten zum Lauschen, Genießen, Nixtun…. Vielen Dank, dass ihr stattdessen gearbeitet habtT Das Ergebnis ist dieser geniale Blog! Danke fürs Schreiben, Fotografieren und Fleissig-Sein! 🙏😘

    Derzeit biete ich diese Solokonzerte im Salzheilstollen an.
    ✨ Tief Verwurzelt, 3h
    ✨ Sonnenaufgang, 3h
    ✨ Herzenlieder, 2h

    An der Oberfläche in “normalen” Konzertsälen und Meditationszentren bin ich natürlich auch ordentlich am Klingen&Singen.

    Klingenden Gruß, Paul

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