Sennerin Anja Beilhack
Menschen

Sennerin Anja Beilhack von der Mordaualm

Der vierte Almsommer von Anja Beilhack als Sennerin des Hinterkeilhoflehens auf der Mordaualm endet dieses Jahr im Schnee. Am Samstag, den 26. September schneit es bis etwa 1000 Meter Höhe, auf der Mordaualm auf 1200 Metern Höhe entsteht eine geschlossene Schneedecke.

Wintereinbruch auf der Mordaualm

Am Sonntag ist es dann aber soweit: Bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel treibt Anja Ihre Tiere nach Hause. Anja ist sichtlich erleichtert: der Sommer ist unfallfrei verlaufen und die 30 Kühe, Kalbinnen und Kälber vom Hinterkeilhof werden „aufkranzt“, also mit Fuikln, Latschenboschn und Glocken geschmückt.

Von der Mordaualm geht es erst hinunter zur Deutschen Alpenstraße, dann hinauf aufs Hochschwarzeck und wieder hinunter nach Bischofswiesen. Insgesamt dreieinhalb Stunden wird die Herde unterwegs sein, bis sie am Hinterkeilhoflehen in Bischofswiesen eintreffen.

Der Almabtrieb im Berchtesgadener Land ist ein festliches Ereignis, das von jahrhundertealten Traditionen begleitet wird. Je nach Höhenlage geht es zwischen Mitte September und Anfang Oktober hinab ins Tal. Nur wenn der Sommer ohne Unglück für das Vieh und ohne Todesfall in der Bergbauernfamilie vorübergeht, werden die Tiere für den Almabtrieb festlich geschmückt – also „aufkranzt“.

Handgefertigte Fuikl – der Stolz der Sennerin

In mühevoller Handarbeit werden dafür jedes Jahr von Neuem die Fuikln angefertigt. Dazu wird als Grundmaterial kleine Fichten- oder Tannenbäume verwendet, dessen Zweige zu Rundbögen am Stamm befestigt werden. Die Bögen werden im Anschluss mit Schleifen, Blüten und Rosetten aus bunt gefärbten Hobelspänen, den sogenannten Gschabert-Bandln, verziert.

Katharina Koller vor den Fuikln

So entsteht ein wunderschöner kronenartiger Festschmuck für die Kühe und das Jungvieh. 30 bis 40 Stunden Arbeit stecken in jedem einzelnen der traditionellen Kopfschmucke.


Almwirtschaft sichert Artenvielfalt

Nicht nur auf der Mordaualm endet in diesen Tagen der Almsommer, im Berchtesgadener Land werden weitere 54 Almen jedes Jahr vor allem mit Kühen und Kalbinnen (ca. 1800 Tiere), vereinzelt auch mit Schafen und Ziegen (ca. 55 Tiere) und einigen wenigen Pferden bestoßen. Insgesamt wird so von den Bergbauern eine Fläche von rund 1500 Hektar Almwiesen bewirtschaftet und damit offengehalten. Das ist die Basis für die besonders große Artenvielfalt der Almweiden. So wurde die Mordaualm im Rahmen der Almwiesenmeisterschaften 2014 mit 170 verschiedenen Pflanzenarten ausgezeichnet.

Drei Monate Sennerin. Und dann?

Für Anja Beilhack ist der Almsommer nach diesem sehr ereignisreichen Tag noch nicht ganz vorbei – eine Woche kehrt sie nochmals auf die Alm zurück, um diese winterfest zu machen und die Almzeit ausklingen zu lassen. Anschließend geht es zurück in den eigenen Trachtenladen nach Warngau im Miesbacher Landkreis. Was Sie sich für die Alm und das Geschäft am meisten wünscht: Für das kommende Jahr einen hoffentlich wieder coronafreien Almsommer!

Milchabholung – hoch oben auf der Alm und im heimatlichen Bauernhof

Die Arbeit auf der Alm war für Anja wieder herausfordernd. Seit Mitte Juni versorgt sie die Kühe der Familie Koller auf der Mordaualm. 17 Kühe werden täglich morgens und abends in den Stall getrieben um sie zu melken, füttern, tränken und striegeln. Sennerin Anja hat das Wohlbefinden der Tiere stets im Blick. Die Milch von der Mordaualm hat Anja den Sommer über mit einem mobilen Tank alle zwei Tage zur Sammelstelle an der deutschen Alpenstraße gefahren, wo sie vom Milchsammelwagen der Molkerei Berchtesgadener Land eingesaugt wurde – außer die Milch kam für den Brotzeit-Käse auf der Alm zum Einsatz.

Mobiler Michtank

Neben Brotzeiten wurden die Wanderer und Mountainbiker, die bei dem schönen Sommer bis zum Schluss zahlreich gekommen sind, auch mit verschiedenen selbstgebackenen Kuchen verwöhnt. Nach dem Almabtrieb kümmern sich Josef und Katharina Koller im Hinterkeilhoflehen nun wieder selbst um die Tiere und die Stallarbeit zuhause in Bischofswiesen. Die Milch wird weiterhin zur Molkerei Berchtesgadener Land geliefert, aber jetzt wieder in Bischofswiesen gemolken.

Mein Name ist Sepp Wurm und ich bin seit Sommer 2010 bei der Berchtesgadener Land Tourismus. Als Social Media Enthusiast kümmere ich mich neben diversen anderen Kanälen auch um das BerchtesgadenerLandBlog. Schwerpunkt meiner Blogbeiträge sind Berichte über meine Wanderungen und Bergtouren im Sommer, sowie über Skitouren im Winter. Meine Leidenschaft für die Berge bringe ich gerne in unseren Blog mit ein. Als waschechter Ramsauer „Bergbauernbua“ liegen mir zudem unsere Heimat und ihre Traditionen und Bräuche natürlich besonders am Herzen. Ich hoffe, diese Liebe zu unserem schönen Berchtesgadener Land spiegelt sich auch in meinen Blogbeiträgen wider.

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