Kultur

Gockel aus Gschabertbandln

Gschabertbandl – das sind herrlich farbenfrohe, extra lange und feine gehobelte Holzspäne. Ob es diese auch außerhalb Berchtesgadens gibt, ist mir gar nicht bekannt, wohl aber, dass man bei uns zu mehreren besonderen Anlässen wunderbare Kunstwerke daraus fertigt. Am 24. August, dem Tag des Heiligen Bartholomäus, fangen die Sennerinnen an, damit den prunkvollen Schmuck der Kühe zum Almabtrieb zu fertigen. An Weihnachten gibt es farbige Sterne. Und jetzt gerade basteln (hauptsächlich) die Mütter Hexentreppen, Spiralen und verschiedene Kugeln für die prächtigen Palmbuschn, die am Palmsonntag zur Weihe getragen werden, um anschließend auf dem Feld oder im Herrgottswinkel ihren Platz zu finden.

Ich persönliche mache daraus gerne ein paar bunte Gockel. Die hatte vor vielen Jahren der ehemalige Gastwirt vom Vorderbrand, Toni Brandner, für alle Tische in der eh schon besonders gemütlichen Wirtsstube gefertigt. Eine Augenweide. Selten habe ich eine so geschmackvolle, erfrischende und liebevolle Tischdeko gesehen.
Nachdem wir bereits ein paar warme, frühlingshafte Tage erleben konnte, passt das Wetter diese Woche sehr gut zu meinem Vorhaben. Und damit auch Ihr Euch ein bisschen Berchtesgaden- oder Osterfeeling ins Haus zaubern könnt, verrate ich hier, wie Tonis Gockel gemacht wird.

Gschabertbandl

Zuallererst braucht Ihr einen Bund Gschabertbandl. Die gibt es bei der Berchtesgadener Handwerkskunst oder in Edeka-Läden heimatverbundener Inhaber wie dem Helmut Hölzlwimmer. (Wer keine bekommen kann, hilft sich mit schmalen Bändern aus farbigem Papier.) Dazu eine Bastelschere, Pik (= Kleber), evtl. einen Schwamm (zum Anfeuchten der Bandl, sollten sie recht trocken sein), starken Blumendraht, Zange und Heißkleber.

Zuerst halbiere ich die Gschabertbandl, um feinere Streifen zu bekommen. Dann fertige ich den ersten ganz kleinen Kreis. An der Klebenaht setze ich in einer anderen Farbe einen nur wenig größeren Kreis an. Und das mache ich weiter, bis ich einen Durchmesser von etwa 8 cm erreicht haben. Das ist der Körper unseres Gockels.

Für den Schwanz fertigen wir nach der gleichen Technik Schlaufen, für den Kopf noch einmal kleine Kreise. Am Ende fügen wir alles zusammen und stabilisieren evtl. mit einer kleinen Wäscheklammer, bis alles stabil ist. Aus einem roten oder orangen Gschabertbandl schneide ich einen extra feinen Streifen und falte ein Mini-Dreieck. Das wird der Schnabel.

Nun nehmen wir den Blumendraht, kürzen ihn auf die gewünschte Länge, knicken oben einen kurzen 90Grad-Winkel und kleben den Vogel mit Heißkleber vorsichtig obendrauf.

Et Voilà: Jetzt muss sich der hübsche Kerl nur noch zwischen gelbe Osterglocken, kleine Primeln oder ein Sträußchen aus österlichem Grün setzen und schon erfreut er die Augen aller, die ihn erblicken.

Ich fummle mir erstmal den Pik von den Fingern und vielleicht mache ich morgen ein weiteres Exemplar. Wie sieht es bei Euch aus?

Eure Ursula

Teil 2 beim Jobsharing der Pressestelle. Ich verstehe mich als berchtesgadnerische Königsseerin – oder umgekehrt. Im Berchtesgadener Land entdecke ich immer wieder Neues oder genieße Altbekanntes. Egal ob in einer zünftigen Wirtschaft, oben am Berg, an einem eiskalten Gebirgsbacherl oder bei kulturellen Experimenten. Und alles, was ich kenne und schätze, das vermittle ich mit Enthusiasmus an Journalisten und andere, die es hören oder lesen wollen. Bis auf ein paar wenige echte Geheimtipps :)

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