Kultur

Wasser ist Leben

Wie das „Leitungswasser“ nach Teisendorf und in große Teile des Rupertiwinkels kam

„Wasser ist Leben“ – welche Wahrheit steckt in diesem Spruch. Wasser, vor allem Trinkwasser war, ist und bleibt ein Thema ersten Ranges. Drehen wir heute einfach den Wasserhahn auf, so stellt die Wasserversorgung die Bevölkerung vor noch gar nicht so langer Zeit vor Riesenprobleme. Zeiten der Trockenheit, aber auch Zeiten von Überschwemmungen lassen die spärlich gefassten Brunnen oder Quellen versiegen oder verschmutzen das Trinkwasser.

Auf einem Einödhof aufgewachsen habe ich es noch miterlebt: Der Brunnen vor dem Haus brachte oft nicht genügend Wasser für Mensch und Vieh. Zwar ging vom Brunnen vor dem Haus eine Leitung in die Küche und in den Stall. Am Brunnen musste jedoch per Hand gepumpt werden, um das Wasser in die Leitung zu bringen. Unser Brunnen brachte jedoch oft nicht genügend Wasser. So holte mein Vater mühsam es das Wasser für das Vieh mit einem Odelfass von der einige Kilometer entfernten Sur.

Zur Geschichte der Wasserversorgung von Teisendorf und Umgebung

Wir schreiben das Jahr 1947. Wie so oft, herrscht in vielen Ortschaften und Gehöften, so auch rund um Holzhausen bei Teisendorf, wieder einmal Wassermangel. Die hauseigenen Brunnen fallen in diesem Sommer für lange Zeit fast gänzlich trocken. So müssen die Bauern das Wasser für Mensch und Tier mit Odelfässern, Milchkannen oder sonstigen Gefäßen aus den noch wasserführenden Bächen der Umgebung nach Hause bringen. Ein schier unmögliches Unterfangen bei den damaligen Straßenverhältnissen und noch weitgehend ohne Motorisierung. Bereits seit 1928 besteht zwar eine kleine Wasserversorgung aus Quellen neben der Bahn am Schellmberg, die über einen Hochbehälter die Molkerei in Holzhausen und den Wirt zur schönen Aussicht versorgt, diese kann aber nicht herangezogen werden. Sie bringt einfach zu wenig Wasser für das ganze Dorf. Die Holzhauser und Mehringer sinnen auf Abhilfe. Sie holen den Seher und Wünschelrutengänger Alois Irlmaier. Er findet auch tatsächlich Wasser in Mehring an der Friedhofmauer hinter dem Weiherer-Anwesen. Sie graben danach, kommen aber nicht ans Ziel. Der Grundwasserspiegel liegt zu tief.

Seit Mai 1947 ist der Brunnen meist völlig leer. Trinkwasser muss von Haus zu Haus erbettelt werden. Im Sommer konnten über 4 Monate die Schulräume nicht feucht gereinigt werden“. Der Schulleiter Sporer der Volksschule Mehring schildert den Wassernotstand treffend. Eine ausreichende Wasserversorgung muss her: Leonhard Zillner, Johann Thanbichler und Alois Seidl – die treibenden Kräfte bei der Suche nach Wasser für Mehring und Holzhausen – geben nicht auf. Quellen im Gebiet der Gemeinde Holzhausen und Rückstetten und sogar am Teisenberg kommen in Frage, werden geprüft und wieder verworfen. Schon von alters her ist auch eine Quelle in Diesenbach als sehr ergiebig bekannt (Diesenbach liegt an der B 304 Richtung Traunstein). Man würde sie nun gern nutzen. Jedoch stellt der Bau der Rohrleitung über Mehring nach Holzhausen der weiten Strecke wegen einen immensen Aufwand dar. Über ein ganzes Jahr messen Zillner und Thanbichler die Schüttung der Quelle täglich mittels einer selbst konstruierten Überfallmessung mit dem Ergebnis: Diese Quelle ist ausreichend, befindet sich aber zu diesem Zeitpunkt noch in Privatbesitz. Mit dem Kauf wird der Grundstock für den Zweckverband gelegt. Fachbehörden raten, dieses „große Werk“ nicht allein durchzuziehen. Der Zweckverband gründet sich am 14. November 1953 mit zunächst den Gemeinden Holzhausen, Rückstetten, Rossdorf, Ringham und Weildorf. Bald schließen sich weitere Gemeinden an. Der Kosteneinsparung wegen müssen Arbeitslose – zu der Zeit „Notstandsarbeiter“ genannt“ – täglich eine gewisse Strecke der Rohrleitung verlegen und am 2. Mai 1955 sprudelt das Wasser zum ersten Mal nach Großrückstetten und auch in Holzhausen kommt Wasser aus dem Hydranten.

Der Markt Teisendorf versorgt sich indess seit Jahrhunderten unter anderem aus der Stettener Quelle mit Wasser. Wie Aufzeichnungen berichten, spenden vier öffentliche Brunnen, aus dieser Quelle gespeist, das Wasser für die Bevölkerung und speist die Quelle private Brunnen, aus denen sich auch die Nachbarschaft bedienen darf. Erst im Jahr 1883 löst eine aus Gusseisen hergestellte Rohrleitung die bis dahin von der Quelle in Stetten bis Teisendorf benutzten Holzdeicheln ab (Leitung aus Holzrohren). Nach und nach folgt die Erneuerung der Brunnenfassungen, mehr Hausanschlüsse werden gelegt, immer noch Tag und Nacht fließend. Im Jahre 1902 beschließt der Marktausschuss den Bau einer Hochdruckleitung mit „geschlossenem Hahnensystem“ an allen Wasserentnahmestellen, denn das Wasser reicht nicht mehr für das immer weiter wachsende Teisendorf. Die Niederschraubventile dürfen nur zur tatsächlichen Wasserentnahme geöffnet werden. Wasseruhren messen von da an den tatsächlichen Verbrauch. Nach den Trockenjahren 1946/47 speist die neu gefasste Quelle in der Ramsau in die Versorgung des Marktes ein. Mit den nötigen Erweiterungen nach Öd und Espannhausen (1934) und ab 1950 in die neuen Baugebiete tut diese Wasserversorgung ihren Dienst.

In der Zwischenzeit vergrößerte sich das Versorgungsgebiet des kommunalen Zweckverbandes Holzhausen enorm. Für das Marktgebiet Teisendorf steht 1972 eine unbedingt notwendige Erweiterung an und der Marktgemeinderat beschließt, die Versorgung an den Zweckverband zu übergeben.


Heute versorgt der „Zweckverband zur Wasserversorgung der Surgruppe“ die Gemeindegebiete von Teisendorf, Saaldorf/Surheim, Anger, Surberg, Wonneberg und Teile der Gebiete von Waging am See, Petting, Ainring, Piding, Siegsdorf und Traunstein mit sauberem, gesundem Trinkwasser.

  • Zwei Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu frischem Trinkwasser
  • In naher Zukunft wird sauberes, frisches Trinkwasser zum wertvollsten Gut der Menschheit
  • Um den Zugang zu sauberem und frischem Trinkwasser werden Kriege geführt werden

Eure Rosi

Bilder: Archiv Fürmann und RoHa-Fotothek Fürmann

Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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