Sepp Lenz: Der Messer Sepp
Menschen

Eine scharfe Sache – Wie der Berchtesgadener Messer-Sepp sein Handwerk zelebriert


Seit vier Jahren produziert Josef Lenz in Berchtesgaden handgemachte Messer. Er liebt es, regionale Materialien zu verwenden und ist stolz auf die Modellserien, die er selbst entworfen hat.

Josef Lenz geht mit seinen Handwerkershorts unter denen große Tattoos hervorspitzen, dem karierten Holzfällerhemd und dem Käppi, angestaubt von Schleifpartikeln, als waschechter Arbeiter durch. Er sitzt mit verschränkten Armen an einem Tisch mit uralter Holzplatte auf seiner Terrasse.

Die Wiesen stehen hoch, der Himmel ist blau, hinten spitzt der Hochkalter über die Wipfel der Bäume. Auf dem Tisch liegen unzählige Messer in Lederscheiden parat – ganz kurze Runde und etwas längere Spitze, mit Holz- und mit Horngriffen, mit gelben, blauen, grünen Nieten. Sepp macht alles selbst und mit Hand – vom Messer über die Lederscheide bis zum geknüpften Seil zur Aufhängung. „Ich liebe meinen Beruf“ schwärmt der Heizungsbauer „aber wenn ich nochmal lernen könnte, würde ich wohl die Ausbildung zum Schlosser zumindest als Zweitlehre machen.“ Vor vier Jahren hat er seine ersten Versuche gemacht, Messer selbst herzustellen. Viel Experimentieren sei es gewesen. Manche Fehler mache man nur einmal, lacht Sepp und erzählt, wie er anfangs zu faul war, bereits vor dem Härten des Stahls die Löcher für die Niet in die Angel der Scheide zu bohren. „Da habe ich dann mal sechs Bohrköpfe verbraucht und hatte immer noch kein brauchbares Loch, um den Griff befestigen zu können.“

Vor zwei Jahren hat er ein Gewerbe im Nebenerwerb angemeldet. Seitdem ist er der „Messer-Sepp“, mit eigenem Logo und noch mehr Elan. Seine Kunden sind Jäger und Fischer, aber auch Hausfrauen und Köche, die sich ein besonderes Messer für ihre Küchen wünschen oder Berchtesgadener, die eins für die Lederhose brauchen. Viele kaufen seine Messer, wie er sie im Mietfachladen „Kastlfieber“ in Bischofswiesen-Strub ausstellt. Da gibt es dann die „Wilde Maus“, das „Teutates“, die „Hexe“, das „Rumpelstilzchen“ oder ganz einfach „The Sepp“. Viele Kunden haben aber auch ihre ganz eigenen Vorstellungen. „Ich kann das verstehen,“ sagt Sepp. „Es ist doch einfach schön, wenn ich weiß, dass der Griff von meinem Messer aus dem Zwetschgenbaum gemacht ist, den ich nach 30 Jahren aus meinem Obstgarten schneiden musste.“ Für seine Messergriffe verwendet er generell gern heimische Hölzer und ist stolz darauf ein handgemachtes, regionales Produkt herzustellen. Mit einem lokalen Schlosser seinen eigenen Stahl zu kreieren – das wäre einer seiner Zukunftsträume.

Acryl, verpresster Jutestoff, stabilisierte, gestockte Buche, Sandvik-Stahl. Den richtigen Faden zum Ledernähen finden, genügend Rockwell-Härtegrad erreichen, die exakt passende Temperatur in der Esse herstellen. Schnell wird klar, dass erstens das Messermachen eine Wissenschaft für sich ist und zweitens Sepp sich so richtig gut auskennt. „Ich komm‘ da schon lange nicht mehr mit!“ schmunzelt Ehefrau Simone mit einem leicht provozierenden Seitenblick auf ihren Mann. Dabei sieht sie aber doch sehr stolz aus. Sie müsse schon einiges aushalten, sagt er. Wenn die Messer stundenlang den Backofen in der Familienküche zum anlassen blockieren oder wenn Sepp auch am Samstag fast den ganzen Tag in der Werkstatt verschwindet. „Es ist mein absolutes Hobby und dafür geht schon viel Zeit drauf“, seufzt er.

In der großen Halle seines Arbeitsgebers, der Firma Schertler in Marktschellenberg, hat sich Sepp eine Werkstatt einrichten dürfen. Die Sonne versucht sich einen Weg durch die angestaubten Fenster zu bahnen, es riecht nach Schleifpapier und Handwaschpaste, die Esse glüht orange-rot und heizt kräftig ein. Sepp ist mit voller Konzentration dabei. Durch den professionellen Atemschutz ist seine Stimme ganz gedämpft, wenn er uns die einzelnen Arbeitsschritte der Messerproduktion erklärt. Er malt die grobe Form mit einer Schablone auf den Stahl.

In der Werkstatt vom Messer Sepp

Beim Ausschneiden und Schärfen fliegen die Funken in breiten Fontänen. Dann werden die Löcher in die Angel gebohrt. Und endlich legt Sepp den Messerrohling in die glühende Esse und lässt den Stahl orange-rot glühen, bevor der Rohling in einem Ölgemisch ausgekühlt wird.

Die Leidenschaft für Messer hat er von seinem Vater. „Er hat mich schon als ganz Kleiner Messer tragen lassen. Das darf man heute gar nicht erzählen.“ schmunzelt der Messer-Sepp. Dadurch ist nicht nur die Begeisterung gewachsen, sondern auch der Respekt: „Ich mache keine Messer, mit denen man jemanden weh tun kann. Meine Messer sind Werkzeuge.“ Am Liebsten sieht er es, wenn seine Minimesser, wie das „Zwergerl 2.0“, dazu genutzt werden, bei der Brotzeit am Berg für die Kinder einen Apfel aufzuschneiden.

Das erinnert mich daran, wie vorhin beim Sepp zu Hause die zwei blonden Söhne vom Trampolin hinterm Haus gelaufen kamen. Einer nach dem anderen hält dem Vater brav den Holzstab vom Steckerleis hin, der in der Hemdbrusttasche verschwindet. „Die sammle ich zum Kleber mischen, für die Lederarbeit“, erklärt der Sepp lächelnd. Und so wird wohl die Leidenschaft für das Messermachen bereits bei der nächsten Generation angekommen sein.

Ich bin hier aufgewachsen und nach vielen Jahren im außereuropäischen Ausland fast reumütig zurückgekehrt: So schön und spannend es in der großen weiten Welt da draußen auch ist – dahoam in Berchtesgaden ist‘s doch einfach am schönsten! 2014 habe ich angefangen im Tourismus in Berchtesgaden zu arbeiten. Seit Januar 2021 leite ich das Team Kommunikation und Vermarktung im Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden. Meine kleine Tochter trat 2016 in mein Leben. Mit ihr bin ich viel in den Bergen unterwegs. Sport und Bewegung ist für Kinder so wichtig! Wir beide lieben die Natur und ihr Schutz liegt uns sehr am Herzen. Mit der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt, besonders im Nationalpark Berchtesgaden, gibt es auf unseren Touren jedes Mal aufs Neue unvergessliche Erlebnisse. Schreiben tu ich für mein Leben gern und so freue ich mich, die werten Leserinnen und Leser des Berchtesgaden Blogs zukünftig mit Portraits von besonderen Menschen, Berichten von unseren Wanderungen und kindlichen Gedanken zum Leben in den Berchtesgadener Bergen unterhalten zu dürfen!

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