Menschen

Er suchte nicht das Paradies, sondern ein menschenwürdiges Leben

und „findet“ in Teisendorf den Sport


Filimon Abraham – ich durfte ihn 2014 kennenlernen. Er kam im Alter von 22 Jahren mit einer Gruppe von Freunden und Bekannten aus dem korrupt regierten Eritrea (Ost-Afrika). Nach einer fast 8-monatigen absolut abenteuerlichen Flucht bis zum Mittelmeer und der Überfahrt mit einem Boot kam er am 11. April 2014 an der Italienischen Küste an. Nach verschiedenen Anlaufstellen in Deutschland landet er am 20. Mai 2014 in Teisendorf. „Ein Glücksfall“ – wie er es bezeichnet. Und hier durfte ich ihn kennenlernen.


Seine Geschichte in Teisendorf nimmt seinen Lauf – sprichwörtlich „Lauf“. Denn: Hans Schwarz – ein passionierter Teisendorfer Sportler – trifft Filimon mit der Gruppe von Flüchtlingen in der Nähe des Bahnhofs „Herumirren“. Er hilft ihnen – denn er hilft immer wo er kann – ihre ihnen für die nächste Zeit zugewiesene Unterkunft zu finden und zu beziehen. Hans erkennt schnell das läuferische Talent der Geflüchteten und die Abteilung Leichtathletik des TSV-Teisendorf freut sich über die NEUEN Läufer auf dem Sportplatz. „eine Tartanbahn“ – schwärmen sie; zu Hause in Eritrea eine absolute Rarität.


Den ersten Wettkampf bestreitet Filimon dann beim Stadtlauf in Traunreut.  Er spricht kaum Deutsch, kann das Wort Ziel nicht lesen, hält sich bei der Strecke an den Führenden und erreicht so NUR den zweiten Platz.

Inzwischen gilt Filimon – dessen großes läuferisches Talent 2014 schon die Teisendorfer erkannten und nach Möglichkeit förderten – als ein außergewöhnlich starker 10 000-Meter Läufer und er qualifizierte sich für die Europameisterschaften 2022 in München.

Vor kurzem durfte ich eine speziell auf die 50-Jahre in seiner Nachhaltigkeit einmaligen Olympiagelände in München aufgebaute Führung miterleben und fühlte mich zurückversetzt in die unbeschwerten und fröhlichen Tage, die ich als Jugendliche mit meiner Schwester während der Spiele 1972 in und um die verschiedenen Sportstätten persönlich mit all den Emotionen erleben durfte. Auf das Autogrammheftchen von damals bin ich mächtig stolz.


Ich freue mich wahnsinnig, am Sonntag, 21. August um 20 Uhr nun den sportlichen Höhepunkt von Filimon im 10000-Meter-Lauf daumendrückend – diesmal leider zu Hause am Fernsehapparat und nicht im Stadion auf den Rängen – miterleben zu dürfen.

Eure Rosi
alle Bilder roha-fotothek Fürmann

Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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