St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Sepp Wurm

Funtensee Wanderung

 von Sepp
Der Funtensee

Der Funtensee

Am Sonntag haben wir einen der absoluten Bergtouren Klassiker in den Berchtesgadener Alpen gemacht: Vom Königssee sind wir über die Saugasse zum Funtensee aufgestiegen. Ein Schiff der Königssee-Flotte bringt uns nach Sankt Bartholomä, wo die eigentliche Bergtour beginnt. Am Ufer des Sees folgen wir dem Wanderweg, überqueren den trockenen Eisbach und erreichen den Weg zum Funtensee. Am steilen Westufer des Königsees führt der Weg zum Schrainbach-Wasserfall, und danach teilweise sehr steil in Serpentinen in den Kessel des Schrainbachs. Oberhalb der Klamm geht es flach weiter bis zur Schrainbach-Holzstube. Über die ehemalige Unterlahneralm erreichen wir den Einstieg zur berüchtigten Saugasse: In mehr als 30 Kehren überwindet der Steig hier eine steile, auf beiden Seiten von senkrecht aufragenden Felswänden begrenzte Rinne. 350 Höhenmeter gilt es in der Saugasse zu überwinden. Danach ist man aber noch lange nicht am Ziel. Bis zum Funtensee und dem Kärlingerhaus ist es noch ein ganzes Stück. Nach etwa 4 bis 5 Stunden Gehzeit ist man schließlich am Funtensee angelangt und freut sich auf ein kühles Getränk und eine Brotzeit auf der Terrasse des Kärlingerhauses oberhalb des Sees.

Der Funtensee ist zwar bekannt als der Ort, an dem die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur erreicht wurde, nämlich -45,9° Celsius an Weihnachten 2001, aber diese Temperaturextreme beruhen auf der Topographie des Sees. Er liegt nämlich im Boden eines Kessels, der von der tiefstehenden Wintersonne nur selten erreicht wird.

Der Funtensee und das Kärlingerhaus

Der Funtensee und das Kärlingerhaus

In den Sommermonaten ist der Funtensee ein sehr angenehmer Ort. Zum Baden ist er jetzt im Juni zwar noch sehr frisch – ich hab`s ausprobiert – aber ansonsten herrschen hier oben ganz normale Temperaturen.

Vom Funtensee solltet Ihr unbedingt den Feldkogel besteigen. Dieser kleine Berg ist der am leichtesten vom Kärlingerhaus zu erreichende Gipfel und bietet einen fantastischen Ausblick. Dazu geht Ihr vom Kärlingerhaus einfach am Funtensee entlang bis kurz hinter der sogenannten Teufelsmühle der beschilderte Weg zum Feldkogel abzweigt. Über die Wiesen führt dann der gut sichtbare Steig in einem leichten Linksbogen zur aufgegebenen Feldalm. Ein mittlerweile völlig verfallener Kaser zeugt von der früheren Almwirtschaft auf über 1.700 Metern Höhe.

Der verfallene Kaser auf der Feldalm

Der verfallene Kaser auf der Feldalm

Die Schafe der  im Steinernen Meer weideberechtigten österreichischen Bauern kommen hier her und beweiden die Almfläche. Besonders im Frühsommer, wenn das Karstgebiet des Steinernen Meeres noch zu wenig Futter bietet, machen sich die Tiere auf den Weg zur deutschen Seite des Gebirges, wo sie genügend Gras zum fressen finden. Ich sah am Montag eine kleine Herde von etwa 20 Schafen. In sanfter Steigung führt der Weg schließlich auf den Gipfel des Feldkogel. Von hier hat man einen der wohl schönsten Blicke auf den Königssee.

Feldkogel Gipfelkreuz

Feldkogel Gipfelkreuz

Die Tour zum Feldkogel dauert vom Kärlingerhaus nicht einmal eine Stunde. Und nicht nur der Ausblick auf Watzmann und Königssee lohnt sich, auch am Boden neben dem Weg findet man allerhand interessantes. Viele Alpenblumen, die in den tieferen Lagen schon verblüht sind, stehen hier noch in voller Blüte, zum Beispiel der Enzian. Sowohl der große Blaue Enzian, die sogenannten „Tuschen„, als auch die kleinen „Schusternagein„. Und ganz besonders schön blüht zur Zeit der Almrausch am Feldkogel.

Almrausch am Feldkogel

Almrausch am Feldkogel

Also, wenn Ihr die Zeit habt, dann nutzt sie. Der Ausblick vom Gipfel auf den Watzmanngrat im Nord-Westen und den Königssee unterhalb ist wirklich unbeschreiblich schön.

Als Tageswanderung ist der Funtensee ein sehr ambitioniertes Ziel: Für den kürzesten Anstieg, nämlich den über die Saugasse, muss man 4 bis 5 Stunden einkalkulieren. Wenn Ihr am selben Tag wieder runterwollt, kann das ganz schön knapp werden. Denn von Sankt Bartholomä seid Ihr auf die Schiffe der Königssee-Flotte angewiesen. Vom 28. Juni bis zum 15. September fährt das letzte Schiff um 18:30 Uhr von Bartholomä zurück. Natürlich führen auch andere Wege vom Funtensee ins Tal zurück, die sind aber allesamt noch länger. Deshalb: Nutzt das Kärlingerhaus und verbringt die Nacht hier oben. Neben den Matratzenlagern mit einer Kapazität von 6 bis 44 Personen pro Raum, gibt es im Kärlingerhaus 10 Zimmerlager mit jeweils zwei Stockbetten.

Das Kärlingerhaus oberhalb des Funtensees

Das Kärlingerhaus oberhalb des Funtensees

Dann könnt Ihr am nächsten Tag ganz gemütlich wieder ins Tal wandern. Und wann hat man schon diesen Ausblick aus seinem Schlafzimmerfenster?

Blick aus dem Fenster

Blick aus dem Fenster

Oder Ihr geht noch weiter und macht eine Mehrtages-Hüttentour, die Hütten rund um den Königssee und im Steinernen Meer machen viele Varianten möglich.

Euer Sepp

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