Schlackenhaus im Bayerischen Rupertiwinkel
Kultur

Die Schlackenhäuser im Rupertiwinkel

Schlackenhaus in Freidling, Teisendorf im Bayerischen Rupertiwinkel
Typisch für den Rupertiwinkel: Schlackenhaus in Freidling, Teisendorf

Wer schon mal im Rupertiwinkel im  Norden des Berchtesgadener Landes unterwegs war, hat sie bestimmt schon gesehen: Die mit schwarzen Steinen gesprenkelten Fassaden der imposanten Schlackenhäuser! Tatsächlich handelt es sich bei den schwarzen Sprenkeln in der Mauer nicht um herkömmliche Steine, sondern um erkaltete und erstarrte Schlacke aus der Eisenerzverhüttung im Rupertiwinkel.

Bis 1925 wurde Eisenerz aus dem Teisenberg abgebaut und vor Ort verhüttet, das Bergbaumuseum Achthal in Teisendorf zeugt noch heute von der Geschichte dieser Schwerindustrie im Bayerischen Voralpenland. Da das Gestein aus dem Inneren des Teisenberges nur einen Eisenanteil von maximal 25 Prozent enthielt, fiel bei der Verhüttung entsprechend viel Schlacke an. Diese wurde mit Wasser abgekühlt und erstarrte zu schwarzen Steinen. Da diese Steine ein guter Wärmespeicher und zudem noch relativ leicht sind, lag es nahe, sie als Baustoff zu verwenden. Ihre Hochphase erlebte die Schlacken-Bauweise in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg: Der Bedarf an Baumaterialien war hoch und die erkaltete Schlacke war günstig. Trotz dieses zweiten wirtschaftlichen Standbeins wurde der Bergbau im Teisenberg sowie die Verhüttung im Achtahler Hochofen zunehmend unrentabel und 1925 schließlich eingestellt.

Bauernhaus in Piding-Urwies © Roha-Fotothek
Bauernhaus aus Schlackesteinen in Piding-Urwies © Roha-Fotothek

Einige der Schlackenhäuser sind nach 1945 verputzt worden, so gibt es heute nur noch wenige sichtbare Überbleibsel dieser fast vergessenen Industriegeschichte in Bayern!  Wenn Ihr also mal im Rupertiwinkel unterwegs seid, sei es mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto, haltet die Augen offen!

Euer Sepp

Mein Name ist Sepp Wurm und ich bin seit Sommer 2010 bei der Berchtesgadener Land Tourismus. Als Social Media Enthusiast kümmere ich mich neben diversen anderen Kanälen auch um das BerchtesgadenerLandBlog. Schwerpunkt meiner Blogbeiträge sind Berichte über meine Wanderungen und Bergtouren im Sommer, sowie über Skitouren im Winter. Meine Leidenschaft für die Berge bringe ich gerne in unseren Blog mit ein. Als waschechter Ramsauer „Bergbauernbua“ liegen mir zudem unsere Heimat und ihre Traditionen und Bräuche natürlich besonders am Herzen. Ich hoffe, diese Liebe zu unserem schönen Berchtesgadener Land spiegelt sich auch in meinen Blogbeiträgen wider.

3 Kommentare

  • Annette

    Ein toller Artikel, steht auf unserer To-Do-Liste für August. Toller Tipp um interessante Dinge zu entdecken. Danke 😀

    • Conny,

      >
      Diese Häuser sind Zeitzeugen und passen super in diese ansich schönen Landschaft.Werde sie mal im Sommer genauer anschauen.

  • Sissy Lang

    Auch wir besitzen ein solches Bauernhaus, erbaut im Jahre 1846, und sind stolz darauf. Ein Haus in unserer Nachbarschaft wurde auch verputzt und ist darum feucht. Mein Vater sagte immer: Verputzt das Haus ja nie, da der Naturstein atmen muß, und er hatte recht. Die Steine halten im Winter warm und im Sommer ist es angenehm kühl.

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