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Dahoam zur großen Meisterschaft?

Er ist eines der drei Gesichter der Special Olympics Deutschland. Paul Wembacher, 48 Jahre, ein waschechter Berchtesgadener und begeisterter Stockschütze. Gemeinsam mit den Skifahrerinnen Sandrine Springer und Hilde Gerg steht er für die großartige Idee des bunten und anspruchsvollen Sportevents.

Ich habe ihn beim Training in Feldkirchen – Ainring im Rupertiwinkel besucht. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Hans, Markus, Markus und Holger bereitet er sich dort auf die Special Olympics Deutschland vor. Trainiert werden die Berchtesgadener Stockschützen von Mitgliedern des EC Feldkirchen in Ainring. Regelmäßig nach der Arbeit in der Behindertenwerkstätte Piding, wo Paul in der Schreinerei beschäftigt ist, geht es in die Profi-Stockhalle zu Josef Kluba und seinen Mannschaftskollegen.

Deren Knowhow ist für Pauls Team enorm wertvoll – und die Herren des EC Feldkirchen nehmen sich verdammt viel Zeit fürs gemeinsame Training. Denn auch für die Sportler der Special Olympics gilt: Übung macht den Meister. Und Meister wollen sie nächste Woche gemeinsam werden.

Wird die Sportart auch von einigen belächelt, weil weder Schnelligkeit noch Ausdauer eine hervorstechende Rolle spielen, so fordert sie äußerste Konzentration und Feingefühl. Außerdem ist sie wirklich spannend. Mannschaften mit drei oder vier SpielerInnen treten gegeneinander an und versuchen, ihre Stöcke möglichst nah an der Daube – in Bayern gern auch Haserl genannt – zu platzieren. Allerdings kann bei jedem Schuss nicht nur das Ziel selbst anvisiert werden, sondern auch durch die Verschiebung anderer Stöcke, der eigenen oder der gegnerischen Mannschaft, kann blitzschnell die Spielsituation komplett gedreht werden. Starke Gefühlschwankungen sind also vorprogrammiert. Gut, dass Paul Wembacher gelassen und mit dem nötigen Selbstbewusstsein in den Wettkampf geht. „I bin a Profi“, meint er. Wohl auch deshalb, weil er den Sport sehr ernst nimmt und gleichzeitig seine Ruhephasen konsequent auskostet. Sei es der tägliche Spaziergang vom Wohnhaus der Lebenshilfe entlang der Berchtesgadener Ache in sein Lieblingscafé oder die vorabendliche Serie „Dahoam is dahoam“.

Paul Wembacher freut sich, dass es jetzt bald losgeht. Seine große Familie wird ihn sicher an der Stockbahn anfeuern, wenn die ersten Klassifizierungswettbewerbe am Dienstag, den 3. März, beginnen. Auch ich werde dann die Daumen drücken, dass Markus, Markus, Holger, Hans und Paul es jeden Tag weiter schaffen und sie am Donnerstagvormittag im Finale stehen. Mit Trainer Josef Kluba an ihrer Seite, der selbstverständlich mit den anderen Mitstreitern des EC Feldkirchen nach Berchtesgaden kommen wird, um seinen Schützlingen Ansporn, taktische Tipps und vor allem ein gutes Gefühl zu geben.

Übrigens: Für das gute Gefühl können wir alle miteinander sorgen. Für alle SportlerInnen, die an den Special Olympics antreten werden. Hier findet Ihr den kompletten Zeitplan der Spiele. Jeder einzelne Zuschauer, jede geschwenkte Fahne, jeder Jubelschrei aus dem Publikum treibt die AthletInnen zu Bestleistungen an. Seid’s dabei?

Eure Ursula

Teil 2 beim Jobsharing der Pressestelle. Ich verstehe mich als berchtesgadnerische Königsseerin – oder umgekehrt. Im Berchtesgadener Land entdecke ich immer wieder Neues oder genieße Altbekanntes. Egal ob in einer zünftigen Wirtschaft, oben am Berg, an einem eiskalten Gebirgsbacherl oder bei kulturellen Experimenten. Und alles, was ich kenne und schätze, das vermittle ich mit Enthusiasmus an Journalisten und andere, die es hören oder lesen wollen. Bis auf ein paar wenige echte Geheimtipps :)

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