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Häuser aus Schlackestein gebaut

Typischer Baustil im Rupertiwinkel

Auf Fahrt durch den Rupertiwinkel fallen immer wieder Häuser auf – meist Bauernhöfe – mit Gemäuer aus dunklem bis schwarzem Stein. Dieser Stein gibt den Bauwerken ein besonderes, nicht alltägliches Aussehen. Kommt dann über die Sommermonate noch der häufig gepflegte, für den Rupertiwinkel typische Blumenschmuck an den Häusern dazu, ergibt sich eine wahrlich einmalig schöne Komposition an Baustil und Lebensart.

Woher kommt dieser so besondere Stein und wieso findet er besonders im Rupertiwinkel Verwendung? Dafür lohnt sich ein Blick zurück in die Geschichte so um rund 150 Jahre. Damals stand die Eisenerzgewinnung aus dem Teisenberg in Achthal in der Gemeinde Teisendorf in voller Blüte: Der Teisenberg – er bildete seit dem Erhartinger Schiedsspruch 1275 die Grenze zwischen Bayern und Salzburg und bildet heute die Grenze zwischen Chiemgau und Rupertiwinkel – in seinen nördlichen Ausläufern lagern enorme Eisenvorkommen. Dort baute man nachweislich ab dem 11. Jh. Eisenerze ab, verhüttete an Ort und Stelle und gründete 1537 unter dem Salzburger Erzbischof Matthäus Lang die Eisengewerkschaft Achthal. Der Preisverfall aber beendete 1925 wegen zu geringer Rentabilität den Abbau in der Gegend rund um Neukirchen und die Verhüttung in Achthal.

Bei der Eisengewinnung fallen je nach Güte des Erzes gewisse Mengen an Schlacke ab. Erkaltet diese nach dem verhütten, bilden sich mit Löchern durchzogene, schwarze Brocken – der Schlackestein. Sein geringes Gewicht, die leichte Bearbeitbarkeit und vor allem auch die nicht zu unterschätzende Wärmedämmung durch die „Löcher“ machten in zu einem beliebten Baustoff in der Region des Rupertiwinkels.

Dem vergleichsweise mit rund 25% geringem Gehalt an Erz und damit dem in großen Mengen anfallenden Schlackestein „verdankt“ der Rupertiwinkel besonders in der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg diese Bauweise.

Das später in Mode gekommene Verputzen der Häuser verdeckt heute oftmals das Gemäuer – errichtet mit Schlackestein aus dem Achthal.

Land und Leute, Baukultur und Brauchtum: Der Rupertiwinkel schickt micht in seiner Vielfalt immer wieder auf die Suche …

Eure Rosi

Bilder: RoHa-Fotothek Fürmann

Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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