Sonnenuntergang-Kehlsteinhaus

Bergerlebnis & Alpenstadt - Blog

Ursula

Gemeinsam unterwegs am Untersberg

 von Ursula

Übermorgen (sowie am 8./9. und am 22./23. August) begleitet Eddy Balduin wieder bergaffine Gäste auf unbekannten Wegen hinauf auf den Untersberg. Ich war beim letzten Mal dabei.

Vor 10 Tagen traf sich am Bahnhof Berchtesgaden eine interessante Mischung an Wanderern:  Drei Bergfreaks aus vom Nieder-Rhein, die einige Tage zuvor noch die 24-Stunden-Trophy absolviert hatten, eine reiseerfahrene Reichenhallerin, die neue Wege rund um ihre Wahlheimat kennen lernen wollte, ein liebenswert-kauziger Wanderfreund mit fast unstillbarem Bewegungsdrang und ich, die Lust und gerade Zeit hatte, das hauseigene Wanderprogramm für Urlauber in der Praxis zu testen.

Berg(wander)führer Eddy, der inzwischen im 17. Jahr Gäste in die Berge rund um Berchtesgaden begleitet, hat sich für diesen Sommer mal wieder eine ungewöhnliche und ausgesprochen gehenswerte Tour ausgedacht: Von Groß Gmain über Hirschangerkopf und Mitterberg hinauf zum Untersberg. Und am nächsten Tag über Scheibenkaser und Almbachklamm wieder zurück ins Tal. So viel sei schon einmal verraten: ein wirklicher Höhepunkt im diesjährigen Wanderprogramm!

Ganz entspannt beginnt die Tour im öffentlichen Linienbus, der uns mitnimmt zum Hallthurm. Nach etwa 20 min. auf dem Rad- und Wanderweg Richtung Groß Gmain starten wir den Anstieg über einen herrlichen Waldweg hinauf Richtung Hirschangerkopf. Ab und zu nieselt es leicht, was die verschiedenen Grüntöne des Waldes besonders intensiv leuchten lässt.

Zwischendurch geht es  wirklich knackig bergauf.

Eine erste Verschnaufpause gönnen wir uns oben an der Vierkaseralm.  Aufs Bankerl setzen wir uns heute aber nicht.

Von hier geht es nun stetig bergauf und bergab über das mit 110 km² größte zusammenhängende Latschenkiefernvorkommen in Europa. Ein eigenartiges Terrain, durchzogen von unzähligen Dolinen (eingefallen kleine Höhlen). Bei dichtem Nebel möchte ich hier nicht allein unterwegs sein.

Zur Ablenkung lässt Eddy ein kleines Trittraining einfließen. Denn während einige von uns tunlichst die leicht nassen Kalksteine meiden, sind gerade diese mit den Sohlen guter Bergschuhe besonders rutschfest. Der Selbstversuch bestätigt Eddys Tipp.

Und eines ist auch klar: auch wenn der Himmel mal grau ist, ist den Bergen gibt es immer wieder leuchtende Farbflecken.

Nach gut fünf Stunden haben wir den Weg der klassischen Untersbergüberschreitung erreicht. Den Hochthron lassen wir erstmal links liegen, da noch immer keine Sicht ins Tal möglich ist. Aber Eddy zeigt uns, welchen Weg wir hinter uns gebracht haben. Ganz rechts, weit drüben sehen wir die Erhebung des Hirschangerkopfs.

Angekommen am Stöhrhaus freuen wir uns über die warme Gaststube und herrliche Ruhe. An einem Tag wie heute sind so gut wie keine Tageswanderer unterwegs. (Übernachtungsgäste sind es hier unter der Woche meistens wenige.) Erstmal ein leckerer Kuchen und ein heißer Tee! Wir richten uns im Lager ein und stellen unsere Bergschuhe an den Kachelofen.

Wohltuend empfinde ich auch das übersichtliche Speisenangebot im Stöhrhaus. Hier wird wirklich gute Hüttenkost serviert – zum Abendessen Kaspressknödel als Suppe oder mit Kraut, Kaiserschmarrn oder Gulaschsuppe, ein ordentliches Frühstück mit Müsli, selbstgemachten Marmeladen und regionalem Käse.

Der sensationelle Sonnenuntergang, den ich im letzten Jahr auf dem Stöhrhaus erleben durfte, bleibt uns diesmal vorenthalten. Dichte Wolken waberen um die Hütte und machen uns wenig Lust, die wohlig-warme Stube noch einmal zu verlassen. Bis zur Hüttenruhe um 10 Uhr genießen wir die Zeit mit fröhlichem Ratschen, lernen uns besser kennen, trinken Rotwein und versuchen den Wirt davon zu überzeugen, den ausgezeichneten Funtensee-Enzian nicht im Kühlschrank aufzubewahren, um das Aroma dieses geschmeidigen Tropfens zu schützen.

Am nächsten Morgen wecke uns Eddy bereits um halb fünf. Kaum gekämmt, ausgerüstet mit einer warmen Wolldecke aus der Hütte (die extra für diesen Zweck bereit lagen), machen wir uns auf zum Berchtesgadener Hochthron. Und warten auf den Tagesanbruch.

Liegt unter uns auch eine Wolkendecke, so wirbelt diese der frische Morgenwind doch langsam, aber sicher auseinander. Und pünktlich um 5 Uhr 27 beginnt sich die Sonne über den Horizont zu schieben. Die leisen Gespräche verstummen und jede/r genießt für sich das herrliche Naturschauspiel des Sonnenaufgangs.

Herrlich glitzeren die dicken Regentropfen der vergangenen Nacht an Blüten und Gräsern.

Das Gipfelkreuz des Berchtesgadener Hochthrons vor der ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages. Ideal natürlich auch, um gegenseitig Erinnerungsfotos zu schießen.

Ein Blick zurück zum Stöhrhaus, dessen Anblick sich bald ändern wird. Ein Um- und Ausbau steht kurz bevor.

Nach dem Frühstück brechen wir zum Abstieg auf. Nach wenigen Minuten mein persönliches Highlight der beiden Tage: Ganz dicht über uns schraubt sich ein Gänsegeier langsam in der Thermik Richtung Horizont.

Bevor wir den Steig hinüber zum Scheibenkaser erreichen, genießen wir noch einmal Stimmung unter den Felswändern, die durch die Wolkenfetzen besonders mächtig erscheinen.

Dass auf dem Steig auch halbwüchsige Rinder zur Zehenkaseralm gelangen, ist kaum vorstellbar.

Ab dem Scheibenkaser geht es dann zügig bergab. Da unser Ziel deutlich tiefer liegt als der Ausgangspunkt der Tour, heißt es gegen Ende Zähne zusammenbeißen. Allerdings führt uns der Weg in der letzten Stunde durch die Almbachklamm, deren klares Gebirgswasser in den geschmeidig ausgewaschenen Gumpen und sprudelnden Kaskaden begeistert und ablenkt.

Unten im Gasthaus Kugelmühle bleibt Zeit für ein kühles Radler, bevor wir den Bus erwischen müssen. Übrigens: Die Kombination der Tour mit öffentlichen Bussen ist sehr entspannt. Der Start/Zielort am Bahnhof Berchtesgaden ist dabei ein idealer Knotenpunkt. Gerade wir Einheimischen tendieren ja dazu, alles mit dem Auto erreichen zu wollen. Dabei entgehen uns so vielleicht lohnenswerte Routen wie diese.

Mein persönliches Fazit: Die Wanderung in einer kleinen, mir zuvor unbekannten Gruppe, war eine neue Erfahrung für mich. Ich habe mich sehr wohlgefühlt mit meinen zufälligen BegleiterInnen, bin einen Weg gegangen, den ich allein wohl nie ausgewählt hätte, den ich aber jetzt gerne weiterempfehle. Eddy war wie ich ihn kenne: bestens aufgelegt und aufmerksam gegenüber jeder/m einzelnen in der Gruppe. Jede Blume am Weg konnte er benennen, sogar über die Geier am Untersberg hatte er spannende Hintergrundinformationen recherchiert.

Es war mir eine Freude, dabei zu sein! Ich kann Euch nur ermutigen: Probiert es aus, wahrscheinlich gehört auch Ihr anschließend zum treuen Eddy-Fanclub.

Anmeldung ganz einfach telefonisch jeweils bis zum Vortag 17 Uhr unter 08652-6565070 oder 0171-6110115. Eddys Begleitung ist kostenfrei, zu zahlen sind allein die Übernachtung und Verpflegung auf der Hütte.

Eure Ursula BGLT

Danke an Alex und Eddy, die mir einige ihrer Bilder für diesen Blogbeitrag zur Verfügung gestellt haben

2 Kommentare

26. Juli 2018um13:33 von Maria

Es gehen nicht nur halbwüchsige Kühe vom Scheibenkaser zum zehnkaser sondern auch ausgewachsene Kühe.

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26. Juli 2018um13:36 von Sepp

Danke Maria für den Hinweis!

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