Kultur

Ein kleines Dorf im Ausnahmezustand

Das Pfingstfest in Holzhausen mit dem traditionellen Leonhardiritt

Alljährlich zu Pfingsten – das kleine, beschauliche Bauerndorf Holzhausen in der Gemeinde Teisendorf im Berchtesgadener Rupertiwinkel lebt im Ausnahmezustand. Es gilt das Pfingstfest Holzhausen mit dem Höhepunkt – dem Leonhardiritt – zu organisieren.

Motivwagen beim Leonhardiritt Mitte bis Ende der 1950er Jahre (Archivbild)

Bis 1971 lief es beim schon vor mehr als 400 Jahren erwähnten Leonhardiritt beschaulich ab. Die Reiter kamen aus der ganzen Umgebung zur Pferdesegnung nach Holzhausen zum Heiligen Leonhard. Das Pferd als Arbeitstier war unentbehrlich und man vertraute auf den am Leonhardikircherl erhaltenen Segen. Und eine feste Gewohnheit dabei das anschließende „Einkehren beim Wirt z‘Hoizhausen“.

Vor dem Bierzelt in Holzhausen – Archivbild 2008

Ab 1972 stand wegen Umbauarbeiten der Saal des Wirtshauses für die vielen Gäste nicht mehr zur Verfügung. „Guter Rat war teuer“, wollte man doch diese Tradition des Einkehrens nicht missen und die „Holzhauser Buam“ entschlossen sich in einer Blitzaktion, mit einem damals drei Tage dauernden Bierzelt Abhilfe zu schaffen. „Ein voller Erfolg“ – wie mir der heute noch immer tatkräftig mithelfende Hans Grabner sen. erzählt. Ruhig schenkt er bei unserem Gespräch Maß um Maß ein. Und mein erster Versuch, das Bier vom Fass in den Krug zu bringen? Ich scheitere zuerst kläglich mit mehr Schaum als Bier im Krug und erst nach einiger Zeit der Einweisung klappt es auch bei mir.

„Auf ein gutes Gelingen“ 2019

In den mehr als 40 Jahren wurden aus dem vorerst drei Tagen Bierzelt inzwischen mehr als eine Woche Pfingstfest und die Gründer von damals übergeben nach und nach in „jüngere Hände“. Die Beliebtheit dieser Pfingstwoche bleibt bei Einheimischen und Gästen bis heute ungebrochen. „Wir buchen immer zu Pfingsten unseren Urlaub im Rupertiwinkel! Das lassen wir uns doch nicht entgehen!“ … schwärmt eine Urlauberfamilie.

Legendär dabei: die Hendl. Sie sind einfach die Besten… Das Geheimnis der Zubereitung wird mir leider nicht verraten – oder ist es einfach das unbeschreibliche „Pfingstfest z’Hoizhausen“, das sie so gut schmecken lässt?

Nach wie vor der Höhepunkt der Pfingstwoche: der Leonhardiritt am Pfingstmontag. Die Leonhardigilde – der für den Ritt zuständige Verein – steckt viel Zeit und Energie in die Organisation und das aufwendige „Rittbitten“ (Einladen der umliegenden Reitervereine)  in den Wochen vor Pfingsten. Mehr als 300 festlich geschmückte Pferde – von Pony und Haflinger bis hin zu grazilen Warmblut- und mächtigen Kaltblutpferden und prächtige Pferdegespanne mit ihren kostbaren Geschirren folgen der Einladung. Ausschließlich auf eisenbereiften Wägen fahren die Motive des Kircherls von Holzhausen, der Heilige Leonhard, ein Wegkreuz und die Bauernheiligen Notburga und Isidor mit.  Die Musikkapellen der Umgebung und der Trachtenverein Teisendorf mit den Röckifrauen, den Kindern und aktiven Dirndl und Buam nehmen Platz auf den Festwägen.

die Standartenträgerin der Leonhardigilde Holzhausen

„Ergreifend schön“ – so Urlaubsgast Olaf, der neben mir die dem Umritt sich anschließende Heilige Messe mitfeiert. Im fiel auf, dass die Reiter den Hut abnahmen beim dem als Bitte und als Dank für ein unfallfreies und von Krankheiten verschontes Jahr von der Geistlichkeit gespendeten Segen.

Erzabt Korbinian Birnbacher von der Erzabtei St. Peter Salzburg zelebriert die Messe

Den Urlaubsgast begeistert die tiefe Ehrfurcht, mit der die vielen Gläubigen die Messe mitfeiern, die in diesem Jahr der in der Nachbargemeinde Anger beheimatete Erzabt der Erzabtei  St. Peter Salzburg Korbinian Birnbacher zelebriert. Und Olaf nimmt dankend mein Angebot an, mit mir vom Textblatt ablesend am Schluss der Messe aus voller Kehle das „Großer Gott wir loben dich“ und die Bayernhymne mitzusingen.

„Lasst uns – wie in Väterszeiten – am Pfingstmontag nach Holzhausen reiten. Der Segen Gottes ist Dir gewiss. Garant dafür St. Leonhard ist!“

Eure Rosi

alle Bilder Fürmann und Archiv Fürmann


Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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