Berge

Auf und abseits der Piste

Skitourengehen liegt im Trend. Früher waren es wenige Einheimische die im eher späten Winter auf Skiern die Berge bestiegen haben. Mittlerweile gibt es gefühlt mehr Tourengeher als Pistenfahrer. Und auch die Skitouren auf Pisten sind ein relativ neues Phänomen. Der Deutsche Alpenverein, der Nationalpark Berchtesgaden und die Liftbetreiber haben deshalb schon vor Jahren Konzepte erarbeitet für ein gutes Miteinander von Natur, Skibergsteigern und Skifahrern.

Natürlich auf Tour – Skibergsteigen umweltfreundlich

Als Reaktion auf Kletterverbote in den deutschen Mittelgebirgen Anfang der 1990er Jahr bildete der Deutsche Alpenverein 1994 die Projektgruppe Skibergsteigen umweltfreundlich. Schon damals zeichnete sich ein rapider Anstieg der Skitourengeher ab. Durch Lenkung und präventive Maßnahmen sollte eine Entwicklung wie bei den Kletterern verhindert werden. Seit 1995 sind das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, das Bayerischen Landesamt für Umwelt und lokale Interessengruppen am Projekt beteiligt. Es wurden Routenempfehlungen ausgearbeitet und Wald- und Wild Schongebiete ausgewiesen, die Wintersportler abseits der Pisten meiden sollen. 2015 startet der DAV die Kampagne Natürlich auf Tour, um Wintersportler für dieses Thema weiter zu sensibilisieren.

Verbote und Strafen gibt es nicht, das Projekt setzt auf die freiwillige Einsicht der Sportler. Tatsächlich sind die Aktivitäten im freien Gelände durch die ausgearbeiteten Routenführungen nicht wesentlich beeinträchtigt: Alle bayerischen Tourenberge bleiben weiterhin zugänglich. Auch in den Berchtesgadener Alpen gibt es diese Routenempfehlungen: Die klassischen Skitouren im Nationalpark Berchtesgaden, wie Kleine Reibn, Gugl, 3. Watzmann Kind oder Hochalm sind von diesen Schongebieten nur am Rande betroffen.

In der Alpenvereinskarte BY21 sind die entsprechenden Routen blau eingezeichnet, Wald-Wild Schongebiete sind als gelbe Fläche markiert. Seit der letzten Auflage der Karte sind auch Schneeschuhtouren in der Alpenvereinskarte eingezeichnet.

Alpenvereinskarte BY 21

 Eine Neuauflage der DAV Karten BY 21 Nationalpark Berchtesgaden | Watzmann und BY 22 Berchtesgaden | Untersberg ist gerade in Arbeit. Zusammen mit dem Nationalpark wurden die Schongebiete angepasst und werden in der Routenführung entsprechend berücksichtigt.

An den Startpunkten der Skitouren gibt es zudem entsprechende Hinweistafeln, die über die richtige Route informiert. Zum Beispiel am Hammerstiel und an der Wimbachbrücke für Touren ins Watzmanngebiet, oder auf der Kallbrunnalm für Skitouren aufs Seehorn.

Am Jenner, wo vom 7. bis 9 Februar der erste Weltcup im Skibergsteigen auf deutschem Boden, der Jennerstier, stattfindet, gibt es direkt neben der Piste große Wald-Wild Schongebiete. Hier beobachteten Mitarbeiter des Nationalparks während der Weihnachtsferien Skitourengeher, die in der Abfahrt Birkhühner aufscheuchten: Statt der ausgewiesenen Abfahrtsroute wählten Sie den Weg durch die Latschen.  Dabei gibt es zwei Korridore durch das Schongebiet: Eines beim Zick-Zack Weg von der Bergstation in Richtung Suklzbergkaser und weiter östlich der Graben in Richtung Schneibsteinhaus.

Das Projekt Natürlich auf Tour formuliert zudem noch ein paar allgemeine Regelungen für Skitouren- und Schneeschuhgeher

  • Die frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden meiden, denn in der Dämmerung sind die Tiere besonders aktiv.
  • Zum Schutz der Tiere auf den Hauptskirouten bleiben und Latschenbereiche und die lichten Waldbereiche an der Waldgrenze meiden. Hier sind die Rückzugsorte der Tiere.
  • Die Nacht ist Skibergsteiger tabu. Also auf “Stirnlampentouren” verzichten.
  • Hunde sollten an der Leine geführt werden, im Gebiet des Nationalparks herrscht ohnehin Leinenpflicht
  • Lärm soll vermieden werden

Skitouren auf Pisten

Immer beleibter in den letzten Jahren wurde das Skitourengehen auf den präparierten Pisten der Skigebiete. Die Berchtesgadener Skigebiete haben sich schon frühzeitig um diesen Trend gekümmert und entsprechende Angebote geschaffen. Es gibt ausgewiesene Aufstiegsspuren und Tage, an denen mit der Pistenpräparierung erst später begonnen wird, um auch Abend Skitouren zu ermöglichen.

Der Deutsche Alpenverein hat 10 Regeln und Tipps für Skitouren auf Pisten erarbeitet. Leider kommt es immer wieder zu Konflikten, da sich einzelne Pistentourengeher nicht an diese Regelungen halten.

  1. Aufstieg und Abfahrt erfolgen auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung.
  2. Nur am Pistenrand aufsteigen (FIS-Regel Nr. 7). Dabei hintereinander, nicht nebeneinander gehen. Auf den Skibetrieb achten.
  3. Besondere Vorsicht an Kuppen, in Engpassagen, Steilhängen und bei Vereisung der Piste. Bei Pistenquerung möglichst einzeln gehen bzw. Abstände zueinander halten. Keine Querung in unübersichtlichen Bereichen.
  4. Pistensperrungen, Warnhinweise und lokale Regelungen immer beachten.
  5. Bei Pistenarbeiten sind die Pisten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Insbesondere bei Einsatz von Seilwinden besteht Lebensgefahr.
  6. Frisch präparierte Skipisten nur in den Randbereichen befahren. Bei Dunkelheit stets mit eingeschalteter Stirnlampe gehen, reflektierende Kleidung tragen.
  7. Auf alpine Gefahren, insbesondere Lawinengefahr, achten. Keine Skitouren durchführen, wenn Lawinensprengungen zu erwarten sind. Nur geöffnete Pisten sind vor Lawinen gesichert.
  8. Skitouren nur bei genügend Schnee unternehmen. Schäden an der Pflanzen- und Bodendecke vermeiden.
  9. Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Bei Dämmerung und Dunkelheit werden Tiere empfindlich gestört. Hunde nicht auf Skipisten mitnehmen.
  10. Regelungen an den Parkplätzen beachten, Parkgebühren bezahlen, umweltfreundlich anreisen.

Bitte haltet Euch an diese Regelungen! Euer Sepp

Mein Name ist Sepp Wurm und ich bin seit Sommer 2010 bei der Berchtesgadener Land Tourismus. Als Social Media Enthusiast kümmere ich mich neben diversen anderen Kanälen auch um das BerchtesgadenerLandBlog. Schwerpunkt meiner Blogbeiträge sind Berichte über meine Wanderungen und Bergtouren im Sommer, sowie über Skitouren im Winter. Meine Leidenschaft für die Berge bringe ich gerne in unseren Blog mit ein. Als waschechter Ramsauer „Bergbauernbua“ liegen mir zudem unsere Heimat und ihre Traditionen und Bräuche natürlich besonders am Herzen. Ich hoffe, diese Liebe zu unserem schönen Berchtesgadener Land spiegelt sich auch in meinen Blogbeiträgen wider.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.