Berge

Kurze Überwindung, erholsamer Genuss

= Regenwandern. Glücklicherweise passt diese Anregung zeitlich gerade überhaupt nicht. Es soll ja endlich Sommer werden im Berchtesgadener Land. Da aber erstens (hoffentlich) immer auch wieder Regen fallen wird und zweitens diese Tour auch bei Sonnenschein wunderbar ist, erzähle ich Euch trotzdem von einer meiner Lieblingstouren bei Nieselregen. Nein, kein Geheimtipp, weil`s halt nicht nur mir dort so gut gefällt.

Am Anfang wird es erstmal ohrenbetäubend laut. Unter uns stürzen ungezähmte, durchaus fruchteinflößende Wassermassen durch den schmalen Spalt, den die Felsen freigegeben haben.

Mitgerissene Baumstämme haben sich an kleinen Vorsprüngen verkeilt, ragen unheimlich aus der brodelnden, weißen Gischt heraus.

Von allen Kanten über uns tröpfelt, sprudelt, rieselt es herunter. Und wer meinen letzten Blogbeitrag gelesen hat, weiß, was mich außerdem hier fasziniert: Das Grün. Denn bei Nässe wirkt es noch mal so schön, werden die vielen verschiedenen Farbnuancen von Farn, Blättern, Gräsern, Moosen wie von Zauberhand zum Strahlen gebracht.

Wir sind in der Wimbachklamm. Die teilweise neu angelegten Holzstege und -treppen sind etwas rutschig, aber mit passendem Schuhwerk und etwas Aufmerksamkeit gut zu erklimmen. Es ist bereits nach 16 Uhr, es sind nur wenige Menschen unterwegs, wo auch immer wir das Schauspiel genauer betrachten wollen, können wir in aller Ruhe stehen bleiben. Ein Luxus in dieser spektakulären Klamm, den wir sehr zu schätzen wissen. Heute ist es besonders schön, denn die Wände sind von unzähligen kleinen Wasserfällen und spitzenden Fontänen bedeckt, die in den kommenden heißen Sommerwochen nach und nach immer weniger werden.

Nach der Klamm öffnet sich das Tal merklich, das Wasser breitet sich entsprechend aus, wird ruhig und zugänglicher. Wanderer vor uns haben sich die Mühe und uns die Freude gemacht, hier anspruchsvolle Stoamandl zu errichten.

Steine dafür gibt es im Wimbachgrieß reichlich, der graue Schuttstrom befördert sie seit Jahrmillionen aus den Bergen hinunter ins Tal. Das passiert in einer Geschwindigkeit, die für uns Menschen nicht greifbar ist. Die Natur hat halt Zeit. An manchen Stellen mäandert das Wasser durch flaches Terrain, Sträucher und Gräser. Als meine Tochter noch kleiner war, konnten wir uns hier stundenlang aufhalten. Barfuß durch das wirklich erfrischende Wasser waten, Blumen bestimmen, Tierspuren suchen, Brotzeit machen.

Dazu ist es heute zu frisch (und meine Tochter lässt sich auch nicht mehr so oft zum Wandern überreden), wir gehen stramm weiter. Schließlich wollen wir uns von einem langen Arbeitstag erholen, Abstand gewinnen. Nebenbei spielt im Kopf die Phantasie mit uns: Dieser Bogen sieht doch aus, als könnte man, wenn man sich nur trauen würde, durch ihn in eine Welt voller Elfen, Gnome und anderer Fabelwesen entfliehen. Oder der dicke Nebel, undurchdringlich wabert er zwischen den steil aufragenden Felswänden, versperrt den Blick auf die Teufelshörner. Aber wir wissen ja, dass sie irgendwo da oben lauern. Jetzt würde ich gerne in eine warme Bauernstube schlüpfen und unseren Vorfahren bei ihren schaurigen Geschichten lauschen.

Mit warmer Stube wird es erstmal nichts, denn das Wimbachschloss, dass jetzt nur noch 9 Minuten entfernt ist, ist bereits geschlossen. Die Wirtsleute Petra und Alexander packen bereits zusammen, es sei Ihnen nach einem langen Arbeitstag gegönnt. Obwohl: Das Knödeltris auf der der Karte hätte mich schon sehr angelacht. Da muss ich wohl bald mal wiederkommen.


Wir drehen um, freuen uns auf den letzten Metern schon auf die warme Dusche und ein Glaserl Roten zuhause. Ein letzter Gruß an die hübsche Katze, die wie eine Statue vor der Nationalpark-Infostelle am Parkplatz thront, Schirm abgeschüttelt und ins Auto geschlüpft.

Und jetzt freuen wir uns alle auf die Sonne! Eure Ursula

Teil 2 beim Jobsharing der Pressestelle. Ich verstehe mich als berchtesgadnerische Königsseerin – oder umgekehrt. Im Berchtesgadener Land entdecke ich immer wieder Neues oder genieße Altbekanntes. Egal ob in einer zünftigen Wirtschaft, oben am Berg, an einem eiskalten Gebirgsbacherl oder bei kulturellen Experimenten. Und alles, was ich kenne und schätze, das vermittle ich mit Enthusiasmus an Journalisten und andere, die es hören oder lesen wollen. Bis auf ein paar wenige echte Geheimtipps :)

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