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„Kripperlschaun“ im Rupertiwinkel

„Und dies soll euch ein Zeichen sein: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt……..So eilten sie hin und fanden Maria und Joseph und das Kind, das in der Krippe lag.“

Diese so elementare Aussage der Bibel stellen die Christen in den verschiedensten Formen der Krippen dar. Franz von Assisi ist wohl der erste, der in seiner berühmt gewordenen Feier 1223 mitten im Wald eine Krippe mit Stroh und dem Jesuskind aufstellt, mit einem echten Ochs und Esel.
 „Der Wald hallte wider von den Gesängen“ ist berichtet von dieser ersten bekannten Krippendarstellung.

Die Krippe ist heute nicht mehr wegzudenken aus der Weihnachtszeit. Ob als Rindenhütte dargestellt, in Fels gehauen, als Palast, als Stall, als Almhütte, – ob in der Wüste versetzt, auf der Alm im Hochgebirge, auf dem Feld oder im hl Land, – die Krippen zeigen sich in einer Vielfalt in den Stuben der Christen, in den Kirchen und auf Plätzen, die der Phantasie freien Lauf lässt. „Krippe schauen gehen“ und sich erfreuen an den schönen Geschichten des Lebens rund um das Jesuskind gehört zum Weihnachtsgeschehen.


In den Tagen von Heilig Abend 24. Dezember bis Maria Lichtmess 2. Februar geht es zum „Kripperl Schauen“ – besonders mit Kindern. Der eine Nachbar hat diese Krippe, die andere Familie hat jene. Keine ist gleich.

Zur Geschichte der Krippendarstellungen
Die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner versuchten nach dem Konzil von Trient (1545 – 1563) vermehrt die Inhalte der Bibel, besonders das Geschehen um die Geburt Christi und die Passion zu Ostern szenenhaft darzustellen für die Menschen, die kaum lesen und schreiben konnten. Sie stellten Kästchen mit den biblischen Darstellungen in den Kirchen auf und schon bald entdeckten die adeligen Kreise diese Krippen für ihre Wohnungen.

Kaiserin Maria Theresia und Joseph II verbannten durch mehrere Verbote die Krippen aus den öffentlichen Gebäuden (meist Kirchen). Dem folgte wenig später am 22. November 1784 Erzbischof Colloredo mit seinem Verbot der Krippen für das Erzbistum Salzburg (heute nennt sich ein Teil dieses Gebietes „der Rupertiwinkel“). Bekanntlich helfen Verbote nicht immer oder verfehlen ihren Sinn und so – aus der Not eine Tugend machend – wanderten die Krippen aus den Kirchen in die Familien hinein, wo sie heute noch hohe Verehrung erfahren. Die Krippen kehrten dann auch wieder zurück in die Kirchen und zeigen dort heute oft große, wiederentdeckte Kostbarkeiten aus der Barockzeit oder mit viel Gefühl in die Moderne gestellt die Geschehnisse der Heiligen Nacht.



Die Barockkrippe in der Stiftskirche von Laufen
In den Jahren Anfang der 1980er finden sich auf dem Dachboden der Stiftskirche von Laufen in einer Kiste merkwürdig anmutende Figuren, Körperteile und Reste verschlissener Kleidung, die sich als Teil einer uralten Krippe herausstellen. Der Laufener Sepp Heringer hatte mit der Pfadfindergruppe und dem damaligen Mesner Hans Surrer nach dem Auftauchen seltsamer „Körperteile“ im Feuerholz der alten Stiftswaschküche auf der Suche nach dem daraufhin bereits Vermuteten wahrhaft Historisches entdeckt. Die Krippenfreunde machen sich in mühsamer Arbeit daran, unter der Beratung des Salzburgmuseums die Teile wieder zu Figuren zusammenzustellen. Aus historischen Stoffen gewandet im Stil des Barock und aus der Hand eines meisterhaften Schnitzers gesellen sich Figur um Figur dazu und erzählen als voll bewegliche, bis zu 80 cm große Figuren vor dem rechten Seitenaltar der Stiftskirche von der Geburt des Jesuskindes – hineingestellt in das Leben der Schifferstadt Laufen.



Ganzjahreskrippe Piding
Anfang der 1970er-Jahre beginnt Wally Nitzinger mit dem Krippenbau. Der frühe Tod ihres Mannes 1976 zwingt sie später als Bäuerin mit zwei kleinen Kindern (damals 4 und 6 Jahre alt), für einige Jahre auszusetzen, bis sie sich wieder den Krippen – ihrem Ausgleich – widmen kann.
Von Jahr zu Jahr wächst ihre Krippe auf mehr als 220 Figuren (10 bis 12 cm groß), rund 60 Vögel und eine große Anzahl heimischer Wildtiere an. Die Ganzjahreskrippe dehnt sich im Hausgang des Hofes der Familie Nitzinger in Wannersdorf (Gmd. Teisendorf) schließlich auf 12 m2 aus.
Im Frühjahr 2012 entschließt sich Wally als gebürtige Pidingerin, ihr „Lebenswerk“ in den 1704 erbauten Alten Pfarrhof am Petersplatz in Piding abzugeben. Verwirklichen lässt sich das Vorhaben durch die tatkräftige Unterstützung – neu dazu die detailgetreue Abbildung der heimischen Berge als Hintergrund. Diese Krippe erzählt in vielen Umbauten das ganze Jahr über vom „realen dörflichen Leben“ in der Gemeinde. Höhepunkt: die Geburt des Jesuskindes.

Zu dieser Alpenländischen Krippe kommt aus der Hand von Peter Freimanner als zweites eine „orientalische Krippe“ dazu, die ebenfalls in vielen Umbauten z.B. die seltene Darstellung das Geschehen der Woche vor Ostern bis hin zur Auferstehung erzählt.



Ganzjahreskrippe in der Klosterkirche St. Peter in Laufen
Im Jahr 2001 wieder zurückgekehrt in die Klosterkirche. Bei der Auflösung des Klosters in Laufen im Jahr 1992 nahmen die Kapuziner die Krippe, die aus um die 1000 Figuren und Einzelteilen besteht, von Laufen nach Altötting mit. Fast zehn Jahre später erhielt sie die Pfarrei geschenkt und erfreut nun seit Jahrzehnten die Herzen der Kinder und Erwachsenen gleichermaßen:
Franz Probst (†) mit seinen ehrenamtlichen Helfern stellte verschiedene Szenen biblischer Verkündigung (Altes und Neues Testament) dazu neu her. Viel Arbeit liegt in der Erstellung neuer Kulissen, die fast gänzlich fehlten und in der Reparatur oder Ergänzung der bis zu 40 cm großen Figuren. Dies ermöglicht inzwischen, biblische Erzählungen, angefangen von der Verkündigung der Menschwerdung Jesu bis zur Hochzeit von Kana zu zeigen. Die Darstellungen in der Krippe (310 cm x 110 cm groß) richten sich, so weit möglich nach dem Kirchenjahr und wechseln unter den fleißigen Händen ca. alle zwei Wochen.



Die Barockkrippe in der Stiftskirche Tittmoning

Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts hielt der Barock Einzug in die Gotteshäuser des Fürsterzbistums Salzburg. Bereits vorhandene Figuren wurden barockisiert oder komplett neu angefertigt. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten Figuren der Tittmoninger Krippe – das Christkind, die Gottesmutter Maria und die Engel. Nach einer Rechnung renovierte bzw. ergänzte der berühmte Wachsposier Johann Baptist Cetto 1706 diese Figuren.
Beim Kirchenbrand 1815 überstanden gücklicherweise die an die Kirche angebauten Sakristeien die Katastrophe und damit alle in der Sakristei an der Südseite eingelagerten Krippenfiguren – gerettet unter Lebensgefahr durch den damaligen Obermesner Matthias Sutor. Bei der Restaurierung vor einigen Jahren kamen Brandspuren aus der damaligen Zeit zum Vorschein.
Heute beinhaltet der Krippenfundus der Stiftskirche über 100 Figuren (alles bewegliche Gliederpuppen) – die Kleinsten mit zehn Centimeter, die Größten mit fast einen Meter. Sie stellen – arrangiert und betreut vom jetzigen Mesners Rainer Zimmermann mit seinen Helfern – in sieben Szenen vom 1. Adventsonntag mit der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel bis hin zum „Haus Nazareth: Jesus hilft seinem Pflegevater Josef bei Holzarbeiten im Garten. An Maria Lichtmess (2. Febr.) endet alljährlich die „Krippe“ in der Stiftskirche von Tittmoning.




Land und Leute, Geschichte und Geschichten …
Der äußerste Südosten Bayerns mit Chiemgau, Rupertiwinkel und Berchtesgadener Land schickt mich in seiner Vielfalt immer wieder auf die Suche …

Eure Rosi

Alle Bilder RoHa-Fotothek Fürmann

Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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