Ausflugstipps

Teisendorf – der Markt, der Alles hat

Mit Altbürgermeister Fritz Lindner unterwegs

Teil I

Der Markt der alles hat“ – so der Slogan, mit dem die Geschäftswelt von Teisendorf für die „Einkaufsmeile“ Marktstraße wirbt. „Der Markt der alles hat…“ – das sehe ich seit meinem Spaziergang mit Altbürgermeister Fritz Lindner durch den Marktflecken aber auch noch aus einem ganz anderen Blickwinkel: Ein in der über die Jahrhunderte bis heute nachwirkenden Geschichte lebendig gebliebener Ort.

das Rathaus von Teisendorf

Nicht lange hat sich der Altbürgermeister bitten lassen – er stand dem Ort als Bürgermeister sage und schreibe 30 Jahre von 1972 bis 2002 vor – und wir treffen uns am Rathaus bei der heute besonders bei den Kindern so beliebten Kindergruppe mit Hund.

Schon diese Bronzeskulptur vom Teisendorfer Bildhauer Franz Prinke enthält Geschichte und Geschichten…. – sie kam vor das neue Rathaus (errichtet 1994), um hier mit den in den Boden eingelassenen Bronzetafeln an die während der Gebietsreform eingemeindeten Ortsteile Roßdorf, Weildorf, Freidling, Oberteisendorf, Neukirchen und Holzhausen zu erinnern.

Rosi Fürmann mit Altbürgermeister Fritz Lindner vor dem Forstamt

Auf unserem Rundgang geht es durch die Poststraße – mit Abstecher Lindenallee, dann bis zum Forstamt und von dort durch die Marktstraße bis wir schlussendlich im Braugasthof Alte Post unsere wohlverdiente Brotzeit genießen.

Die Grund- und Mittelschule „Franz von Agliardis“ mit der Musikschule

Eine elementare Einrichtung begegnet uns gleich zu Anfang: Das Schulhaus: Hört man Fritz Lindner in seiner unnachahmlichen Erzählkunst zu, ergibt dieses Areal bereits einen umfangreichen eigenen Bericht.

Teisendorf 1956
im Vordergrund die Schule, rechts dahinter das kleine Feuerwehrhaus und in der Mitte Kindergarten und Dorfstadl

Aus der Schulchronik von 1953: „Seit 80 Jahren plant Teisendorf den Bau eines Schulhauses“ – so lange dauerte es, bis endlich ein über die vielen Jahre erkannter, notwendiger Schulhausneubau endgültig geplant und mit der Einweihung 1955 entstehen konnte. Durch die Wirren der Kriege, Inflation und z.B. mit der „Währung“ nach dem zweiten Weltkrieg gingen die in der Gemeinde angesparten 400 000 Mark an einem Tag verloren; damals kam immer wieder das AUS für einen Neubau. Glaubte man jetzt 1955, mit der neuen Schule die Raumnot definitiv behoben zu haben, musste schon 1965 angebaut werden.

links hinten Schwester Winfrieda – die „Firstdiebin“

Schmunzelnd erzählt mir Fritz Lindner von Oberin Schwester Winfrieda vom benachbarten Krankenhaus, die mit einer Mitschwester nach altem Brauch in einer Nacht- und Nebelaktion Teilstücke des Firstes „stahl“ und sich die Rückgabe vom Bürgermeister aus dessen Portemonnaie lohnen ließ.

Aber auch dieser Bau erwies sich bald wieder als zu klein und die Schule bekam 1980 eine Erweiterung für jetzt 800 Schüler, die 2013 zur heutigen Größe weiter „anwachsen“ musste.

Teisendorf im Juli 1968 – im Vordergrund das Altenheim, in der Mitte der Sportplatz, dahinter die Schule mit dem links leicht versetzen Schulhaus-Neubau von 1965 und gleich anschließend der Dorfstadl

Für die jetzt bestehende Schule mussten über die verschiedenen Bauabschnitte ein Kindergarten, ein Feuerwehrhaus und nicht zuletzt der legendäre „Dorfstadl“ weichen.

Der „Dorfstadl“ – den Bewohnern Teisendorfs und des Umlandes noch bestens bekannt mit den Tanz- und Heimatabenden. Zum Bersten voll war der Saal meist und heute könnte man sich die Verhältnisse nach den jetzt bestehenden Vorschriften beileibe nicht mehr vorstellen. Im Untergeschoss die „Zistelbar“ war wohl für so manche später geschlossene Ehe die Anbahnung und der Tanzboden bebte unter den Tänzen und Plattlern der Trachtler.

„Kleinkinderbewahranstalt“ – Kindergarten Teisendorf (1947/1948) – im Anbau am ehemalige Dorfstadl

Der Kindergarten – nicht mehr festzustellen, seit wann es in Teisendorf eine „Kleinkinderbewahranstalt“ gab. Als sicher jedoch stellt sich die Notwendigkeit in den Anfangsjahren des Ersten Weltkrieges dar, mussten doch die Männer in den Krieg und die Frauen leisteten die ganze Arbeit zu Hause. „Die Kleinkinderbewahranstalt ist sobald als möglich als Provisorium in der bisherigen Art und Weise weiterzuführen.“ – so steht es im Beschlussbuch des Marktes vom 14. August 1915. Eine Schenkung von 20 000 Mark mit der Bestimmung der auf den 27. Juni 1914 datierten schriftlichen Bestimmung für die Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt lässt sich die Anfänge zwischen Juni 1914 und August 1915 vermuten. Ursprünglich in der Marktstraße und später im Klosterweg untergebracht zog der Kindergarten 1930 in „neue, lichte Räume“ um – angebaut an die gemeindliche Turnhalle (der spätere Dorfstadl) – nachzulesen auch im Heimatbuch der Gemeinde Teisendorf. Viele heute ältere Mitbürger – so auch Altbürgermeister Lindner – erinnern sich gerne an ihr Kindergartenzeit.

Das Feuerwehrhaus – nach der Gründung 1866 ist die Feuerwehr zuerst in Räumen an der Pfarrkirche, dann im Spritzen- und Requisitenhaus untergebracht. Es folgte 1885 der Umzug in das Feuerwehrhaus an der Lindenallee. Die Feuerwehr musste mit den immer größer werdenden Anforderungen in äußerst beengten Verhältnissen direkt vor dem Dorfstadl bis 1975 zufrieden sein. Der Neubau auf „grüner Wiese“ am Ortsrand brachte für die FFW ein großzügiges Platzangebot und eine vorteilhafte Anbindung.

Teisendorfs Feuerwehrhaus am Ortsrand – Aufnahme 2014

Mein großer DANK gilt Altbürgermeister Fritz Lindner, der mit seinem unendlichen Wissen um den Markt Teisendorf und seine Bewohner mit mir durch den Ort wanderte. Dachte ich zuerst an „ein paar Zeilen und passende Bilder“, so ergab sich eine so große Menge an Interessantem, dass ich daraus eine mehrteilige Serie machen werde.

Bis zum nächsten Beitrag über „Teisendorf, der Markt der alles hat“
Eure Rosi

Bilder:
RoHa-Fotothek Fürmann, Archiv Fürmann und Archiv Gemeinde Teisendorf

Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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