St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Toni

Der Seeleinsee ist weg

 von Toni
Fast ausgetrocknet: Der Seeleinsee

Fast ausgetrocknet: Der Seeleinsee

Vor den angekündigten Schneefällen sollte es gestern noch einmal als vielleicht letzte Herbsttour zum idyllischen Seeleinsee gehen. Von Hinterbrand aus im Laufschritt an der Jennerbahn vorbei, wo schon alles für den Beginn der Wintersaison vorbereitet wurde, und rüber zur legendären Grassl Brennhütte. Von dort aus zu den Priesbergalmen und letztlich steiler hinauf Richtung See. Kaum ein Wanderer ließ sich auf den im Sommer so beliebten Steigen sehen, nur einige neugierige Gämsen, die gerade nicht mit der derzeit stattfindenden Brunft beschäftigt waren, säumten den Wegesrand.

Neugierige Gams

Über den letzten felsigen Aufschwung hinweg, dann sollte der kleine, friedliche See am Fuß des Kahlersbergs wie immer unten in seinem Kessel zu sehen sein. Doch diesmal war der Anblick überraschend anders: Wo sich sonst die nahen Felswände auf dem Wasser spiegeln, war plötzlich nur ein grauer Krater. Ein dunkler Ring markierte auf dem blockigen Gestein das übliche Seeufer, doch bis auf ein wenige Meter durchmessendes Auge aus Eis war weit und breit nichts mehr von dem Gewässer übrig. Da der Seeleinsee nur von Regen- und Schmelzwasser gespeist ist und keinen wirklichen Zufluss hat, sind gewisse Schwankungen des Wasserstands je nach Niederschlag üblich. Aber die lange Trockenperiode im Herbst hat unerwartet zum fast völligen Verschwindenden des Gewässers geführt.

Kümmerlicher Wasserrest

Kümmerlicher Wasserrest

Tiefblick von der Bergwachthütte

Tiefblick von der Bergwachthütte

Umso spannender war die Erkundung des freiliegenden Seebodens. Außer einigen trockenen Faden- und Armleuchteralgen fand sich keine Spur von pflanzlichem Leben, aber unter dem dünnen Eis des verbliebenen Wasserrests paddelten durch die Kälte verlangsamt immerhin einige Schwimmkäfer und Insektenlarven. Erfreulicherweise waren auch kaum Hinterlassenschaften der Zivilisation zu sehen. Außer den Splittern einer alten Glasflasche lag nur noch ein uralter, einst recht eleganter Lederschuh mit Absatz und Metallbeschlägen zwischen den Steinen, die sonst den Seegrund bilden.

Als das Hin- und Herwandern „im“ See keine weiteren bemerkenswerten Funde mehr ergab, wurde durch die aufziehende Kühle im Bergschatten der Rückweg unausweichlich. Flott gings den im Sommer oft so schweißtreibenden Stiergraben hinab. An dessen Ende schien endlich wieder die Sonne, und mit beeindruckenden Ausblicken hinüber zum Watzmann führte der Weg erneut an der Königsbachalm vorbei zurück zum Parkplatz Hinterbrand.

Auch wenn der ungewöhnliche Zustand des Sees eine nette Überraschung war: Es ist doch zu hoffen (und zu erwarten), dass spätestens bis zur nächsten Wandersaison das Wasser wieder seine normale Höhe erreicht und man wie immer auf der Kleinen Reibn die Füße in die kalten Fluten halten kann.

Weitere Fotos finden sich hier auf Facebook.

Watzmann mit Priesbergalm

Watzmannblick an der Priesbergalm

3 Kommentare

21. November 2015 um 7:17 von marie-luise thierauf

In manchen Gebieten schlägt der Klimawandel stärker zu als in anderen, dazu gehören auch die Alpen. Neben dem Seeleinsee verschwindet z. B. auch der Blaueisgletscher. Mit 51 % ist übrigens unser Konsum von tierischen Produkten der größte Verursacher von klimaschädlichen Gasen. Seit 2010 drängt drängt deshalb die UN zu vermehrt pflanzlicher Nahrung, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu stoppen.

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13. Dezember 2015 um 17:28 von Rudy

> Der Seeleinsee wir im Frühjahr wieder da sein, denn er hat ja keinen richtigen Zufluss. Er wird nur von Regenwasser und Schmelzwasser gespeist, ich finde es immer etwas lästig wenn Leute ihre Lebensweise auch anderen auf umwegen anpreisen wie meine Vorrednerin.

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11. August 2016 um 14:45 von Bike & Hike & Boat-Tour im Hagengebirge (Teil 1) - Berchtesgadener Land Blog

[…] angekommen, wird man mit einem tollen Tiefblick auf den in schöner Umgebung eingebetteten Seeleinsee belohnt. Zur rechten Seite baut sich nun mächtig der Kahlersberg auf. Ein gelber Wegweiser leitet […]

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