St. Bartholomä am Königssee

Berchtesgadener Land Blog

Sepp Wurm

Bergtour aufs Watzmann Hocheck

 von Sepp
Der Watzmann in der Früh

Der Watzmann in der Früh

Als ich heute morgen die Haustür öffne, lacht mich der Watzmann direkt an! Keine einzige Wolke ist zu sehen, der Himmel strahlend blau und nur noch vereinzelte weiße Schneeflecken bedecken den Watzmann. Meine Entscheidung steht schnell fest: Heute geht`s aufs Hocheck, den ersten Gipfel des Watzmann nach dem Watzmannhaus. So kann ich auch gleich eine Teilstrecke der 24 Stunden Watzmann extrem Wanderung beim Berchtesgadener Land Wander-Festival am nächsten Wochenende in Augenschein nehmen, bei der ich mitgehen werde. Zum Glück habe ich mir heute Urlaub genommen.

Von der Wimbachbrücke in Ramsau gehe ich über den klassischen Weg zur Stubenalm. Von hier sehe ich schon erste Wolken um den Watzmann Gipfel kreisen.

Auf der Stubenalm

Auf der Stubenalm

Doch auch die Wolken am Hocheck können meine Wanderlust nicht trüben. Bei perfekten Temperaturen, nicht zu warm und auch nicht zu kalt, marschiere ich weiter durch den Wald zur Mitterkaseralm.

Almkreuz der Mitterkaseralm, dahinter der kleine Watzmann

Almkreuz der Mitterkaseralm, dahinter der kleine Watzmann

Beim Almkreuz mache ich kurz Pause und beobachte das Spiel der Wolken um den Watzmann. An der Ostseite scheinen die Wolken hartnäckig fest zu hängen. Das kennt man ja: Wolken, Nebel und Dunst steigen gerne vom Königssee an der Watzmann Ostwand entlang auf und hängen dann am Gipfelgrat fest. So scheint’s auch heute zu sein.

Die Mitterkaseralm am Watzmann

Die Mitterkaseralm am Watzmann

Oberhalb der Mitterkaseralm wird aus dem breiten Weg ein schmaler Steig. In Serpentinen führt dieser jetzt durch den Wald steil aufwärts. Als der Weg nach links den Wald verlässt, wird man von einem der berühmtesten Motive in den Berchtesgadener Bergen empfangen: Der Kaser der Falzalm vor dem Kleinen Watzmann.

Die Falzalm vor dem kleinen Watzmann

Die Falzalm vor dem kleinen Watzmann

Hier verlasse ich den Wald, jetzt geht’s über offenes Gelände erst über die Almfläche, dann auf einem steilen und fesligen Pfad weiter bergauf. Über mir sehe ich jetzt schon die grüne Fahne des Alpenvereins, die auf der Terrasse des Watzmannhauses weht. Am Falzköpfl links entlang führt dann der Steig über Stege zum letzten steilen Stück unterhalb des Hauses. Schnell noch über die Treppe hinauf und ich stehe in der Mulde unteralb des Watzmannhauses.

Das Watzmannhaus

Das Watzmannhaus

Ein traumhafter Anblick: das Gras unterhalb des Hauses ist sattgrün, der Himmel strahlend blau und einzelne kleine Wolken lockern den Himmel auf. Obwohl ich schon Lust auf eine Einkehr im Watzmannhaus habe, bleibe ich hier unten und mache noch einmal eine kurze Pause.

Das Nebengebäude des Watzmannhauses

Das Nebengebäude des Watzmannhauses

Beim Blick in Richtung Hocheck offenbart sich auf der Ostseite des Watzmanns eine dichte weiße Wand. Die Wolken sind nochmal mehr geworden, schon jetzt verwerfe ich alle Gedanken an den beeindruckenden Tiefblick zum Königssee.

Blick vom Watzmannhaus in Richtung Hocheck

Blick vom Watzmannhaus in Richtung Hocheck

Zusammen mit ein paar anderen Bergsteigern, die ich in der Mulde unterhalb des Watzmannhauses treffe, beginne ich den Aufstieg in Richtung Hocheck.

Aufstieg-zum-Hocheck

Aufstieg zum Hocheck

Einer meiner Begleiter ist über Kühroint und den Falzsteig aufgestiegen, die beiden anderen haben im Watzmannhaus übernachtet und wollen jetzt die Watzmannüberschreitzung machen. Wir gehen alle ein recht zügiges Tempo, doch plötzlich müssen wir stoppen: Als wir um einen Felsbrocken herumgehen, sitzt ein Steinbock nur wenige Meter vor uns.

Der Watzmann Steinbock

Der Watzmann Steinbock

Völlig unbeeindruckt von unserer Gesellschaft sitzt er da und amüsiert sich wohl über unser Flüstern. Wir wollen ihn ja nicht erschrecken und verjagen. Ich freue mich wirklich enorm über den Anblick des Steinbocks, denn am Watzmann habe ich noch nie einen geshen. Scheinbar gibt es hier ja auch nur einen: Den Watzmann Steinbock eben.

Nach einigen Minuten ehrfürchtigen Betrachtens gehen wir schließlich weiter. Ich mag den Weg hier überhaupt nicht, lose Felsen und grober Kies bilden die Wegunterlage. Stellenweise ist es wirklich unangenehm zu gehen. Doch dann kommt der sogenannte Hochstieg: Stahlseile versichern den Weg über zwei Felsstufen und erfordern beherztes Zupacken, ein schöne Abwechslung zum Gehen auf losen Material. Nach dem Hochstieg wird der Weg auch angenehmer zu gehen, allerdings säumen jetzt vereinzelte Schneefelder den Weg. So verliere ich ein paar mal den richtigen Weg, da die Rotpunkt-Markierung teilweise unter dem Schnee verborgen ist. Ich halte mich aber ohnehin immer gerne etwas links, um den Tiefblick zum Königssee zu genießen. Doch nicht heute: Statt 2.000 Meter tiefer den dunkelgrünen Königssee sehe ich heute nur eine weiße Wand.

Nebel an der Ostseite des Watzmanns

Nebel an der Ostseite des Watzmanns

Außerdem ist es hier oben ganz schön kalt: Ein rauher Wind pfeift uns um die Ohren, zum Glück habe ich ein Stirnband dabei. Handschuhe hingegen habe ich nicht dabei, doch jetzt würde ich mir welche wünschen. Meine Finger sind eiskalt. Zum Glück ist jetzt der Gipfel schon in Sicht.

Letzte Meter unterhalb des Hochecks

Letzte Meter unterhalb des Hochecks

Die letzten Meter sind nochmal etwas steiler und auch der Schnee ist am Gipfel etwas mehr. Doch schließlich stehe ich am Gipfelkreuz mit dem goldenen Hergott.

Das Gipfelkreuz am Watzmann Hocheck

Das Gipfelkreuz am Watzmann Hocheck

Nach Westen sieht man deutlich in die Tiefe, keine Wolke trübt den Blick ins Wimbachgries.

Blick vom Hocheck ins Wimbachgries

Blick vom Hocheck ins Wimbachgries

Nach Osten hin ist nchts zu sehen und im Süden, in Richtung der Watzmann Überschreitung, umhüllen Wolken die Mittelspitze.

Blick zur Watzmann Mittelspitze

Blick zur Watzmann Mittelspitze

Bei diesem Ausblick verwerfe ich meine Idee, noch bis zur Mittelspitze weiter zu gehen. Stattdessen mache ich mich auf den Rückweg zum Watzmannhaus und gönne mir ein kühles Bier.  Hier treffe ich auch auf Christian, der mit Hund über Kühroint und Falzsteig zum Watzmannhaus aufgestiegen ist.

Was für ein schöner Urlaubstag, Euer Sepp

19 Kommentare

26. Juni 2015 um 15:19 von Detlef Porada

Hallo Sepp,
ein sehr schöner Bericht. Mich würde aber noch interessieren, wie lange Du bis zum Hocheck gebraucht hast.
Viele Grüße aus Hannover (wir sind im August wieder da)

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26. Juni 2015 um 19:00 von Sepp

Servus Detlef, also bis zum Watzmannhaus etwa 2 Stunden und dann noch einmal 1.5 Stunden zum Hocheck! War aber recht flott unterwegs 😉

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26. Juni 2015 um 19:46 von Christian

Servus Sepp,

was hast an Ausrüstung dabei gehabt ?

Scheene Griass
Christian

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27. Juni 2015 um 18:09 von Sepp

Nix Besonderes, ganz normale Bergschuhe!

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30. Juni 2015 um 20:15 von Bergtour aufs Kammerlinghorn 2.484 m

[…] meiner Tour aufs Watzmann Hocheck und der Regentour zum Seeleinsee, war es das jetzt mit meiner Vorbereitung auf die 24 Stunden […]

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9. Juli 2015 um 11:46 von Meine erste 24 Stunden Wanderung: Watzmann extrem

[…] von weit über 30° und den extra Kilometern durch den Start in Berchtesgaden. Bei meiner Vorbereitungstour aufs Hocheck habe ich für dieses Teilstück 1:30 Stunde gebraucht! Angeschrieben sind sogar 3 […]

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20. November 2015 um 19:06 von Der Seeleinsee ist weg - Berchtesgadener Land Blog

[…] An dessen Ende schien endlich wieder die Sonne, und mit beeindruckenden Ausblicken hinüber zum Watzmann führte der Weg erneut an der Königsbachalm vorbei zurück zum Parkplatz […]

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1. März 2016 um 13:02 von Buchtipp: Wanderungen zu den Steinböcken

[…] – von leicht, mittel bis schwer – bieten sich zur Nachahmung an: Probiert es aus, die Begegnung mit einem Steinbock kann ein unvergessliches Ereignis […]

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24. Juni 2016 um 5:29 von Stefan

Hallo Sepp! Habe gerade deinen schönen Bericht gelesen. Wir sind ja damals zusammen vom Watzmannhaus zum Hocheck gelaufen ? gestern war ich wieder am Watzmann und bin die Überschreitung bis zum Wimbachtal gegangen. War echt super! Vielleicht sieht man sich ja mal wieder ☺ Viele Grüße Stefan

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24. Juni 2016 um 21:37 von Sepp

Ach super, die Überschreitung mauss ich heuer auch mal wieder machen! Ist scho alles schneefrei?

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14. Juli 2016 um 11:06 von Sonnenuntergang am Watzmann-Hocheck - Magische Momente - Berchtesgadener Land Blog

[…] Schauplatz für solch ein magisches Naturerlebnis hatte ich mir am letzten Sonntag das Watzmann-Hocheck (2651m) ausgesucht. Ich hoffte, dass der, für das Berchtesgadener Land vom Wetterbericht angekündigte, […]

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4. September 2016 um 22:44 von Watzmann-Überschreitung bei Traumwetter

[…] bedanken uns für die nette Bewirtung bei den Hüttenwirten Anette und Bruno Verst und brechen zum Hocheck auf, den ersten Gipfel auf der Watzmann-Überschreitung. Wir erreichen den Gipfel […]

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12. September 2016 um 21:51 von Über König Watzmann's Scheitel - Watzmannüberschreitung - Berchtesgadener Land Blog

[…] Neben absoluter Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, tadelloser Kondition und genügend Erfahrung im Fels um ungesicherte, sehr exponierte Kletterstellen im ersten und zweiten Grad zu bewältigen, braucht man für die Watzmannüberschreitung fast schon eine Taktik, um dem größten Andrang am Grat auszuweichen. Wann startet man also am besten an der Hütte? Unser Plan war es erst noch gemütlich zu frühstücken, den ersten Schwall der extremen Frühstarter den Vortritt zu lassen und als Nachzügler dem Großteil der an diesem Tag mehr als 100 Begehern zu folgen. Während die aufgehende Sonne langsam über dem Hohen Göll hervorkroch und einen Traumtag ankündigt, genossen wir das Frühstück auf der nahezu verwaisten Terrasse. Gegen 8 Uhr verabschiedeten wir uns dann von dem freundlichen Hüttenwirt-Paar und machten uns auf in Richtung Hocheck. […]

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17. Oktober 2016 um 15:55 von Herbst-Wanderung zum Watzmannhaus

[…] überwinde ich noch ein paar Stufen über und stehe im der Sattel zwischen Watzmannhaus und Hocheck. 3 Stunden sind am Wegweiser angeschrieben für den Weg von hier zum Hocheck. Zum Watzmannhaus sind […]

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24. Juli 2017 um 15:40 von moni

Muss man zum Hocheck schwindelfrei sein?

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24. Juli 2017 um 15:45 von Sepp

Also der Weg zum Hocheck ist nicht ausgesetzt, aber am Gipfel dann. Man muss auf alle Fälle sehr trittsicher sein!

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25. Juli 2017 um 13:57 von moni

Danke fuer die schnelle Antwort!

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27. Juli 2017 um 13:41 von Angehende Gebirgsjäger-Offiziere auf dem Watzmann

[…] und im Klettersteig am Grünstein. Höhepunkt war eine Bergtour von der Wimbachbrücke bis auf das Watzmann-Hocheck. „Dass es alle 30 Teilnehmer bis auf das Hocheck geschafft haben, hätte ich nicht gedacht,“ […]

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