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Der letzte Hutmacher

Familie Braun aus Teisendorf: Hutmacher seit 1598

Der 29jährige Thomas Braun ist eine imposante Erscheinung. Mächtige Oberarme und Schultern ragen hinter einer grünen Schürze hervor. Einen Hutmacher habe ich mich mir ganz anders vorgestellt. Doch genau das ist Thomas! Als er seine Lehre mit Auszeichnung abschließt, ist er einer der letzten seiner Art. Hutmacher ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf mehr. Stattdessen nimmt ihm die Wirtschaftskammer Wien die Prüfung ab. Bevor er aber der Familientradition folgt, macht Thomas eine Ausbildung als Sport- und Fitness Kaufmann in der RupertusTherme Bad Reichenhall. Danach lernt er den Traditionsberuf und tritt ins Familienunternehmen ein. Zusammen mit seinen Eltern Gisela und Lothar führt er nun den Betrieb, der seit 1598 besteht.

Thomas, Lothar und Gisela Braun

Dass die die Hutmacherei für Thomas nicht Beruf, sondern Berufung ist, zeigt der Blick auf seinen linken Unterarm: „Hutmacher seit 1598“ prangt dort als Tattoo samt Firmenlogo des Familienbetriebs.

Thomas trägt seine Berufung auf der Haut

Hinter dem Ladengeschäft am Eingang zum Markt Teisendorf führt eine Tür zur Werkstatt und zu den Lagerräumen der Hutmacherei.

Im Obergeschoss lagern die Hut Rohlinge. Thomas nimmt einen grün gefärbten Rohling mit nach unten. Der noch unförmige Velours Stumpen besteht aus Hasen- und Biber Haar. Wieder unten in der Werkstatt tränkt der Hutmacher den Filz Rohling in Kartoffelstärke und startet so den Steifprozess. Mittels einer Walze wird die Stärke tief ins Gewebe gepresst.

Danach bekommt der stärkegetränkte Rohling ein Bad im Wasserdampf. Eingeschlossen unter einer Glocke wird der Filzstoff mit dieser Behandlung elastisch gemacht.

Das ist wichtig für den nächsten Schritt: Jetzt kriegt der Hut nämlich seine Form. Thomas zieht den Rohling über die entsprechende Holzform.

Tausende solcher Formen lagern in der Hutmacherei, nicht nur jedes Modell braucht eine eigene, sondern jede Größe eines Modells. Bei dieser durchaus kräftezehrenden Arbeit macht sich Thomas‘ frühere Ausbildung als Sport- und Fitness Kaufmann bezahlt: Er zieht den Filz in Form, mit einem Treibeisen genannten Werkzeug arbeitet er die Feinheiten heraus. Die endgültige Gestalt des Hutes ist jetzt schon gut erkennbar.

Thomas bringt sein Werkstück in den Trockenraum. In der Massenproduktion werden Hüte auf beheizten Formen getrocknet. Nicht so in der traditionellen Hutmacherei: Hier lagert der steife und geformte Hut 3 Tage und trocknet langsam aus. Das schont das Material und verspricht Langlebigkeit.

Der Hut hat nun bereits seine endgültige Form. Dennoch erhält er in der Hutmacherei Braun noch eine abschließende Behandlung. Lothar Braun bedient die massive hydraulische Presse. Unter Hochdruck und bei einer Temperatur von 180° wird der Hut nochmals in Form gepresst. Dadurch wird der Hut nochmals stabiler und formbeständiger.

Jetzt ist die Formgebung des Hutes abgeschlossen.

Fast fertig

Bei einem Trachtenhut erfolgt jetzt noch das „Aufbürstlen“: Der Velours Stoff wird auf Innen- und Außenseite gebürstet, so dass sich die einzelnen Haare aufstellen. Dadurch erhält der Hut seine typische flauschige Oberfläche.

„Aufgebürstelter“ Trachtenhut

Der letzte Arbeitsschritt ist das Ausfertigen: Mitarbeiterin Maria näht ein Schweißband ein und macht die Garnitur. Für den Trachtenhut wird dazu eine Kordel in mehreren Bahnen aufgenäht.

Pro Jahr entstehen auf diese Art in der Teisendorfer Hutmacherei mehrere tausend Hüte. Von trachtig bis modern, aus Filz oder Stroh.

Kaufen könnt Ihr die Braun Hüte in Teisendorf oder im Ladengeschäft in Freilassing.

Das Team von Hut Braun

Danke Familie Braun, dass Ihr mir euren Betrieb gezeigt habt. Ich wünsche Euch viel Glück für die Zukunft, Euer Sepp

Mein Name ist Sepp Wurm und ich bin seit Sommer 2010 bei der Berchtesgadener Land Tourismus. Als Social Media Enthusiast kümmere ich mich neben diversen anderen Kanälen auch um das BerchtesgadenerLandBlog. Schwerpunkt meiner Blogbeiträge sind Berichte über meine Wanderungen und Bergtouren im Sommer, sowie über Skitouren im Winter. Meine Leidenschaft für die Berge bringe ich gerne in unseren Blog mit ein. Als waschechter Ramsauer „Bergbauernbua“ liegen mir zudem unsere Heimat und ihre Traditionen und Bräuche natürlich besonders am Herzen. Ich hoffe, diese Liebe zu unserem schönen Berchtesgadener Land spiegelt sich auch in meinen Blogbeiträgen wider.

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