Kultur

Wenn kräftige Männer auf ein Kommando hören

Das Maibaum-Aufstellen

Wie in diesem Jahr 2021 schon so Vieles und wahrscheinlich noch Vieles:
Das Maibaumaufstellen in den Dörfern und Weilern des Rupertiwinkels kann nicht stattfinden. Machte „Corona“ schon letztes Jahr einen Strich durch die Rechnung für den ersten Mai und die Tage danach und die oft schon vorbereiteten Maibäume mussten liegen bleiben, so wusste man in diesem Jahr 2021 bereits weit im Vorfeld von der drohenden Absage.


Die folgenden Zeilen und Bilder aus den letzten Jahren geben einen Einblick in den großen Aufwand, die Arbeit und den Zusammenhalt. Ohne all das wäre es nicht möglich und von all dem möchte ich erzählen.
Mit viel Vorfreude auf das nächste Jahr.
Eure Rosi


Mit viel Hauruck und „Irxnschmalz“ geht es für den Maibaum Zentimeter für Zentimeter nach oben, bis er in seiner vollen Länge in der Senkrechten steht. Schön geschmückt zeigt er sich mit den Zunftzeichen der ortsansässigen Handwerker, mit den Wappen der Gemeinde und Ortsteile. Die Vereine stiften in buntbemalter Symbolik des Vereinszweckes ihr Zeichen und von Ort zu Ort unterschiedlich steht der ganze Baum bemalt mit der bayerischen weiß-blauen Raute oder einem von unten links nach oben rechts gemaltem Band in weiß-blau, das sich den ganzen Baum hinauf bis zum Boschen – der Spitze des Maibaumes – schlängelt. Andernorts glänzt der Baum frisch von der Rinde befreit in der warmen Maisonne. Keiner gleicht dem anderen, jeder steht für sich stolz als gleichsam die Visitenkarte in der Mitte seines Dorfes und erzählt vom Gemeinsinn und Zusammenhalt.

Seit Menschengedenken steht der Maibaum im Dorf. Ein genauer Ursprung des Brauches lässt sich nicht festlegen. Schon die Germanen huldigten den Gottheiten in Baumriten. Eine durchgehende Tradition gibt es jedoch nicht. Dies könnte in Zusammenhang mit der Christianisierung stehen, die heidnische Sitten zu unterdrücken suchte und oftmals bei Strafe verbot. Für das 13. Jahrhundert belegen Forschungen ein Zweigbrauchtum für den Maibeginn. Der Liebsten stellte der Bursche einen Liebesmaien vor das Kammerfenster in den Garten und bei verschmähter Liebe ein dürres Bäumchen. Für 1531 beweist ein Rechnungsbeleg aus der Hofmark Kling einen „einwandfrei echten Maibaum“ und 1585 zeichnete Maler Hans Donauer das älteste Bild eines Figurenmaibaumes mit Wipfelboschen. Zu Beginn des 30jährigen Krieges (1618 – 1648) finden sich Belege, nach denen Soldaten einen „Soldatenmaienbaum“ als Ehrenbaum für die Offiziere steckten. Dass Maibäume jedoch immer etwas ganz besonderes waren, schließt man aus der Darstellung auf einer Votivtafel in der Wallfahrtskirche Kleinhelfendorf bei München aus dem Jahre 1743: Der Maler scheint den Baum hier als etwas ganz Außergewöhnliches festhalten zu wollen.


Um 1850 sahen dann die Maibäume etwa genau so aus wie heute, schreibt uns Joseph Friedrich Lentner in seiner „Bavaria“. Danach standen sie in fast allen bayerischen Dörfern, errichtet aus Beiträgen der Gemeinden, der Burschen und einer Bierbeisteuer des Wirtes. Sie standen meist für 3 bis 5 Jahre, geschmückt mit Wappenschilden, Inschriften, Fähnlein und Kränzen. Wie bei so vielen Bräuchen konnten immer wieder belegte Verbote von Seiten der Kirche und der weltlichen Obrigkeit den Maibaum nicht aus den Dörfern und Städten vertreiben.

„Ich bin doch nur für einen kurzen Moment eingenickt!“ – und der Moment hat gereicht, dass Diebe kamen und den Maibaum aus dem vermeintlich sicheren Versteck gestohlen haben.
Vor dem 1. Mai herrscht in den Dörfern bei den Burschen große Betriebsamkeit. Sie suchen den Baum (meist eine hohe, schlanke Fichte) im Wald aus und schneiden ihn um. Entastet und entrindet kommt der Baum für die noch verbleibenden Tage in ein sicheres Versteck und wird strengstens bewacht. Die Nachbarburschen jedoch sinnen darauf, den Baum zu stehlen. Dabei gibt es inzwischen sogar „bayerische Regeln für Maibaumdiebe“, die es einzuhalten gilt. Der wichtigste Punkt dabei: Der Baum darf nicht zersägt oder beschädigt werden. Nach „zähen Verhandlungen“ mit der Zusage in flüssiger Form und einer zünftigen Brotzeit müssen die Diebe auf alle Fälle beim Herrichten, Schmücken und Aufstellen helfen und dabei entstehen so manch tiefere Freundschaften zwischen Vereinen und Dörfern.

Viel Freude mit der kleinen Auswahl an Bildern vom Maibaumaufstellen der letzten Jahre in Anger, Aufham, Johannishögl, Piding, Teisendorf und Weildorf

Im südostbayerischen Raum, besonders im Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich ist Rosi Fürmann unterwegs, um die Landschaft, das Land und die Leute, die die Schönheiten der Alpenregion und des Voralpenlandes wiederzugeben, zu fotografieren.

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